Es ist noch ein steiniger Weg bis zum geplanten Amriswiler Kirchenzentrum

An der Budgetversammlung von Evangelisch Amriswil sorgte am Donnerstagabend vor allem das geplante Kirchenzentrum für Diskussionen.

Manuel Nagel
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Pfarrer Markus Keller tauscht sich beim kurzen Workshop mit Kirchbürgern über das geplante Kirchenzentrum aus.

Pfarrer Markus Keller tauscht sich beim kurzen Workshop mit Kirchbürgern über das geplante Kirchenzentrum aus.

(Bild: Manuel Nagel)

Erfreut blickte Claudia Schindler um drei Minuten nach halb acht in die Runde. Die Kirchenpräsidentin von Evangelisch Amriswil konnte 103 Stimmbürger begrüssen. «Sonst sind es jeweils um die 70 herum», sagte sie nach der Versammlung.

Die Zunahme von rund 50 Prozent hatte jedoch weder mit dem Budget noch mit dem geplanten Ausbildungsplatz in der Sozialdiakonie zu tun. Die beiden Vorlagen waren trotz einiger kurzer Diskussionen unbestritten und hatten keine Gegenstimmen.

Budget 2020 sieht Verlust vor

Die 103 anwesenden Kirchbürger stimmten dem Budget 2020, das einen Aufwandüberschuss von 67'414 Franken vorsieht, mit 97 Ja-Stimmen und sechs Enthaltungen zu. Den Steuerfuss bei 22 Prozent wollten 101 Personen belassen, eine stimmte dagegen und eine enthielt sich.
Sehr zur Freude von Jugenddiakonin Tabea Kunz genehmigten – bei einer Enthaltung – 102 Personen die 50-Prozent-Ausbildungsstelle und das damit verbundene «Reglement Diakoniefonds». Die Stelle kostet jährlich 32'000 Franken, wovon die Landeskirche rund die Hälfte übernimmt. Damit werde die Vielfalt und Qualität der Jugendarbeit ausgebaut. Zudem könne man so Abwesenheiten besser überbrücken, sagte Kunz. (man)

So richtig los, ging der Abend aber erst kurz vor 21 Uhr, nachdem die Stimmzettel für Kirchenpflegerin Sonja Kempter eingeworfen waren – sie wurde einstimmig wiedergewählt – und Claudia Schindler die Diskussion über das geplante Kirchenzentrum eröffnete.

1600 Reservationen und ein Mehrwert für Amriswil

Behördenmitglied Otto Seger, der dem Ressort Liegenschaften vorsteht, erklärte den Anwesenden zu Beginn, weshalb es ein neues Kirchenzentrum brauche. Jährlich gebe es 1600 Reservationen in den bestehenden Liegenschaften Altes Pfarrhaus und Kirchgemeindehaus, sagte Seger zum Erstaunen vieler Anwesender. Dazu gehörten auch Bandproben, Geburtstage, Theateraufführungen und so weiter. Otto Seger sagte:

«Wir wollen mit dem Kirchenzentrum einen Mehrwert für ganz Amriswil schaffen – nicht nur für die Kirchgemeinde.»

Doch schon nach den ersten Votanten war klar, dass die Abstimmung kein Spaziergang für die Behörde wird. Einige Anwesende zweifelten, dass die genannten 8,3 Millionen reichen würden, obwohl Seger gesagt hatte: «Darüber geht nicht!»

«Fokussieren statt Eier legende Wollmilchsau»

Mit dem Verkauf der Liegenschaften Altes Pfarrhaus, Kirchgemeindehaus und dem Pfarrhaus in Oberaach plant die Behörde rund drei Millionen ein, sodass noch fünf Millionen übrig blieben. Doch der Unterhalt und Investitionsbedarf dieser drei Liegenschaften bezifferte Seger auf ebenfalls drei bis fünf Millionen – «je nachdem wie man rechnet» – doch hätte man dann nur einen Kompromiss und keine Ideallösung.

Diese gebe es sowieso nicht, fand ein Kirchbürger nach einem kurzen Workshop, in dem sich alle in kleinen Gruppen Gedanken machen konnten. Man solle sich fokussieren und keine «Eier legende Wollmilchsau» anstreben.

Wunsch nach namhaften Architekten

Ein anderer Votant meinte, dass es letztlich keine Frage der Finanzen, sondern der Ästhetik sei, und er appellierte an die Behörde, zum geplanten Wettbewerb für 260'000 Franken auch namhafte Architekturbüros einzuladen, «damit es nicht nur einen grauen Betonklotz neben unserer schönen Kirche gibt.» Für Applaus sorgte schliesslich die Meinung eines Kirchbürgers, dass es eine Infrastruktur brauche, mit der sich auch die Jungen wohlfühlten. Und der Votant sagte:

«Nichts machen kostet nicht einfach nichts – und am Ende vielleicht noch mehr.»

Am 18. April findet um 10 Uhr bei der evangelischen Kirche eine weitere Infoveranstaltung zum geplanten Kirchenzentrum statt.