Neun Kandidaten für acht Sitze im Amriswiler Stadtrat

Die Stadtratswahlen am 10. Februar versprechen spannend zu werden. Die SVP will den Verlust des Stadtpräsidiums nicht einfach so hinnehmen und lanciert mit einem zusätzlichen Kandidaten den Wahlkampf.

Manuel Nagel
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Diese neun Kandidatinnen und Kandidaten bewerben sich für die acht Sitze im Amriswiler Stadtrat. (Bilder: PD)

Diese neun Kandidatinnen und Kandidaten bewerben sich für die acht Sitze im Amriswiler Stadtrat. (Bilder: PD)

Die Stadtratswahlen 2019 sind wie das Spiel «Reise nach Jerusalem». Wenn am 10. Februar die Musik aufhört zu spielen und die Stadtratssitze besetzt werden, bleibt sicher ein Kandidat stehen.

Bis Montag haben sich bei der Stadtkanzlei neun Personen gemeldet. Von den acht bisherigen Stadträten treten Vizestadtpräsident André Schlatter (CVP) und Claudio Zaffonato (Freie Gruppe) nicht mehr zur Wahl an. Deren Parteien schicken als Ersatz Beat Maier (CVP) und Sandra Reinhart (Grüne) ins Rennen. Die Grünen sind seit 2018 politische Nachfolger der Freien Gruppe.

Es könnte selbst einen Bisherigen treffen

Dass die Wahlen im Februar jedoch nicht zur Alibi-Übung verkommen, das ist die Auswirkung der kürzlich erfolgten Stadtpräsidentenwahl. Die SVP wird das Amt voraussichtlich an die FDP verlieren, will aber nach wie vor mit vier Personen im Stadtratsgremium vertreten sein. Deshalb schickt sie mit Ortsparteipräsident Felix Würth einen weiteren Kandidaten ins Rennen.

Die Chancen der wählerstärksten Partei sind intakt, alle vier Kandidaten in den Stadtrat zu bekommen. Eine andere Partei müsste dann Federn lassen. Sicher kann sich bei dieser Ausgangslage jedoch niemand sein. Auch ein bisheriges Stadtratsmitglied könnte es treffen – selbst eines der SVP.

Kaum Verschiebungen bei den Parteienstärken

Seit 2011 werden die Stadtratswahlen nach dem Majorzprinzip abgehalten. Vorher wählten die Amriswiler Wahlberechtigten nach dem Proporzwahlrecht, wie es auch nach wie vor bei den Nationalrats- und Grossratswahlen zur Anwendung kommt. Man kam damit auf kommunaler Ebene weg von Parteiwahlen. Die Person steht nun im Vordergrund.

Dennoch ist es interessant, auch einen Blick auf die Parteienstärken in Amriswil zu werfen. Anhaltspunkte geben dazu die letzten beiden Wahlen für den Nationalrat (2015) und den Grossen Rat (2016): Bei drei Parteien lagen die Stimmenprozente nahe beisammen. CVP (10,86 Prozent und 10,84 Prozent), SP (11,57 und 11,24) und FDP (16,64 und 16,30) verloren 2016 nur im Promillebereich Stimmenanteile im Vergleich zum Vorjahr.

Macedo bleibt alleiniger offizieller Kandidat

Bei der Wahl fürs Stadtpräsidium bleibt Gabriel Macedo (FDP) nach dem Rückzug der beiden Mitbewerber Stefan Koster (SVP) und André Schlatter (CVP) der einzig verbliebene offizielle Kandidat. Doch damit ist Macedo noch nicht durch. Es kann jederzeit ein weiterer Kandidat aufs Karussell um die Nachfolge von Martin Salvisberg aufspringen. (man)

Grössere Verschiebungen gab es bei der SVP von 39,97 auf 35,01 Prozent, sowie bei den Grünen von 4,93 auf 8,81 Prozent. Die vier Kleinparteien BDP, EDU, EVP und GLP blieben relativ stabil und legten nur leicht zu, von 16,03 auf 17,80 Prozent.

Können die Grünen die Freie Gruppe beerben?

Schaut man sich die Anzahl Stimmen der Stadtratskandidaten 2015 an, so fällt auf, dass die fünf Kandidaten der FDP und SVP auf den ersten sechs Plätzen lagen. Stefan Mayer (FDP) erreichte mit 1819 die meisten Stimmen, gefolgt von Daniela Di Nicola (SVP, 1786), Stefan Koster (SVP, 1739), Richard Hungerbühler (FDP, 1704) und Erwin Tanner (SVP, 1699). Nur Claudio Zaffonato von der Freien Gruppe konnte in diese rechtsbürgerliche Bastion eindringen und erreichte mit 1791 Stimmen den viel beachteten zweiten Platz.

Madeleine Rickenbach (SP) bekam jedoch mit 1689 nur zehn Stimmen weniger als Erwin Tanner, wohingegen André Schlatter (CVP) mit 1343 Stimmen nur hauchdünn vor dem als überzählig ausgeschiedenen Markus Berner (damals BDP, danach CVP) mit 1329 Stimmen lag.

Spannend ist insbesondere die Frage, ob Sandra Reinhart als neue Kandidatin der Grünen an das Wählerpotenzial der Freien Gruppe anknüpfen kann, oder ob einige Wähler der Freien Gruppe den Wechsel von der eher wilden Gruppierung hin zur Grünen Partei nicht mitmachen.