«Neues einbringen, Bewährtes bewahren», lautet die Jahresbilanz von Amriswils Stadtpräsident Gabriel Macedo

Gabriel Macedo ist seit Juni Stadtpräsident von Amriswil. Er blickt auf das zu Ende gehende Jahr zurück und wagt einen Blick in die Zukunft.

Manuel Nagel
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Stadtpräsident Gabriel Macedo hat die Gemeinde Amriswil nicht nur im Blick, sondern auch als Luftbild an der Wand in seinem Büro im Stadthaus.

Stadtpräsident Gabriel Macedo hat die Gemeinde Amriswil nicht nur im Blick, sondern auch als Luftbild an der Wand in seinem Büro im Stadthaus.

Bild: Reto Martin

Die Festtage hat er nicht in der Schweiz verbracht. Erst seit gestern Sonntag ist er wieder zu Hause, nachdem er einige Tage Wärme und Kraft getankt hat. Ein Jahr der Veränderungen sei 2019 gewesen, lautet Gabriel Macedos Antwort auf die Frage, wie er die vergangenen 365 Tage aus Amriswiler Sicht charakterisieren würde. Das trifft nicht nur auf Amriswil, sondern auch auf den neuen Stadtpräsidenten zu, der das Amt am 1. Juni von Martin Salvisberg übernommen hat.

«Diese Veränderungen sind jedoch gepaart mit viel Bewährtem. Es ist nicht alles neu», sagt Macedo und spricht als Erstes den Stadtrat an, dem seit diesem Sommer drei neue Mitglieder angehören. Das Strassenfest sei ebenfalls ein gutes Beispiel. Der Anlass selber sowie die Städtepartnerschaft mit Radolfzell sei nun schon 20-jährig, doch mit «Strassenfestival» sei nicht nur ein neuer Name gekommen, sondern auch neue Elemente.

Gabriel Macedo, Stadtpräsident von Amriswil, in seinem Büro.

Gabriel Macedo, Stadtpräsident von Amriswil, in seinem Büro.

(Bild: Reto Martin)

«Bewährtes bewahren und Neues reinbringen, das waren Amriswils Stärken in den vergangenen zwölf Monaten», sagt Gabriel Macedo. Er will nicht den Eindruck erwecken, alles umkrempeln zu wollen. Macedo betont, dass wenn er anders an eine Sache herangehe – wie etwa beim Budget 2020 – dies nicht bedeute, dass es vorher nicht gut gewesen sei.

Neugestaltung des Bahnhofplatzes auf gutem Weg

Neu und eines seiner Wahlversprechen sind etwa die Stadtgespräche, die der Stadtpräsident in den Aussengemeinden Schocherswil und Hagenwil durchgeführt hat. «Den Puls der Leute in einer ungezwungenen Atmosphäre zu spüren, war wichtig für mich», sagt Macedo. Dabei seien auch Themen zur Sprache gekommen, für die man sonst nicht unbedingt ins Stadthaus gegangen sei. «Ich will unserer Verwaltung keine zusätzliche Arbeit beschaffen, sondern einfach auf Augenhöhe mich mit der Bevölkerung austauschen.»

2020 knackt Amriswil die 14'000-er Grenze

«Das Wachstum von Amriswil geht weiter – und wir müssen parat sein, wenn diese Leute hier sind», sagt Stadtpräsident Gabriel Macedo. Ein erster Schritt dazu ist die Fertigstellung der Stadthauserweiterung. Im kommenden Mai ziehen die Sozialen Dienste und die Bauverwaltung in das neue Gebäude. Damit werden sämtliche Ämter unter einem Dach sein.

«Damit werden die Wege kürzer», sagt Macedo und meint damit auch die Entscheidungswege. Der tägliche persönliche Austausch fehle heute. Deshalb erhofft er sich einen noch besseren Zusammenhalt beim städtischen Personal, der heute schon sehr gut sei. Aber auch für die Einwohner werde es einfacher. Nachher wisse man, dass alles, was man von der Stadt brauche, an einem einzigen Ort sei.

Stadtverwaltung wird nicht aufgeblasen

Die Einwohnerzahl lag Ende 2018 bei 13460 und ist nun um rund 300 grösser. Amriswil wird also höchstwahrscheinlich in etwa einem Jahr die Marke von 14000 Einwohnern knacken.

