Aus Sulgen kommen bald noch mehr gelbe Plastikzitronen

Die Sidag AG in Sulgen erweitert ihr Produktionsgebäude an der Weinmoosstrasse. Die Firma optimiert damit ihren Produktionsfluss.

Hannelore Bruderer
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Christine Böckel, CEO der Sidag AG, schaut einer Mitarbeiterin beim Einpacken der Plastikzitronen über die Schulter.Bild: Hannelore Bruderer

Christine Böckel, CEO der Sidag AG, schaut einer Mitarbeiterin beim Einpacken der Plastikzitronen über die Schulter.Bild: Hannelore Bruderer

Die Zitronen- und Limettensaft-Produkte Sicilia in ihren bauchig geformten Flaschen kennt fast jeder – dass diese in Sulgen produziert werden, ist hingegen nur wenigen bekannt.

Die Produkte in den Vordergrund zu stellen und nicht die Köpfe dahinter ist eine Firmenphilosophie, die im Familienunternehmen bereits seit drei Generationen gelebt wird. Das hält auch Christine Böckel so. Die Gesamtleiterin ist seit dreissig Jahren im Betrieb, seit zwölf Jahren CEO der Sizilia Citrussäfte GmbH in Berlin und seit vier Jahren auch CEO der Sidag AG in Sulgen.

Qualität kommt vor Profitdenken

Die Firma hat einen weiteren Standort auf Sizilien, von wo der Saft der Zitrusfrüchte stammt.

«Bei unserer Familie kam die Herstellung eines guten und sicheren Lebensmittels immer vor dem Profitdenken.»

sagt Christine Böckel. Die Werte, die ihre Vorfahren dem Familienunternehmen mitgegeben haben, hält die derzeitige Chefin hoch. Ebenso bewahrt sie einige Einrichtungs- und Dekorationsgegenstände ihrer Vorgänger ehrend auf.

Dennoch ruhen sich Christine Böckel und ihr Team keineswegs auf dem bereits Geleisteten aus oder verharren gar in der Vergangenheit. Zeichnet sich ein neuer Bedarf bei den Kunden ab, werden neue Vorschriften erlassen oder erschliesst sich irgendwo auf der Welt ein neuer Markt, so wird im Betrieb an Rezepturen gefeilt und an Verpackungen getüftelt.

Es begann in einem Feinkostladen

Die Sidag AG verdankt ihren Ursprung Gustav Paul Hildebrandt. Mit seiner Frau führte der Ingenieur in den 1930er Jahren ein Feinkostgeschäft in Dresden. Auf Wunsch einer Kundin begann er, Zitronensaft, damals nur in gros­sen Behältern gehandelt, in kleine Gebinde abzufüllen.
1950 erfand und baute Hildebrandt dafür eine automatische Abfüllanlage. Mitte der 1950er Jahre entwickelte er zudem eine Blasmaschine zur Herstellung der typischen bauchigen Kunststoffflaschen und einen speziellen Einsatz, der im Hals der Flasche bis heute seinen einzigartigen Zweck erfüllt: Eine patentierte Kapsel, die als Aromadepot für das wertvolle Zitrusöl dient, damit der Saft wie der einer frisch ­ausgepressten Zitrone oder Limette schmeckt und nicht einfach nur sauer ist.
Im Jahr 1956 gründete die Familie das Stammhaus in Berlin, das den deutschen Markt belieferte. Für die internationale Ausrichtung der Marke kamen bis 1974 zwei weitere Standorte hinzu – einer in Sizilien und der andere in Sulgen. (hab)

Längst gibt es die sauren Säfte in den gelben Flaschen auch in Bio-Qualität, einige Produkte werden aus Konzentrat hergestellt, andere gibt es als Frischsäfte. Auf ein neues Produkt mit dem Label der Bio-Swiss-Knospe, das kürzlich eine Auszeichnung gewonnen hat – wie vor ihm schon andere Produkte aus dem Betrieb – ist die Unternehmerin besonders stolz. «Die Säfte in unseren typischen, gelben Plastikflaschen sind vor allem bei Familien und Älteren ein Begriff. Mit innovativen Neuheiten wollen wir nun eine neue Generation für unsere Produkte begeistern.»

Nebst Wirtschaftlichkeit stehen auch Nachhaltigkeit und Transparenz bei der Sidag AG im Fokus.

«Was bei uns auf dem Etikett steht, ist auch drin. Die Lieferkette kann bis zu ihrem Ursprung zurückverfolgt werden.»

betont Böckel. «Wir verkaufen unsere Hauptprodukte in Plastikflaschen. Das Material, das nebenher beim Flaschenherstellen abfällt, wird dem neuen Material wieder zugemischt.»

Neue Maschinen

In den Produktionsräumen an der Weinmoosstrasse in Sulgen ist es eng. Mit einem Anbau an der östlichen Seite schafft die Sidag AG nun die Voraussetzungen, um sich im wandelnden Markt weiterhin zu behaupten. In der Abfüllung sind halbautomatische Maschinen im Einsatz, die modernisiert oder durch Vollautomaten ersetzt werden.

«Die vollautomatische Abfüllung brauchen wir für Aufträge, bei denen grosse Mengen des gleichen Produktes bestellt werden. Halbautomatische Maschinen werden wir auch weiter einsetzen, damit wir bei unseren Spezialprodukten mit kleineren Mengen flexibel bleiben», erklärt Christine Böckel.

Mit der Firmenerweiterung wird auch der gesamte Produktionsfluss bis hin zur Auslieferung optimiert. Die Frage, ob die Automatisierung einen Einfluss auf den Personalbestand haben wird, kann die Geschäftsführerin derzeit noch nicht beantworten. Im Moment arbeiten rund 40 Personen in der Sidag AG in Sulgen, rund 50 Personen sind es an allen drei Standorten zusammen.

Abgeschlossen im Jahr 2020

Erweitert ein Betrieb, wirft dies auch die Frage auf, ob dadurch das Verkehrsaufkommen zunimmt. In dieser Hinsicht entwarnt Christine Böckel: «Wenn wir durch die Verbesserungen mehr produzieren, werden wir zwar mehr ausliefern, dafür fallen die Mehrfahrten weg, die wir jetzt haben, weil wir Material wegen Platzmangels nur in geringen Mengen einkaufen können oder sogar auslagern müssen.» Für die Erweiterung des Betriebs, der auch ein neues Dach über dem gesamten Produktionsgebäude umfasst, wird mit einer Bauzeit von rund einem Jahr gerechnet.

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