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Nicht nur Blumen an der Uttwiler Gemeindeversammlung

Am Dienstagabend erhielt der abtretende Gemeindepräsident Stephan Good warmen Applaus. Gleichzeitig musste sich die Behörde einiges an Kritik anhören.
Markus Schoch
Stephan Good wurde an der Gemeindeversammlung verabschiedet. Bild: Donato Caspari

Stephan Good wurde an der Gemeindeversammlung verabschiedet. Bild: Donato Caspari

Uttwil ist in der Selbstdarstellung der Ort, wo Menschen glücklich zu Hause sind. Für Gemeindepräsident Stephan Good ist das Dorf sogar der Himmel auf Erden.

Immer mit einem Lächeln im Gesicht laufen die Einwohner aber nicht durchs Leben. An der Gemeindeversammlung am Dienstagabend waren einige sogar richtig verärgert. Einer der Gründe ist der Umbau des Gemeindezentrums. Im Erdgeschoss wird aus der ehemaligen Post eine Gemeinschaftspraxis. Vor zwei Jahren haben die Uttwiler dafür einen Kredit in der Höhe von 650000 Franken genehmigt. Doch das Geld reicht nicht.

Gemeinschaftspraxis wird teurer

Denn die Gemeinde beziehungsweise das Ärzteteam haben das Raumprogramm um ein viertes Sprechzimmer und einen Notfallraum erweitert. Zudem sind Investitionen in Lüftung und Klimatisierung nötig. Die Mehrkosten belaufen sich auf 170000 Franken.

Gleichzeitig soll die gesamte Haustechnik im über 20 Jahre alten Gemeindezentrum saniert werden, was nochmals 250000 Franken verschlingt. Der Gemeinderat schlägt vor, dafür einen Teil des Überschusses in der Rechnung des letzten Jahres im Gesamtbetrag von rund 290000 Franken zu verwenden. Das Vorgehen kam nicht überall gut an, zumal die Bauarbeiten bereits seit März laufen und die Bevölkerung faktisch gar keine andere Wahl hatte, als den Nachtragskredit zu bewilligen – obwohl das Baukommissionspräsident Klemen Vehovec auf eine entsprechende Frage eines Versammlungsteilnehmers so nicht bestätigen wollte. «Es ist völlig falsch gelaufen», kritisierte ein Mann. Die Gemeinde hätte zuerst die Bedürfnisse seriös abklären müssen und dann die Architekten die Pläne zeichnen lassen sollen – nicht umgekehrt. «Ein Privater könnte sich so etwas nicht leisten.» Es werde ihm vor diesem Hintergrund Angst und Bange mit Blick auf die Sanierung der Mehrzweckhalle. Mit ganz wenigen Gegenstimmen sagten die Uttwiler dann aber Ja zur Vorlage. Auch weil der Mehrwert für die Ärzte nicht gratis ist: Sie müssen eine höhere Miete zahlen.

Musikverein bangt um seine Zukunft

Unzufrieden mit dem Gemeinderat ist auch Jonas Züllig vom Musikverein. Die Behörde habe einen Entscheid von existenzieller Bedeutung für sie gefällt, ohne vorher mit ihnen als Direktbetroffenen ein einziges Mal zu reden. Konkret geht es darum, dass das Grundstück am Bahnhof zu Bauland werden soll, auf dem seit Jahrzehnten der Musikpavillon steht – das Probelokal des Vereins. Die SBB als Besitzerin der Parzelle habe ihnen zwar versichert, den Mietvertrag nicht zu kündigen, sagte Züllig. Doch für einen neuen Eigentümer mit einem Überbauungsprojekt sei diese Zusage nicht bindend. «Wir bangen um unsere Zukunft. Es geht um Sein oder Nichtsein», sagte Züllig. Das Problem: Bis jetzt hätten sie keinen neuen Standort gefunden – trotz intensiver Suche. «Wir sind froh um jeden Hinweis.» Es sei noch Zeit, um eine Lösung zu finden, sagte Good am Rande der Versammlung. «In den nächsten zwei bis drei Jahren wird nichts passieren.»

Kritik musste sich der Gemeinderat schliesslich auch wegen der neuen Wanderwege anhören, die im Richtplan eingezeichnet sind. «Sie führen durch Naturschutzgebiete und andere sensible Orte», beschwerte sich ein Landwirt. «Das ist widersinnig und entspricht nicht dem Zeitgeist.» Auf entsprechende Hinweise habe die Behörde praktisch nicht reagiert, was für ihn unverständlich sei. «Sie hat in diesem Punkt keinen guten Job gemacht», sagte der Mann. Gemeindepräsident Good ging inhaltlich nicht auf den Vorwurf ein. Er wolle an dieser Stelle keine Diskussion über die Ortsplanung führen, zumal der Prozess für die alte Behörde abgeschlossen sei.

Helikopterflug als Dankeschön

Für Good selber war es nach vier Jahren die letzte Versammlung als Gemeindepräsident. Er habe in dieser relativ kurzen Zeit viel bewegt und sich stark für das Dorf engagiert, unter anderem im Rahmen der 1200-Jahr-Feier, sagte Vizepräsident Christian Wieland. Die 130 anwesenden Uttwiler spendeten Good zum Abschied warmen Applaus. Als Dankeschön erhielt er einen Gutschein für einen Rundflug mit einem Helikopter.

Ebenfalls das letzte Mal sass Martin Leemann am Tisch der Behörde. Er trat ebenfalls nicht mehr zur Wahl an, weil ihm als neuer Chef des Thurgauer Sportamtes keine Zeit mehr für die Politik bleibt. Leemann war erst vor gut zwei Jahren gewählt worden.

Ein Geschenk, eine Idee für leere Telefonkabine und Neues zum maroden Damm

Wie alle Gemeinden im Einzugsgebiet erhält auch Uttwil ein Geschenk vom EW Romanshorn zu dessen 150. Geburtstag. Anders als in Egnach dürfte es nicht zu Protesten führen. Die Gemeinde schafft sich eine neue Weihnachtsbeleuchtung an und hat die Fussgängerbrücke am Uferweg sanieren lassen, sagte Gemeinderat Christian Wieland. Sich selber ein Geschenk macht die Gemeinde mit der Telefonkabine beim «Frohsinn»-Parkplatz an der Durchgangsstrasse. Der Telekommunikationsanbieter Swisscom hat keine Verwendung mehr dafür. Gemeinderätin Regina Slongo rief die Bevölkerung dazu auf, Ideen zur Umnutzung einzureichen. Die meisten wünschen sich eine Art kleine Bibliothek. Eine Projektgruppe überlegt sich jetzt, wie dieser Vorschlag konkret umgesetzt werden könnte. Und ob es eine Möglichkeit gibt, die Bücher-Kabine auf dem zentralen Dorfplatz aufzustellen. Gemeinderat Klemen Vehovec informierte die Versammlung über das weitere Vorgehen im Zusammenhang mit dem mittleren Eisweiher-Damm, der seit einigen Wochen gesperrt ist. Der Zustand sei stellenweise kritisch, sagte Vehovec. Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der Gemeinde, des Kantons und der Grundeigentümer überlege sich jetzt, wie der marode Damm möglichst rasch und kosteneffizient saniert werden könne. (mso)

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