Neues Holz für die Kinderstube unter Wasser – die Kreuzlinger Sportfischer kümmern sich um den Fischnachwuchs

Der Sportfischerverein Kreuzlingen erneuert mit Hilfe des Tauchclubs seine drei Fischreiser.

Inka Grabowsky
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Die Mitglieder des Sportfischervereins versenkten am Samstag das Gehölz im See.

Die Mitglieder des Sportfischervereins versenkten am Samstag das Gehölz im See.

(Bilder: Reto Martin)

Ein bemerkenswertes Konstrukt war ab Mitte Dezember am Kreuzlinger Seegarten zu sehen. 250 zersägte Zwetschgenbäume bildeten einen Wall um die drei kleinen Palmen im Blumenbeet.

«Nein, das ist kein neues Kunstobjekt.»

So steht es auf einem Zettel des Sportfischervereins Kreuzlingen. Hier lagerte der Verein Material, mit dem er nun seine drei Fischreiser im Bodensee auffrischt. Das Klosterreis auf Höhe des Schifffahrtshafens, das Seegartenreis und das Fischerhausreis wurden zum letzten Mal 2009 aufgefüllt.

Die Mitglieder des Sportfischervereins versenkten am Samstag das Gehölz im See.

Die Mitglieder des Sportfischervereins versenkten am Samstag das Gehölz im See.

(Bilder: Reto Martin)

Künstliche Riffe am Seegrund

Die Tauchgruppe der Seepolizei hatte bei einer Übung festgestellt, dass das Holz unter Wasser recht zerfallen ist. Fischreiser sind künstliche Riffe am Seegrund. Selbst bei Niedrigwasser liegen sie noch zwei Meter unter der Wasseroberfläche. Fischreiser dienen als Zufluchtsort Raubfische und Raubvögel können nicht durch das Gewirr der Äste hindurch. Deswegen dienen die Fischreiser den Jungfischen als Zufluchtsort.

Alfredo Sanfilippo, Präsident des Sportfischervereins sagt:

«Früher gab es im Uferbereich einen Schilfgürtel und umgestürzte Bäume, die diese Funktion erfüllten, doch heute ist der Seegrund aufgeräumt, damit Bootsfahrer und Schwimmer nicht auf Hindernisse stossen.»

Die ersten Aufräumer waren die Segi-Fischer, die zwischen zwei Booten ein Netz aufspannten und es an den Seegrund drückten. Bäume unter Wasser hätten ihnen den Fang verunmöglicht. Das Problem und seine Lösung sind also nicht neu. Unterwasser-Archäologen finden sogar immer wieder Reste von Fischreisern aus dem Mittelalter. Die Hege der Jungfische mit Fischreisern war 1927 ausdrücklich Motivation für die Gründung des Sportfischervereins Kreuzlingen.

Heimat der kleinen Chretzer

Als Laichplatz sind die Reiser vor allem für Barsche geeignet. Die Chretzer suchen Seegras oder Gestrüpp, an dem sie ihren Laich befestigen können. Der Platz darf nicht zu tief unter Wasser liegen: Die Fischlein müssen gleich nach dem Schlüpfen einmal an die Oberfläche, um Luft zu schnappen. Ist der Weg zu lang, sterben sie.

Sanfilippo legt Wert auf die Feststellung, dass die Sportfischer die Fischreiser nicht aus Eigennutz erstellen.

«Wir geben den Jungfischen wieder einen Lebensraum».

Jungfische fressen Larven der Quagga-Muscheln

Das nützt vielen – auch den Berufsfischern und den Seewasserwerken. Fische fressen nämlich die Larven der Quagga-Muscheln, die in erwachsener Version die Filterkörbe vor den Ansaugrohren der Wasserwerke verstopfen.

Mindestens 10'000 Franken investiert der Sportfischerverein in die Instandhaltungsaktion, zusätzlich zu ungezählten Stunden ehrenamtlicher Arbeit. Am 14. Dezember hatten rund zwei Dutzend Freiwillige eine überalterte Obstbaumplantage bei Egnach abgeholzt. Zwanzig Anhängerladungen kamen zusammen, die nun mit Booten und einem geliehenen Ponton zu den Reisern transportiert werden.

Alte Obstbäume aus Egnach wurden zum Kreuzlinger Yachthafen gebracht.

Alte Obstbäume aus Egnach wurden zum Kreuzlinger Yachthafen gebracht.

(Bilder: Reto Martin)

Vor Ort helfen Freiwillige vom Tauchclub Kreuzlingen dabei, das Holz in die Stahlkäfige am Seegrund zu platzieren. Die Reiser sind zwei Meter hoch, 5 Meter breit und 20 Meter lang: Dafür braucht man eine Menge Holz.

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