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Nager gestalten Imberbach in Arbon um

Der Biber ist im Oberthurgau auf dem Vormarsch. An der Aach hat er sich schon länger eingenistet. Jetzt errichtet ein Familienverbund am Imbersbach sein Revier. Und verändert das Landschaftsbild ganz gehörig.
Max Eichenberger
Die Biberfamilie hat im Imbersbach mehrere beachtlich grosse Dämme errichtet. (Bild: Max Eichenberger)

Die Biberfamilie hat im Imbersbach mehrere beachtlich grosse Dämme errichtet.
(Bild: Max Eichenberger)

Unter dem Fussgänger-Brüggli über den Imbersbach, der bei den Tennisplätzen im Buchhorn in Windungen träge dem See zufliesst, kommt das Wasser ziemlich hoch. Nicht etwa wegen starker Regenfälle. Es ist auch kein Rückstau dafür verantwortlich, wie er gelegentlich vorkommen kann, wenn der Bodensee-Wasserpegel hoch ist. Dieser ist immer noch tief. Die Wasserlinie verläuft im Schlick. Der Wasserstau, der das Bachbett bis annähernd an die Bordoberkante anfüllt, hat einen anderen Grund.

Der Landschaftsarchitekt ist hier besonders aktiv

Um das Bachgehölz, offenbaren abgenagte Baumstämme und präpariertes Astwerk, wer da fleissig am Werk ist: Meister Biber ist nun auch am Imbersbach heimisch geworden und profiliert sich als versierter Landschaftsarchitekt. Das macht er emsig und mit enormer Gestaltungskraft, um sich sein Zuhause einzurichten. Davon zeugen mehrere Dämme am Unterlauf des Baches. «Die intensive Aktivität deutet darauf hin, dass es sich um ein Familienrevier handelt», sagt Michael Vogel.

Er ist der Biber-Fachspezialist in der Thurgauer Jagd- und Fischereiverwaltung. Bislang ist es eine Vermutung. Aufnahmen einer kompakten, witterungsresistenten Kamera, die unterhalb eines zünftigen Dammes an einem Gehölz auf Brusthöhe befestigt worden ist, sollen sie belegen und näheren Aufschluss über die Revierbewohner und ihre Arbeit vermitteln. «Am Imbersbach tritt der Biber noch nicht so lang in Erscheinung. Im Laufe des letzten Sommers dürfte er sich angesiedelt haben», sagt der Fachspezialist. So richtig aufmerksam geworden ist man erst, seit die SBB den Bachdurchlass beim Bahndamm auf der Höhe des Campingplatzes saniert haben und dort eine neue Fussgängerbrücke errichtet worden ist. Die SBB selber haben die Ansiedlung des Bibers gemeldet.

Im Oberthurgau auf dem Vormarsch

In Arbon hat sich der Biber schon bei der Aach, im Gebiet zwischen Weiher und Seemündung, installiert. Eine Biberfamilie ist dort sicher schon seit mindestens drei, vier Jahren aktiv. Im geografischen Kantonsvergleich war bisher der Oberthurgau eher Biber-unterbesiedelt. Er lege jetzt aber tendenziell zu, stellt Wissenschaftler Michael Vogel fest. «War das Thurtal früher stark besiedelt, nimmt dort der Bestand eher ab und dafür besiedelt er andere Regionen stärker. So macht er sich zunehmend im östlichen Teil des Kantons breit.» Der Biber erschliesst das Gebiet östlich von Sulgen zum See hin, wie letzte Zählungen zeigten. «Bäche mit eher flacher Neigung begünstigten die Population», sagt Vogel. So seien die Bodenseezuflüsse ein geeignetes Territorium, der Hinterthurgau demgegenüber eher weniger. «Gesamthaft gibt es im Thurgau aktuell etwa 150 Reviere mit 550 bis 600 Tieren.»

Aufnahmen einer installierten Kamera geben Aufschluss über die Biber.(Bild: Max Eichenberger)

Aufnahmen einer installierten Kamera geben Aufschluss über die Biber.
(Bild: Max Eichenberger)

Gemütliche Wohnstube im Erbau «plus»

Jetzt legt sich der Biber sein Revier am Imbersbach nach seinem Gusto zurecht. Er errichtet Wohnbauten in der Böschung, die er sich vom gestauten Bach her erschliesst. «Wenn der sogenannte Wohn-Kessel eine Höhe von 0,8 bis einen Meter in der Erde nicht ganz erreicht, errichtet der Biber einen Mittelbau. Das heisst, er deckt eingebrochene Bauteile mit einem Asthaufen ab und höhlt diesen von unten aus, um so das Volumen der Behausung zu vergrössern», erklärt Michael Vogel bildhaft. «Biber-Familienverbände können durchaus mehrere Bauten in einem Revier anlegen.

Mehr Erfahrung als der Biber in Sachen ökologischer Wasserbau – seit der letzten Eiszeit – könne niemand vorweisen, sagt Vogel. Er dynamisiere die Gewässer, was auch zu Konflikten führen kann. Weil der Biber geschützt ist, könne man nicht gross dreinpfuschen, weiss Markus Segerer, stellvertretender Leiter des Werkhofs Arbon. «Wir halten aber ein Auge drauf, was er macht.» Eingriffe an Biberbauten seien möglich, «bedürfen aber einer Bewilligung durch das Departement Justiz und Sicherheit und einer Beurteilung durch die Jagd und Fischereiverwaltung.»

Weil der Biber Lebensräume umbaut, kann sich das auch auf die Fische auswirken. Kurzfristig können Seeforellen in Ihrer Wanderung eingeschränkt werden, ist sich Fischereiaufseher Markus Zellweger bewusst. Das sei Natur, mit dem könne man leben. In ihrem Wanderverhalten werden zum Beispiel die Forellen eingeschränkt, sagt Zellweger; sie würden zurückgebunden.

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