Neue Räume, neues Gesicht: Das Seemuseum in Kreuzlingen hat einen neuen Leiter

Historiker Christian Hunziker ist der neue Leiter des Seemuseums in Kreuzlingen. Er will Vergangenheit und Gegenwart miteinander verknüpfen.

Emil Keller
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«Die Ehrenamtlichen sind das Herzstück des Museums», sagt der neue Leiter des Seemuseums Christian Hunziker.

«Die Ehrenamtlichen sind das Herzstück des Museums», sagt der neue Leiter des Seemuseums Christian Hunziker.

Bild: Emil Keller

«Hier schlummert viel Potenzial», zeigt sich der neue Chef begeistert von seinem frisch renovierten Seemuseum. Zuletzt war Christian Hunziker vor fünf Jahren als Gast im Haus.

«Seither ist viel passiert.»

Der in Schaffhausen aufgewachsene Historiker hat seine ersten musealen Schritte im historischen Museum Thurgau gemacht. Seine Masterarbeit konnte er dort in einer Sonderausstellung unter dem Titel «August Künzler. Thurgau–Tanzania» präsentieren und damit erste Erfahrungen sammeln.

Danach zog es Hunziker nach Dresden in das deutsche Hygienemuseum. Anders als der Name vermuten lässt, hat er sich dort nicht nur mit Händewaschen, sondern mit dem Menschen an sich, aber auch mit der Industrie in Sachsen beschäftigt. Zwei grosse Ausstellungen brachte er die vergangenen vier Jahren mit auf den Weg und sammelte damit das Rüstzeug, selbst ein Museum leiten zu können.

Er hat die Energie und den Willen

Mitte August hat er nun sein Büro bezogen und verschafft sich derzeit einen Überblick: «Ein wenig am Schwimmen bin ich schon noch», gibt Hunziker zu, der aufgrund der Coronapandemie die 80-Prozent-Stelle später als gedacht antreten konnte. Nebst den Ausstellungen zu organisieren, gilt es, vier Mitarbeitende und rund 50 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer zu führen. Für den 31-Jährigen eine neue Herausforderung, der er jedoch zuversichtlich entgegenblickt:

«Ich habe die Energie und den Willen, das zu meistern.»

Kühne Ideen und ganz neue Expositionen

Frei geworden ist die Stelle, weil seine Vorgängerin Ursula Steinhauser die Kulturamtsleitung des Kantons Appenzell Ausserrhoden übernommen hat. «Eine einmalige Chance im Leben», begründet Steinhauser ihren Weggang vom Seemuseum. Zurück lässt sie ein Haus, das nach fünf Jahren unter ihrer Leitung einen enormen Wandel durchgemacht hat. Nicht nur wurde die ehemalige Kornschütte umgebaut, auch der Betrieb ging von freiwilligen in feste Strukturen über.

«Während dieser Zeit habe ich gemerkt, dass meine Stärken genau in dieser Dialogarbeit liegen und weniger in der Ausstellungsgestaltung», sagt Steinhauser. Nun, da das Museum im Seeburgpark frisch hergerichtet ist, gibt sie ihren Posten gerne weiter. Steinhauser, die zusammen mit dem Stiftungsrat rund 40 Bewerbungen gesichtet hat, gibt unumwunden zu:

«Müsste ich zwischen Christian und mir entscheiden, würde ich ihn wählen.»

Sie ist überzeugt, dass Hunziker kühne Ideen mitbringen und ganz neue Expositionen anstossen wird.

Berührungsängste, neue Wege für das Museum einzuschlagen, zeigt Hunziker keine. Nicht nur das Vergangene, sondern auch aktuelle Themen will er verweben. Dabei sollen nicht nur Naturwissenschaften, sondern auch Kunst und Kulturgeschichte Platz in den neu gestalteten Räumen am See finden.

Die Stiftung im Wandel

30 Jahre alt ist die Stiftungsurkunde des Seemuseums. Nach zwei Rücktritten im Stiftungsrat, ist laut Stiftungsratspräsident Markus Thalmann die Zeit für eine Umstrukturierung gekommen. «Statt einmal im Jahr sollten wir Mitglieder uns öfter sehen», wünscht sich der Präsident. Zudem möchte er mit der Gründung eines Gönnervereins das Seemuseum finanziell breiter abstützen. Denn die Umbauarbeiten haben 1,35 Millionen Franken verschlungen.

Besonders die Massnahmen zum Brandschutz haben dabei mit einem Betrag von rund einer halben Million Franken ordentlich zu Buche geschlagen. Mit insgesamt 800'000 Franken hat die Stadt Kreuzlingen den Löwenanteil der Kosten getragen. Die übrigen Gelder hat die Stiftung bei Gemeinden, Firmen und unzähligen privaten Sympathisanten auftreiben können. Aktuell ist ein Betrag von 200'000 Franken noch offen. Dieser sollte bis 2021 beglichen sein. (ek)