Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Neue Ideen für alte Häuser: Kybun-Erfinder Karl Müller will ins Dorfzentrum von Roggwil investieren

Seit rund 20 Jahren steht das sogenannte Farinolihaus im Dorfzentrum leer. Und das Restaurant Ochsen gleich daneben hat die besten Zeiten ebenfalls längst hinter sich. Schuh-Unternehmer Karl Müller könnte die Lösung für die beiden Problemfälle sein.
Markus Schoch
Das Restaurant Ochsen und das Farinolihaus liegen dicht an dicht. (Bild: Markus Schoch)

Das Restaurant Ochsen und das Farinolihaus liegen dicht an dicht. (Bild: Markus Schoch)

Es sind zwei Liegenschaften mit zwei verschiedenen Eigentümern. Doch sie gehören zusammen wie siamesische Zwillinge: das Restaurant Ochsen und das Farinolihaus zwischen Kirche und Schloss im Zentrum von Roggwil. Die Gebäude stehen dicht an dicht. Nur ein halber Meter trennt sie voneinander.

Eng verbunden sind sie auch durch ihre Geschichte: Beide sind baufällig. Im denkmalgeschützten Farinolihaus wohnte und arbeitete einst ein Bäcker – doch das ist lange her. Seit rund 20 Jahren steht es leer. Im «Ochsen» ist zwar noch Betrieb. Er müsste aber dringend saniert werden. Allen Beteiligten ist klar: Es braucht ein Konzept, das beide Parzellen einbezieht. Alles andere wäre Geldverschwendung, sagt Gemeindepräsident Gallus Hasler.

Ein Lehrling zündete einst den «Ochsen» an

Er beziehungsweise die Gemeinde hat in den Diskussionen um die Zukunft der historisch bedeutsamen Gebäude ein gewichtiges Wort mitzureden: Ihr gehört das Farinolihaus, und sie ist der finanziell gewichtigste Player in der Saalbaugenossenschaft, die den «Ochsen» nach dem Brand in den 1960er-Jahren wieder aufbaute. Ein Lehrling zündete ihn an, weil ihm der Chef keinen Ausgang gab, erzählt man sich im Dorf.

Jetzt zeichnet sich eine Lösung ab. Die Saalbaugenossenschaft würde den «Ochsen» gerne abreissen und ihn wieder so ähnlich aufbauen, wie er vor 150 Jahren aussah. Das Restaurant soll weiter eine Dorfbeiz sein, wo sich die Bevölkerung trifft. Ein grosser Saal ist nicht mehr vorgesehen, dafür aber ein Sitzungszimmer für Vereine und andere. Aus dem Farinolihaus soll ein kleines Event-Hotel mit zehn Zimmern werden.

Josua Stiftung würde einsteigen

Gefunden ist auch ein möglicher Investor. Es ist die Josua Stiftung, Hauptaktionärin der Kybun AG mit Sitz in Roggwil. Die Firma verdient ihr Geld mit Luftkissenschuhen, Matten und Laufbändern. Ihr Chef ist Karl Müller, der gemäss Sonntags-Zeitung zu den innovativsten Unternehmern der Schweiz gehört und der in der Josua Stiftung ein gewichtiges Wort zu sagen hat.

Karl Müller von Kybun. (Bild: Benjamin Manser)

Karl Müller von Kybun. (Bild: Benjamin Manser)

Ihm liege Roggwil sehr am Herzen, begründet Müller sein Interesse. Hier habe seine Familie seit dem 16. Jahrhundert ihre Wurzeln. Mit dem «Ochsen» sei er zudem emotional stark verbunden. Unter anderem habe er im Saal seine Hochzeit gefeiert. Finanziell werde die Rechnung für ihn nicht aufgehen, macht der Unternehmer klar. Er werde zwischen 6 und 8 Millionen Franken investieren müssen, unter anderem für eine Tiefgarage mit bis zu 60 Abstellplätzen unter dem bestehenden Parkplatz, der gemäss den Plänen nicht überbaut werden darf. Dazu sagt Müller:

«Das ist finanziell uninteressant.»

Noch allerdings sind keine Verträge unterschrieben.

Im ersten Anlauf gescheitert

Den Stein ins Rollen bringen müsste die Saalbaugenossenschaft. Ihr Vorstand und die Investorengruppe sind sich zwar einig geworden in Bezug auf die Auflagen und den Verkaufspreis für den «Ochsen» in der Höhe von 480000 Franken. Für die Genossenschafter ging aber alles viel zu schnell.

An einer Versammlung im letzten Monat verweigerten sie dem Geschäft die Zustimmung, über deren Details sie relativ kurzfristig ins Bild gesetzt worden waren. Viele verlangten mehr Bedenkzeit. Im März trifft sich die Genossenschaft deshalb in gleicher Angelegenheit nochmals.

Genossenschafts-Präsident ist zuversichtlich

Präsident Willi Bischofberger ist zuversichtlich, dass sich im zweiten Anlauf in drei Monaten eine Mehrheit für den Verkauf findet.

«Ich schätze die Chancen als sehr gross ein.»

Er höre im ganzen Dorf vor allem positive Stimmen. «Es ist das Beste, was passieren kann», würden ihm viele sagen.

Müller ist weiter am Kauf interessiert. «Allerdings muss man die finanziellen Möglichkeiten zu gegebener Zeit wieder anschauen», sagt er. Zudem werde er nur einsteigen, wenn der Entscheid in der Genossenschaft klar sei und er sich nicht bis an sein Lebensende den Vorwurf anhören müsse, viel zu billig an den «Ochsen» gekommen zu sein. «Das will ich meiner Familie und meinen Nachkommen nicht antun.»

Gemeinde wartet ab

Gemeindepräsident Gallus Hasler (Bild: Max Eichenberger)

Gemeindepräsident Gallus Hasler (Bild: Max Eichenberger)

Sollte der «Ochsen» tatsächlich den Besitzer wechseln, würde die Gemeinde aktiv und die Details zum Verkauf des Farinolihauses mit der Stiftung regeln, sagt Gemeindepräsident Hasler.

«Wir wollen aber keinen Schnellschuss machen, sondern die Vorlage seriös vorbereiten.»

Einen inneren Zusammenhang zwischen den beiden Projekten gibt es gemäss Hasler nicht. Der «Ochsen» könnte also neu gebaut werden, auch wenn die Roggwiler sich nicht vom Farinolihaus trennen wollen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.