«Noch nie so wenig Felchen gefangen»: Bodenseefischer sind besorgt und wollen ihre Zukunft sichern

Das Fangjahr 2019 ist mit einer Gesamtfangmenge von lediglich 208 Tonnen für die Berufsfischer des Bodensee-Obersees das schlechteste Fangjahr seit Beginn der Statistikführung 1910. Trotz Fangrückgängen soll die Existenz der Fischerfamilien gesichert sein. Probleme gibt es viele. Nun sollen effiziente Lösungen her.

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Die Fischfänge gehen zurück.

Die Fischfänge gehen zurück.

Bild: Luca Linder

(red/sba) Die Lage der Bodenseefischer ist besorgniserregend. Die Bevollmächtigte für die Bodenseefischerei zeigen sich besorgt über den weiteren Rückgang der Fangerträge im vergangenen Jahr. Nur 208 Tonnen Fisch konnten die Berufsfischer des Obersees 2019 fangen. Das ist so wenig wie noch nie seit Beginn der Statistikführung im Jahr 1910.

Vor allem die Fänge bei den Felchen sind mit 54 Tonnen massiv zurückgegangen. Die Stärkung der verbliebenen Berufsfischer war daher das Schwerpunktthema auf der diesjährigen Internationalen Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei (IBKF), welche unter dem Vorsitz Baden-Württembergs am 15. Oktober 2020 stattfand.

Wie die Bevollmächtigten in einer Mitteilung schreiben, gelte es die Existenzgrundlage der verbliebenen 65 Berufsfischer auf dem Obersee zu sichern. Dies wollen sie mit mehr Eigenverantwortlichkeit beim Fang erreichen. Das heisst, die Fischer dürfen bestimmte Netztypen für den Fang selbst wählen. Dadurch sinke der Aufwand pro Fischer und die Wirtschaftlichkeit des Fangtages könne gesteigert werden.

Kormorane gefährdet Fischartenreichtum

«Auch kam man dem Wunsch der Berufsfischer nach, bestimmte Netztypen über einen längeren Zeitraum am Boden zu verankern», heisst es in der Mitteilung. Das ermöglicht insbesondere in den stürmischen Frühjahrsmonaten, das Einholen der Netze effizienter zu gestalten.

Der Kormoran frisst Fische aus dem Bodensee und gefährdet auch seltene Fischarten.

Der Kormoran frisst Fische aus dem Bodensee und gefährdet auch seltene Fischarten.

Bild: Donato Caspari

Ein Dorn im Auge ist den Fischern der wachsende Bestand an Kormoranen. Die Wasservögel fressen bis zu 300 Tonnen Fisch aus dem Bodensee und dessen Zuflüsse. Dies habe nicht nur Auswirkungen auf die Ertragslage sondern auch auf die Bestandssituation gefährdeter Fischarten.

«Die Bevollmächtigten fordern daher ein wirksames internationales Kormoranmanagement rund um den See.»

Quagga-Muschel entzieht den Fischen die Nahrungsgrundlage

Die Quagga-Muschel breitet sich explosionsartig im Bodensee aus.

Die Quagga-Muschel breitet sich explosionsartig im Bodensee aus.

Bild: Tino Dietsche

Sorgen bereitet den Berufsfischern auch die aus dem Schwarzmeergebiet stammende Quagga-Muschel. Sie hat sich seit 2016 explosionsartig im Bodensee vermehrt. Sie reduziert die Planktonverfügbarkeit im See und somit auch die Nahrungsgrundlage der heimischen Fische. Eine konkrete Lösung im Umgang mit der Quagga-Muschel geht aus der Mitteilung jedoch nicht hervor.

Dafür betonen die Bevollmächtigen im Schreiben, dass es ihr erklärtes Ziel sei, die Basis für einen nachhaltige fischereiliche Nutzung im Bodensee zu erhalten und deshalb die Ausbildung der Fischer zu fördern, die Forschung zu unterstützen und ein effizeintes Kormoranmanagement zu unterstützen.

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