Neue Wende im Dorfbeiz-Poker in Roggwil: Nach Karl Müller verlieren auch die aktuellen Pächter das Interesse am «Ochsen»

Die Pächter des Restaurants Ochsen haben auf Ende Januar des nächsten Jahres gekündigt. Nachfolger zu finden, wird nicht einfach sein. Dabei lag eine Lösung auf dem Tisch.

Markus Schoch
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Das Restaurant Ochsen mit dem Farinolihaus im Zentrum von Roggwil. (Bild: Andrea Stalder)

Das Restaurant Ochsen mit dem Farinolihaus im Zentrum von Roggwil. (Bild: Andrea Stalder)

Es ist so gekommen, wie es sich niemand gewünscht hat. Auch wenn doch einige befürchtet hatten, dass es so enden würde. Der «Ochsen» im Zentrum von Roggwil steht vor einer ungewissen Zukunft. Die Pächter haben nach 14 Jahren im Betrieb auf Ende Januar den Vertrag aufgelöst. Es gebe diverse Gründe dafür, sagt die Wirtin. Sie wolle aber nicht in der Öffentlichkeit darüber reden. Was sie künftig mache, sei offen.

Die Saalbaugenossenschaft als Besitzerin der Liegenschaft sucht jetzt einen Nachfolger und hat das Restaurant ausgeschrieben – zur Miete «zu einem fairen Preis» oder allenfalls zum Kauf. Jemanden zu finden, dürfte nicht einfach sein, ist sich Präsident Willi Bischofberger bewusst.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Das Gasthaus mit 50 Sitzplätzen, einem kleinen und einem grossen Saal für 30 beziehungsweise 150 Personen sowie zwei Doppel- und einem Einzelzimmer hat seine besten Zeiten längst hinter sich. «Die Küche ist 50 Jahre alt», sagt Bischofberger.

«Uns fehlt aber das Geld, um alles neu zu machen.»

Die Hoffnung hat er dennoch nicht aufgegeben, dass sich trotzdem noch alles zum Guten fügt. «Es haben sich bereits Interessenten gemeldet.»

Es wäre vor allem für die Vereine wichtig, dass die Beiz am Dorfplatz offen bleibt. «Sie haben keine Alternative», sagt Bischofberger. Aber auch für das Leben im Dorf ganz allgemein wäre es schlecht, wenn der «Ochsen» zu gehen würde, sagt Gemeindepräsident Gallus Hasler. Das praktisch angebaute Farinolihaus, wo einst ein Bäcker wohnte und arbeitete, steht seit 20 Jahren leer.

Es gab Pläne für einen Neubau

Es hätte ganz anders kommen können. Kybun-Chef Karl Müller beziehungsweise die Josua-Stiftung als Hauptaktionärin der Kybun AG wären unter gewissen Bedingungen bereit gewesen, Millionen in die Belebung des Zentrums zu investieren. Der Vorstand der Saalbaugenossenschaft hätte ihr die «Ochsen»-Liegenschaft für 480'000 Franken verkauft mit der Auflage, das Restaurant abzureissen und es nach alten Plänen aufzubauen – allerdings ohne grossen Saal.

Den Genossenschaftern ging aber alles viel zu schnell. Im letzten November verweigerten sie dem Geschäft die Zustimmung. Viele verlangten mehr Bedenkzeit. In diesem Frühling wollten sich die Genossenschafter nochmals treffen, um Nägel mit Köpfen zu machen. Doch dazu kam es nicht.

Nach Kritik zog sich Karl Müller als Investor zurück

Denn zwischenzeitlich hatte Müller das Interesse verloren, weil im Dorf Stimmung gegen ihn gemacht worden war. Die einen warfen dem erfolgreichen Unternehmer vor, er komme viel zu billig an den «Ochsen», den die Saalbaugenossenschaft nach dem Brand in den 1960er-Jahren wieder aufgebaut hatte. Die anderen setzten das Gerücht in Umlauf, Müller wolle einen «Bet-Tempel» eröffnen, was gemäss Bischofberger jeder Grundlage entbehrt. Dazu muss man wissen, dass der Kybun-Chef stark religiös ist.

Grosse Gastro-Vielfalt im kleinen Dorf

(mso) So wie es aussieht, sind die Tage des «Sternen» in Roggwil gezählt, der auch als «Fellini» bekannt ist und der D + D Immobilien AG in Horn gehört. Er soll abgebrochen werden. Im letzten August lag ein Gesuch für den Bau von zwei Mehrfamilienhäusern mit Tiefgarage auf. Einsprachen sind keine eingegangen. Das Projekt sei aber noch nicht bewilligungsreif, heisst es auf der Gemeinde. Doch selbst wenn es dereinst realisiert werden sollte, sitzen die Roggwiler nicht auf dem Trockenen. Es gibt noch diverse andere Gastrobetriebe im Dorf mit seinen rund 3000 Einwohnern. Die «Linde», das «Tres Amigos», den «Bühlhof», die Besenbeiz «Padorogg», «De Rogwiler Beck» und das Gourmet-Restaurant «Mammertsberg» in Freidorf, wo August Minikus in der Küche steht. Ihm verlieh der Guide Michelin 2015 einen Stern. Ein beliebter Treffpunkt ist die «Huus Braui» gleich neben dem Schloss in den ausgebauten Kellerräumen der «alten Öli». Dort nehmen nicht nur Roggwiler ihr Feierabendbier, das mit Quellwasser vom Dorf gebraut wird.