Nollen
Der Gesundheitsminister hat auch genug von der Pandemie – aber: «Unsere Demokratie funktioniert nicht nur bei schönem Wetter»

An der Nationaltagsfeier in Wuppenau beschwor der Thurgauer Regierungsrat Urs Martin am Sonntagabend die Einheit des Volks. Diese zu erhalten, sei gerade in Krisenzeiten äusserst wichtig.

Christof Lampart
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Der Thurgauer Regierungsrat Urs Martin bei seiner 1.-August-Ansprache im Festzelt auf dem Nollen.

Der Thurgauer Regierungsrat Urs Martin bei seiner 1.-August-Ansprache im Festzelt auf dem Nollen.

Bild: Christof Lampart

Es war praktisch alles wie früher. Im Festzelt auf dem Nollen spielte die Musikgesellschaft Wuppenau, sang die Sängerrunde am Nollen und es redeten der Wuppenauer Gemeindepräsident Martin Imboden und der Thurgauer Regierungsrat Urs Martin. Und alle trugen dabei keine Maske.

Feiern zu können, ist ein Privileg

Auch der Thurgauer Gesundheitsminister, Regierungsrat Urs Martin, der mit Familie anreiste, verzichtete beim Rendezvous mit dem Volk auf den in den letzten eineinhalb Jahren ebenso vertrauten wie verhasst gewordenen Stofffetzen. Und sprach vielen Anwesenden aus dem Herzen, als er erklärte:

«Wir haben alle genug von diesen Massnahmen und dieser Pandemie. Und Sie können mir glauben: Wenn jemand genug von der Pandemie hat, dann bin ich es, der als Gesundheitsdirektor jeden Tag damit konfrontiert ist.»

Dennoch seien die aktuell zurückgewonnenen Freiheiten keine Selbstverständlichkeit: «Ich erachte es nach den letzten Monaten als wahnsinniges Privileg, dass wir nach einem Jahr Unterbruch unseren Nationalfeiertag wieder feierlich begehen können», so Martin.

Schnittmenge liegt praktisch bei null

Was ihn in den letzten Monaten im Umgang mit der Pandemie besonders belastet habe, sei, nebst all den medizinischen Fragen, auch der Umstand gewesen, dass die Meinungen über das Coronavirus und seine Folgen die Bevölkerung «maximal divergierte», denn «egal, was man entscheidet, Kritik ist garantiert. Die einen haben grosse Angst und würden das Land am liebsten ganz herunterfahren. Die anderen sehen in der Pandemie überhaupt keine Gefahr und würden am liebsten nichts tun. Die Schnittmenge der Extreme ist praktisch null», so Martin.

Einzigartiger Staatsaufbau

Umso wichtiger sei es, dass die Bevölkerung sich in dieser Situation klar werde, was die Willensnation Schweiz denn so ausmache:

«Wir müssen in der Krise zusammenstehen.»

So appellierte Regierungsrat Martin und betonte einen Fakt, auf den die ganze Schweiz stolz sein könne: «Unser Land hat auch diese schweren Zeiten gut gemeistert – gerade im internationalen Vergleich. Diese Leistung kommt nicht wegen der im Land tätigen Leute zu Stande, sondern vor allem wegen unseres einzigartigen Staatsaufbaus, den wir heute feiern dürfen.»

Gerade jener gelebte Mix aus Konkordanz, Föderalismus, direkter Demokratie, Milizwesen und persönlichen Freiheiten sei es, der die Schweizer Eidgenossenschaft zu einer robusten Demokratie werden lasse, die nicht nur bei schönem Wetter, sondern ganz besonders auch in Krisenzeiten funktioniere.

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