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Neugieriger Hausbesitzer entdeckt gut versteckten «Bschiss» hinterm Verputz

Christoph Rutschmann hat per Zufall entdeckt, dass sich hinter den weissen Stubenwänden eine Rarität versteckt.
Sabrina Bächi
Früher waren die Wände und Decke weiss. Nach einem Umbau erstrahlt die Stube in altem Glanz. (Bild: Andrea Stalder)

Früher waren die Wände und Decke weiss. Nach einem Umbau erstrahlt die Stube in altem Glanz. (Bild: Andrea Stalder)

«Flaschenweise Bier haben die Maler hier hochgetragen.» Christoph Rutschmann steht in seiner Stube und zeigt auf die Wände, wo das Bier als Farbe verarbeitet wurde. Mit Farbpigmenten angereichert ziert die Bierfarbe nun in sanftem Grün die schmucke Stube an der Magdenaustrasse in Weinfelden.

Auf diesen paar Quadratmetern ist alles wie zu der Zeit, in der die Stube in Rutschmanns Haus entstand. «Das ist alles etwa aus der Zeit von 1880», sagt er. Als er das Haus vor rund 20 Jahren kaufte, war von dem Grün an den Wänden nichts zu sehen. Auch nicht vom Parkettboden und der Holzvertäfelung an den Wänden.

«Es war alles weiss. Ich hoffte jedoch, dass dieses Haus noch Schätze im Verborgenen hat, die es zu entdecken gilt.»

So sah die Wand noch mit Verputz aus. (Bild: PD)

So sah die Wand noch mit Verputz aus. (Bild: PD)

Rutschmann lächelt. Denn genau das passierte. «Der hässliche Spannteppich hat mir sowieso nicht gefallen, also habe ich mit einem Teppichmesser geschaut, ob es etwas darunter hat.» Zum Vorschein kam ein Parkettboden aus Nussbaum und Eiche. Als Forstingenieur erkannte er das Holz sofort. Vorsichtig mussten die rund 400 Nägel rausgezogen und die Löcher mit einer speziellen Paste gefüllt und versiegelt werden.

Ein halbes Jahr Zeit für die Sanierung

Der schmucke Holzboden in Rutschmanns Stube. (Bild: Andrea Stalder)

Der schmucke Holzboden in Rutschmanns Stube. (Bild: Andrea Stalder)

Doch das war lang nicht alles, was diese Stube zu bieten hatte, wie Rutschmann 2010 feststellte. Bei einem grösseren Umbau des obersten Stockwerks sah er von oben, dass die Decke seiner Stube ein Kastentäfer sein muss. Doch die Zeit, diesen Schatz zu finden, fehlte ihm.

«Vor einem Jahr hatte ich ein Sabbatical und entsprechend sechs Monate Zeit, mir die Decke genauer anzuschauen.»

Auch der gut erhaltene Knauf am Fenster ist eine Rarität. (Bild: Andrea Stalder)

Auch der gut erhaltene Knauf am Fenster ist eine Rarität. (Bild: Andrea Stalder)

Was dann folgte, war ein kompletter Umbau der Stube. Denn nicht nur unter den weissen Platten an der Decke, sondern auch an den Wänden kam alter Holztäfer zum Vorschein. «Ich habe dann den Heimatschutz angerufen», sagt Rutschmann.

Schweizweit sehr selten

Nach einer Begutachtung war klar: Rutschmann hat in seiner Stube unter Spannteppich und Weichfaserplatten eine echte Rarität entdeckt. «Eine Stube aus dieser Zeit, in der noch drei Viertel des Originalzustands erhalten sind, ist schweizweit sehr selten», weiss der Forstingenieur.

Sein Ziel von Beginn an war es, den Originalzustand wiederherzustellen. Eine weitere Besonderheit ergab sich bei der Sichtung des Holztäfers jedoch. «Das Täfer sieht aus, als ob es Nussbaum und Wurzelmaserahornplatten wären. Es sind aber Fichtenplatten, ein günstiges Holz, im Gegensatz zum Wurzelmaserahorn.» Von blossem Auge ist jedoch fast nicht zu erkennen, dass die ganzen Holzwände nur Bschiss und nicht echt sind.

Eine der freigelegten, schönen Zierleisten unter der Decke. (Bild: Andrea Stalder)

Eine der freigelegten, schönen Zierleisten unter der Decke. (Bild: Andrea Stalder)

Malermeister Martin Vock hat schliesslich in mühseliger Feinarbeit mit Farben die Fichtenplatten so bemalt, dass es wie im Original mit dem Bschiss übereinstimmt. Bis im März 2019 waren Handwerker und Rutschmann selbst in der Stube von morgens bis abends beschäftigt. «Ich habe mit einem Lümpli voller Brennsprit den Lack vom Holz abgeputzt.» In einer Stunde habe er vielleicht eine Fläche von zehn auf zehn Zentimeter geschafft.

«Aber das war mir egal, ich habe wie verbissen daran gearbeitet»

sagt er und lächelt wieder. Die Freude über seine alte Stube ist ihm anzusehen. Historische Besonderheiten sind Rutschmanns grosse Leidenschaft. Bewusst hat er sich deshalb auch für dieses Haus entschieden, weil er eben hoffte, es verberge sich noch ein Schatz darin. Dass es grad eine so eine rare Stube ist, die nun im alten Glanz wieder erstrahlt, hätte er nicht zu hoffen gewagt.

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