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«Nei, Schätzeli, das chasch doch nöd mache!»: Alte und Junge jassen gemeinsam im Alters- und Pflegezentrum Amriswil

Fünftklässler und Senioren klopften am Freitag gemeinsam einen Schieber. Beim so genannten Generationenjass lief es nicht immer allen wie gewünscht. Doch das gegenseitige Verständnis war gross.
Manuel Nagel
Ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als ich vier Under in der Hand habe, unterbricht Lehrerin Bernadette Böni den Generationenjass und es gibt Kaffee für die Senioren und Kuchen für alle. (Bild: Manuel Nagel)

Ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als ich vier Under in der Hand habe, unterbricht Lehrerin Bernadette Böni den Generationenjass und es gibt Kaffee für die Senioren und Kuchen für alle. (Bild: Manuel Nagel)

Routinierte Jasser sind sie noch nicht, die Fünftklässler von Bernadette Böni, die im Schulhaus Mühlebach unterrichtet. Aber das erwartet auch niemand nach gerade mal drei Doppellektionen. Eingeführt in den «Schweizer Nationalsport» wurden die Kinder von den Brüdern Werner und Ernst Schönholzer. Die beiden Senioren waren schon an vielen Schulen mit dem «Generationenjass», der auch vom Kulturprozent der Migros unterstützt wird.

Zum Abschluss dieses Projektes besuchten die Schülerinnen und Schüler am Freitagnachmittag das Alters- und Pflegezentrum, um mit den Bewohnern einen Schieber zu klopfen.

Überraschende Begegnung am Jasstisch

Auch ich mache mich an diesem letzten Schultag vor den Herbstferien auf ins APZ. Im grossen Saal ist schon alles bereit: Die Jassteppiche liegen auf den Tischen, die Kreidestifte sind gespitzt, die Schiefertafeln geputzt. Nach einer kurzen Begrüssung von Bernadette Böni kann es endlich losgehen. Ich setze mich an den erstbesten Tisch, wo bereits ein Senior und zwei Schülerinnen Platz genommen haben – und blicke sogleich in ein mir bekanntes Augenpaar. Meine Jasspartnerin ist Leandra. Was für ein Zufall, denn ich durfte die jetzige Fünftklässlerin einst in Sommeri in der Unterstufe unterrichten. Die Überraschung ist auf beiden Seiten gross.

Unsere Gegner sind Leandras Mitschülerin Oliwia und «Herr Grandits». So steht es jedenfalls auf dem Namensschild von Josef Grandits. Der bald 88-Jährige kam 1953 aus dem Vorarlberg in die Schweiz und begann hier mit dem Jassen, wie er mir später erzählen sollte. Doch zuerst muss Leandra ausspielen, respektive schieben. «Une ufe», sage ich mit einem Dreiblatt vom Schiltensechser und zwei weiteren Farben, bei denen ich helfen kann. Beim zweiten Stich wirft Leandra einen Achter weg. Später sagt sie etwas verlegen und lächelt:

«Oh, das hätte ich nicht spielen sollen.»

Doch es läuft gut, wir machen in diesem ersten Spiel über 120 Punkte. Beim Zählen ist Leandra aber etwas nervös. Wahrscheinlich sieht sie in mir immer noch den ehemaligen Lehrer und nicht den Journalisten der «Thurgauer Zeitung».

Das Jassen mit den Jungen macht dem Senior Spass

Nach einer halben Stunde gibt es eine kleine Verschnaufpause, in der die Kinder draussen frische Luft schnappen – und für mich die Gelegenheit, mit Josef Grandits ein wenig zu plaudern. Das Jassen mit den Jungen mache ihm grossen Spass, sagt er, der 42 Jahre lang Polier beim Stutz gewesen ist.

Nach der Pause bekommen wir neue Mitspieler. Ich jasse nun mit Francesco, und Sepp Grandits gegenüber sitzt Matis. Für Francesco ist Kartenspielen nicht neu. «Ich habe schon vorher zu Hause gejasst, aber mit italienischen Karten», erzählt mein Partner. Wiederum läuft fast alles glatt, und ich bin überrascht, wie gut die Schüler nach nur drei Doppellektionen jassen können.

Verständnis für Fehler

Am Nebentisch scheint eine ältere Dame trotzdem nicht ganz einverstanden zu sein mit der Entscheidung ihres viel jüngeren Partners. «Nei, Schätzeli, das chasch doch nöd mache!», ruft sie. Doch die Senioren zeigen Verständnis dafür, dass die Kinder noch Neulinge sind und halt auch mal bei einem ausgespielten Trumpf vergessen zu farben. Die Freude über diese Veranstaltung mit den Jungen überwiegt.

Um Viertel vor drei unterbricht Bernadette Böni. Ich muss mir einen Fluch verkneifen, der mir schon auf der Zunge lag, denn ausgerechnet jetzt habe ich vier Under in der Hand. Auch wenn wir ohne Weis spielen, so hätten Francesco und ich doch einen Match auf der Hand gehabt. Aber der schöne Nachmittag wird mit Mineral, Kaffee und Kuchen abgerundet. Einige Senioren erklären sich zudem spontan bereit, beim Generationenjassturnier am 10. November in Weinfelden mitzumachen, da nicht jedes Kind Grosseltern hat, die jassen und sie dorthin begleiten können.

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