Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Eine Nymphe trifft den Weingott

Ein Musiktheater, Wein und Häppchen an einem idyllischen Ort oberhalb von Weinfelden. Zur Premiere von «La fête champètre» kamen rund 35 Gäste auf das Schlossgut Bachtobel. Es folgten weitere fünf Aufführungen.
Manuela Olgiati
Musiktheater im Dachstock des Bachtobel-Torggels: Eva Saladin spielt die Tanzmeistergeige, Roman Lemberg die Drehleier. (Bild: Mario Testa)

Musiktheater im Dachstock des Bachtobel-Torggels: Eva Saladin spielt die Tanzmeistergeige, Roman Lemberg die Drehleier. (Bild: Mario Testa)

Herzlich ist der Empfang von Gutsherr Johannes Meier und seinem Team. Den Gästen wird Wein ausgeschenkt. Roman Lemberg erklärt den Gästen im Vorhof des Schlossgutes wie Götter und Nymphen ihre Feste feierten. Später spielt er Drehleier auf der hölzernen Bühne des Scheunendaches. Gemeinsam mit Amélie Chemin inszeniert er das «Musette und Rigaudon» und «Avec du vin endormons nous» vom Barockkomponisten Jean-Philippe Rameau. Für diese musikalische Produktion zeichnet das Ensemble Il Profondo, es ist spezialisiert auf die historische Aufführungspraxis. Die Musiker sind Profis auf historischen Instrumenten. Einer ist der Weinfelder Johannes Keller, der am Cembalo ein Tanzlied anstimmt. Das emotionale Band an barocken Klängen wird mit dem Komponisten Marin Marais geknüft.

Bacchus ist nicht nur der Gott des Weinbaus, sondern auch der Erfinder des Theaters, heisst es. Auf den Hofbühnen der französischen Könige träumt man von utopischer Ländlichkeit und mondäner Dekadenz. Der ewig Trunkene mit seinem Gefolge aus Satyrn und Bacchantinnen verbündet sich mit Winzern und Bauern. Ihr gemeinsames Spiel frönt dem Rausch. Mit einem Fest soll die Gunst des Bacchus für Stadt- und Landbewohner erlangt werden.

Nur ein Vorhang als Bühnenbild

Diskret macht Darstellerin Lisa Fütterer den Vorhang auf und zu. 23 Mal mitten in den Szenen. Der Vorhang in allen Farben und Variationen prägt das karge Bühnenbild. Kaum geht der Vorhang auf, entsteht ein neues Bild. Gesprochen wird kein Wort, es ist ein Innehalten inmitten von seltenen Klängen. Eine Besucherin hält die Augen geschlossen und lauscht entspannt. Eine andere wippt zur Musik. Eine Flasche Wein, ein Fabelwesen, mehrere Themen hinter-, über- und auch nebeneinander. So präsentiert sich das Bühnenbild. So kam es zur Idee, Weingötter in einen Zusammenhang zu setzen, der zum einen den Zuhörern das Verstehen des Werkes erleichtert, indem musikalische Strukturen visualisiert werden. Und der zum anderen neue Klangeindrücke vermittelt, indem die Musik unter anderem als Rauminstallation dargeboten wird.

Das Spektakel und die höfische Festkultur des französischen Barock setzen die Musikerinnen Anna Fusek und Eva Saldin auf Flöte und Violine fort. Passend zur ländlichen Folklore aus dem 17. Jahrhundert von holländischen Komponisten feiert eine Ziege ihren Auftritt. Es sind auch die Ziegenglocken, die die Zuschauer später nach draussen locken. Der Regisseur lotst die Gäste rasch ins Freie. Immer kleiner werden die Darsteller, denn sie sind längst nicht mehr auf der Bühne, sondern springen flink den Rebberg hinauf, verschwinden und kommen mit wehenden Roben hinunter. Der Applaus ist gross, der Regisseur freut sich, so sehr, dass er die Darsteller spontan umarmt. Dabei knüpft der gelungene Abschluss an die historische Erzählung Lembergs. «Ein recht anspruchsvolles Bühnenstück», kommentiert Besucherin Janine Zürcher.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.