Notkirche bringt Katholiken in Amriswil in Not

Die Tage des Amriswiler Stefanshöflis sind gezählt. Doch der Denkmalschutz will das Todesurteil nicht hinnehmen.

Manuel Nagel
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Daniel Ambord, Präsident der Katholischen Kirchgemeinde Amriswil, und deren Bauverwalter Urs Hungerbühler vor dem Stefanshöfli. Das Gebäude zweier bekannter Architekten, nur als Provisorium gebaut, soll abgerissen werden. Der Denkmalschutz ist dagegen.

Daniel Ambord, Präsident der Katholischen Kirchgemeinde Amriswil, und deren Bauverwalter Urs Hungerbühler vor dem Stefanshöfli. Das Gebäude zweier bekannter Architekten, nur als Provisorium gebaut, soll abgerissen werden. Der Denkmalschutz ist dagegen.

Bild: Reto Martin

«Wir wollen leben», sagt Urs Hungerbühler. «Wir wollen eine aktive Kirche sein und wachsen, wenn wir das Bedürfnis dazu haben», fährt der Bauverwalter der Katholischen Kirchgemeinde Amriswil fort. Man müsse heutzutage auch als Kirche für sich werben und Angebote machen, die nicht mehr nur alleine mit der Kirche zu tun haben.

Dieses aktive kirchliche Leben bedingt aber, dass das Stefanshöfli, wo heute ein Teil dieser Aktivitäten stattfindet, irgendwann einem zeitgemässen Ersatzbau weichen kann und soll. «Es gibt irgendwann den Punkt, an dem man auch ein Gebäude sterben lassen muss», sagt Urs Hungerbühler. Man könne nicht alles auf ewige Zeiten erhalten.

Doch genau das will Bettina Hedinger von der kantonalen Denkmalpflege. Diese will den Tod des Stefanshöfli nicht einfach so hinnehmen und ihm zu ewigem Leben verhelfen, obwohl dessen Bestehen eigentlich von Beginn weg nur befristet gedacht war. Denn im Hinweisinventar des Amts für Denkmalpflege wird die 1911 errichtete katholische Stadtkirche offiziell auch als «Notkirche» bezeichnet. Sie wurde als Provisorium errichtet, als sich die Amriswiler Katholiken von der Kirchgemeinde Sommeri abtrennten und selber ein Gotteshaus in Amriswil haben wollten. Bis zur Eröffnung der jetzigen Kirche St.Stefan im Jahr 1939 wurden im Stefanshöfli Messen gelesen.

Zwei berühmte Väter für die Wiege der Katholiken

Für die Denkmalpflege ist das Stefanshöfli nicht nur «die Wiege der Amriswiler Katholiken», es hat auch noch – zum Leidwesen derer – zwei berühmte Väter. Robert Curjel und Karl Moser sind die Architekten dieser Notkirche, die nun die Katholische Kirchgemeinde in Not bringt.

Am 17. Dezember 1911 wurde das Stefanshöfli eingeweiht. Ein Jahr zuvor wurde das prächtige Kunsthaus in Zürich eröffnet und der Bau des wunderschönen Hauptgebäudes der Universität Zürich sowie des Badischen Bahnhofs in Basel waren schon in vollem Gang. Wieso das wichtig ist? Weil Curjel und Moser auch für diese Gebäude verantwortlich sind. Und genau deshalb sei das Stefanshöfli schützenswert und dürfe nicht abgerissen werden, argumentiert die Denkmalpflege.

Für Urs Hungerbühler ist das unverständlich. «Die Uni oder auch das Kunsthaus, das sind Bauten für die Ewigkeit. Die kann man doch nicht mit unserem geliebten Stefanshöfli vergleichen», sagt er. Überhaupt frage man sich, wenn man die Amriswiler Notkirche betrachtet, ob das wirklich dieselben Architekten gewesen seien. Das Stefanshöfli stelle nun wirklich nichts Besonderes dar.

Eine von der Denkmalpflege initiierte Nutzungsstudie weist einen Investitionsbedarf von 1,8 Millionen Franken auf. «Aber damit wäre unser Platzbedarf bei weitem nicht gedeckt», wendet Hungerbühler ein. Es wäre paradox, so viel Geld in ein Gebäude hineinzustecken, das in keinem guten Zustand mehr sei, meint der Bauverwalter. Er hat deshalb in den letzten Tagen die Stadt Amriswil kontaktiert und gebeten das Stefanshöfli nicht unter Schutz zu stellen.

Spezialisten auf dem Gebiet des Kirchenbaus

Das Architekturbüro von Robert Curjel und Karl Moser entwarf einige der bekanntesten Bauwerke der Schweiz, etwa das Kunsthaus und das Hauptgebäude der Universität in Zürich und den Badischen Bahnhof in Basel. Einen Namen machten sich Curjel/Moser auch auf dem Gebiet des Kirchenbaus. Zu ihren Werken gehören nebst vielen anderen die Pauluskirchen in Basel und Bern, die Zürcher Pfarrkirchen St.Anton und St.Josef, die Kirche Heiligkreuz in St.Gallen, und nach 1915 die Grosse Kirche in Zürich-Fluntern und die Basler Pfarrkirche St.Antonius. (man)