Neues Leben auf dem Egnacher Thurella-Areal

Am Mittwoch haben die Investoren der Überbauung auf der Industriebrache die Pläne der Bevölkerung vorgestellt. Zu reden gab vor allem der geplante zentrale Platz und die Belebung durch Geschäfte oder Dienstleistungsunternehmen.

Markus Schoch
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Visualisierung der geplanten Wohnüberbauung auf dem ehemaligen Betriebsgelände der Thurella. (Bild: Nightnurse Images Zürich)

Visualisierung der geplanten Wohnüberbauung auf dem ehemaligen Betriebsgelände der Thurella. (Bild: Nightnurse Images Zürich)

Das Projekt ist einen entscheidenden Schritt weiter gekommen, aber liegt weit hinter dem ursprünglichen Fahrplan zurück.

Bereits vor über fünf Jahren informierte die Thurella zusammen mit dem verantwortlichen Architekten aus Rorschach über die geplante Überbauung auf dem ehemaligen Firmengelände. Wenn alles rund laufe, könne mit dem Bau 2016 begonnen werden, hiess es damals.

Dass es länger dauerte, hat unter anderem damit zu tun, dass die Thurella mit der Mettler2Invest einen Investor fand, der die Planung mit Baumschlager Eberle Architekten aus St. Gallen neu anging und die rund zwei Hektar grosse Industriebrache voraussichtlich übernimmt.

Voraussetzung für die Handänderung ist, dass der Gestaltungsplan rechtskräftig wird, der derzeit beim Kanton zur Vorprüfung liegt. Über dessen Inhalt beziehungsweise das überarbeitete Projekt informierten die Beteiligten am Mittwochabend die Bevölkerung. Das Interesse war gross. Rund 100 Personen folgten der Einladung ins Restaurant Sternen.

Ziel ist ein lebenswertes Dorfzentrum

Im Kern sind die neuen Pläne auch die alten. Auf dem einstigen Betriebsareal soll ein lebenswertes Dorfzentrum entstehen mit einem zentralen Platz auf der Bahnhofstrasse. Gemeindepräsident Stephan Tobler betonte:

«Es ist aber nicht das gleiche Projekt»,

Im Detail gibt es durchaus Änderungen. Mettler2Invest möchte vier- bis fünfgeschossige Häuser bauen mit insgesamt rund 140 Wohnungen im erschwinglichen Preissegment, fast die Hälfte davon mit dreieinhalb Zimmern. Vorgesehen ist, 40 Prozent zu vermieten und 60 Prozent zu verkaufen.

Die Verhältnisse könnten sich je nach Marktlage aber noch ändern, sagte Projektleiter Roland Ebneter am Mittwochabend. Die Zielgruppe ist breit. Es sind Junge ebenso wie Alte, Singles ebenso wie Familien.

«Wir streben eine natürliche Durchmischung an.»

Denkbar seien auch generationenübergreifende Wohnprojekte. Im Erdgeschoss der Häuser am zentralen Platz wird es Gewerbeflächen für Dienstleistungsbetriebe geben. Als Beispiel nannte Ebneter eine Bäckerei mit Kaffee oder einen Arzt. Der Gestaltungsplan macht dazu verbindliche Vorgaben.

Der Platz soll zum Treffpunkt werden und Raum für Strassenfeste oder Märkte bieten. Nur wenn es gelinge, ihn mit Gewerbe- und Dienstleistungsbetrieben sowie Aktivitäten zu beleben, «funktioniert er», sagte Boris Binzegger von der nrpingenieure ag. Sie seien sich der Herausforderung bewusst, meinte Ebneter.

Eine Frau aus dem Publikum erkundigte sich nach finanziellen Anreizen, die helfen sollen, geeignete Mieter zu finden. Unter Umständen müssten sie sich bei den Preisen etwas überlegen, meinte Ebneter. Gemeindepräsident Tobler erwartet «eine Quersubventionierung» durch die Wohnungen.

Stehen bleiben das Restaurant Sternen ohne den Anbau und das Mostereigebäude mit der Backsteinfassade ohne die hinterliegenden Gebäude. Der Schutzplan wird entsprechend angepasst. Wie die beiden Zeitzeugen genutzt werden sollen, ist offen. Denkbar ist gemäss Ebneter, dass der «Sternen» nach einer sanften Renovation das bleibt, was er heute schon ist: ein Restaurant mit Saal.

Denkbar sei aber ebenso, dass die Beiz zu einem Ort für Wohnen und Arbeiten wird. Essen und Trinken soll es in diesem Fall im ehemaligen Mostereigbäude geben. Ebneter sagte:

«Wir könnten uns dort eine Erlebnisgastronomie vorstellen.»

Vorderhand auch nicht angetastet wird das ehemalige Bürogebäude der Thurella, das heute gut vermietet ist.

Grosszügige Grünräume

«Es soll kein Ghetto geben», sagte Architekt Elmar Hasler. Die Häuser würden «locker platziert» und teilweise versetzt angeordnet. Es sollen auch nicht alle gleich aussehen.

«Wir legen zudem grosszügige Grünräume an, wo sich die Bewohner treffen können.»

Es sei «vieles interessant und positiv», meinte ein Mann in der Fragerunde. Es sei aber nicht nötig, den Platz voll zu möblieren. Zudem hätten die Grenzen des Gestaltungsplans Richtung Bahnhof weiter gezogen werden können.

«Der Radweg gehört in die Planung.»

Sie hätten davon abgesehen, weil die Abklärungen für eine Unterführung «noch nicht so weit sind», sagte Binzegger. Gemäss Aggloprogramm soll sie 2021/22 gebaut werden, ergänzte Tobler.

Chronologie

  • 1900 Gründung der Mostereigenossenschaft Egnach.
  • 1976 Nach längeren Verhandlungen schliesst sie sich mit vier Mostereien zur gemeinsamen Vertriebsgesellschaft Thurella mit Sitz in Bischofszell zusammen.
  • 2009 Erste Sanierung nach finanziellen Problemen. Ein Jahr später ist zweite Sanierung nötig.
  • 2013 Die Thurella zieht sich aus dem einstigen Kerngeschäft zurück. Die Gemeinde und die Verantwortlichen treffen sich zu einer Sitzung, um über die Zukunft der Industriebrache zu sprechen.
  • 2018 Die Egnacher stimmen einer Umzonung des Thurella-Areals in die Zentrumszone Z4 zu.
  • 2019 Im Spätherbst soll der bereinigte Gestaltungsplan öffentlich aufgelegt werden.
  • 2021 Wenn alles glatt läuft, soll in diesem Jahr mit den Bauarbeiten begonnen werden. Und zwar in zwei Etappen. Los geht es voraussichtlich im westlichen Teil.