Mit dem Erweiterungsbau gebe es nun zwar auch Platzreserven bei der Stadtverwaltung, doch die werde deswegen nicht aufgeblasen, verspricht Macedo. «Wir arbeiten heute schon sehr effizient», sagt der Stadtpräsident. Diese Effizienz wolle man beibehalten. Vielleicht brauche man aber wegen des Wachstums neue Räume in naher Zukunft.

«Als gut erschlossenes regionales Zentrum mit guter Infrastruktur und vielen Arbeitsplätzen ziehen wir viele Leute an», sagt Amriswils Stadtpräsident. Innerhalb der nächsten zehn Jahre werde die Gemeinde deshalb weiter anwachsen auf über 15000 Einwohner. (man)

Diese hiess an der Gemeindeversammlung das Budget für das kommende Jahr einstimmig gut. Darin enthalten waren unter anderem die Projektkosten für die Neugestaltung des Bahnhofplatzes. Da sei die Stadt auf gutem Weg, verrät Macedo. Im Spätherbst bewarben sich zehn Planerteams, aus denen die besten drei ausgewählt worden sind. Bis im Frühling 2020 sollen diese nun ihre Studie zur Neugestaltung des Bahnhofplatzes vorlegen, und der Gewinner des Trios darf dann ein Vorprojekt ausarbeiten. Aller Voraussicht nach im Jahr 2021 werde es eine Volksabstimmung dazu geben, sagt Macedo.

Gesundheitszentrum oder andere Dienstleistungen

Ebenfalls in dieses Projekt hinein spielen die drei Gestaltungspläne entlang der Poststrasse, zwischen Bahnhof- und Kirchstrasse. «Unsere Bauverwaltung war dieses Jahr sehr stark darin involviert und engagiert», sagt Macedo, konkret gebe es aber noch nichts zu vermelden.

Am weitesten fortgeschritten sei man mit dem mittleren Abschnitt zwischen Rennweg und Dianastrasse, am wenigsten weit beim Gebiet zwischen Diana- und Kirchstrasse, «weil da viele Grundeigentümer betroffen sind», erklärt Macedo. Jede dieser Personen habe ihren eigenen Lebensplan und ihre eigene Vorstellung der Zukunft.

Gabriel Macedo, Stadtpräsident von Amriswil, in seinem Büro.

Gabriel Macedo, Stadtpräsident von Amriswil, in seinem Büro.

(Bild: Reto Martin)

Ebenfalls weit fortgeschritten sei aber der Gestaltungsplan zwischen Bahnhofstrasse und Rennweg, wo die Stadt mit dem Hotel Bahnhof und der alten Post strategisch wichtige Liegenschaften erworben hat. «Doch wer dort wann investiert, das liegt nicht in unserer Hand», sagt Gabriel Macedo.

Vereinstätigkeit leidet

Überraschungen habe er nicht erlebt in den ersten sieben Monaten im Amt, sagt Gabriel Macedo. Ihm sei sehr bewusst gewesen, auf was er sich einlasse. Dazu gehöre auch Unangenehmes wie das Fällen unpopulärer Entscheide. Zudem habe er nur noch wenige Abende, die er privat verbringen könne. «Ich musste deshalb die Vereinstätigkeit auf ein Minimum beschränken, obwohl ich ein Vereinsmensch bin», sagt Macedo. Die freie Zeit verbringt er deshalb noch bewusster mit seiner Partnerin, die sehr viel Verständnis aufbringe und ihn auch entlaste. (man)

Er habe keine besonderen Vorlieben, was da entstehen solle, aber er wünsche sich etwas mit Publikumsverkehr: «Ein Gesundheitszentrum mit spezialisierten Ärzten oder auch Gastro- oder Dienstleistungsbetriebe.» Macedo geht von einem Zeithorizont von vier bis sechs Jahren aus. Sobald ein Ankermieter für diese Überbauung gefunden sei, könne es schnell gehen, «und dann ziehen vielleicht auch andere Investoren nach», hofft er.

Hinweis
Neujahrsbegrüssung der Stadt Amriswil: Donnerstag, 2. Januar 2020, 11 Uhr, Eisfeld «Amriswil on Ice» auf dem Marktplatz.