Neupositionierung
«Attraktiv, ambitioniert und finanzierbar»: Wie die einstige Eishockey-NLB in Zukunft auch alleine funktionieren soll

Diese Woche ist unter anderem vom HC Thurgau die Swiss League AG gegründet worden. Die Aufspaltung im Schweizer Eishockey schreitet damit voran.

Marcel Kuchta
Drucken
Teilen
Die Swiss League – und mit ihr der Mitaktionär HC Thurgau – setzt künftig voll und ganz auf ihr eigenes Zuschauerpotenzial.

Die Swiss League – und mit ihr der Mitaktionär HC Thurgau – setzt künftig voll und ganz auf ihr eigenes Zuschauerpotenzial.

Bild: Donato Caspari (Weinfelden, 11. Januar 2020)

Am Dienstag wurde in Olten die Swiss League AG gegründet. Oltens Verwaltungsratspräsident Marc Thommen und der designierte Präsident der Swiss League AG, Jean Brogle, vollzogen den Schritt unter notarieller Aufsicht. Damit ist die zweithöchste Eishockeyliga der Schweiz neu eine eigene Aktiengesellschaft.

Wieso eine eigene AG?

Die Gründung ist eine Reaktion auf den Schritt der zwölf National-­League-Klubs, die im Sommer ebenfalls eine eigene Aktiengesellschaft gegründet haben, um in Zukunft ihre eigenen kommerziellen und medialen Interessen besser wahren zu können. Dasselbe wollen nun auch die Swiss-League-Vertreter tun können.

Welche Klubs sind dabei?

Von den zwölf Swiss-League-Klubs sind zehn Aktionäre der neuen Gesellschaft. Nicht dabei sind die Ticino Rockets und EVZ Academy. Die GCK Lions gehören dazu, weil sie bereits seit 1993 (früher als GC) in der Liga mitspielen. Mit den beiden anderen, deutlich neueren Farmteams ist man im Rahmen der Eishockey-Strukturreform im konstruktiven Austausch. Jeder Klub hat 10000 Franken Aktienkapital eingeschossen, womit das aktuelle Aktienkapital 100000 Franken beträgt.

Welche Rolle spielt Jean Brogle?

Der ehemalige SRG-Mann ist ein Experte in der Sport­vermarktung. Der 54-jährige Sportjurist ist seit dem 1. Dezember offiziell mit dem Mandat betraut und wird ein 50-Prozent-­Pensum ausfüllen. Seine primäre Aufgabe wird sich um die mediale und kommerzielle Vermarktung drehen. Das betrifft einerseits die TV-Rechte, die 2021 im Hinblick auf einen neuen Vertragszyklus ab der Saison 2022/23 neu ausgeschrieben werden sollen. Für Brogle stehen dabei vor allem der technologische Wandel und das veränderte Medienkonsumverhalten der Fans im Zentrum.

Welche Ziele verfolgt die «neue» Swiss League?

«Wir wollen eine attraktive, ambitionierte und finanzierbare Liga mit nationalem Charakter, die die Tradition regional lebt und stark bei den Fans verankert ist», umschreibt Gründungsmitglied Thommen die Vision.

Wie gross ist das Potenzial punkto TV-Rechte?

Aus dem TV-Deal mit UPC/Suisse­digital und der Dachvermarktung der Swiss Ice Hockey Federation erhält aktuell jeder Swiss-League-Klub pro Saison 365'000 Franken. «Wir sind überzeugt, dass wir diesen Betrag in Zukunft steigern können», sagt Thommen: «Die Klubs sind sich aber bewusst, dass es zu Beginn auch weniger sein kann. Aber unter den aktuellen Rahmenbedingungen wäre es nicht mehr geworden.»

Wie sieht das Gerüst der neuen Swiss League aus?

Die Mitglieder gehen von 10 bis maximal 14 Klubs aus. Nebst den zehn aktuellen Aktionären und den Farmteams interessieren sich auch Basel und Chur für die Teilnahme an der Liga ab 2022/23. Die Aufnahme von grenznahen ausländischen Teams ist nicht ausgeschlossen. An der Ausländerregelung dürfte sich vorerst nichts ändern: Geplant sind zwei ausländische Spieler pro Team. Noch offen ist, wie es mit dem Thema Auf- und Abstieg aussieht. Die Klubs der Swiss League AG verstehen sich– wie auch jene der National League AG – weiterhin als Mitglieder der Swiss Ice Hockey Federation und möchten partnerschaftlich auch deren Dienstleistungen (Schiedsrichter, Spielplanung etc.) nutzen.

Die Redaktion empfiehlt