Nächtliche Feuer für die Güttinger Aprikosen: «Das Aufstehen macht mir nichts aus»

Um ihre Aprikosenblüten vor Frost zu schätzen, beheizt sie Sandra Stadler während der kalten Tageszeit. 

Martina Eggenberger Lenz
Drucken
Teilen
Sandra Stadler zündet einen Feuerkübel an

Sandra Stadler zündet einen Feuerkübel an

(Bild: pd)

Sie posten bei Instagram Bilder, wie Sie in der Obstplantage Feuer machen. Wie empfindlich sind Aprikosenbäume?

Ich habe diese Woche während fünf Nächten die Bäume im Tunnel und jene draussen drei Mal beheizt. Wenn die Temperaturen unter Minus 1,5 Grad fallen, dann drohen die Blüten abzusterben, was einem Ernteausfall gleich kommt. Der Winter war bei uns nicht kalt, deshalb sind die Pflanzen mit der Blüte eher früh dran. Und jetzt ist es plötzlich wieder frostig. Da muss man schon aufpassen.

Wie funktioniert das mit dem Feuermachen?

Bei der Anlage im Freien setze ich auf die bewährten Paraffin-Kübel, in denen dann ein Feuer brennt, das die Umgebungstemperatur erhöht. Im Tunnel gehen diese offenen Feuer natürlich nicht. Da heize ich mit Gas.

Das ist aber stressig, die Temperatur immer im Blick zu haben, oder? Am kältesten ist es ja nachts. Wie machen Sie das?

Der Thermostat in der Anlage ist mit meinem Wecker gekoppelt. Wenn die Temperatur unter die definierte Grenze sinkt, geht bei mir der Alarm. Dann mache ich jeweils noch einen Abgleich mit der offiziellen Messstation, die sich ja gleich beim Versuchsbetrieb befindet.

Das bedeutet schlaflose Nächte.

Anfang Woche ging der Wecker kurz nach drei Uhr morgens los, zuletzt erst um halb fünf. Es ist unterschiedlich.

Und macht Ihnen der Schlafentzug nichts aus?

Ich weiss ja, dass das nur temporär ist. Von daher stecke ich das gut weg. Ich brauche weder einen Mittagsschlaf noch gehe ich früher ins Bett. Ausserdem bin ich in einer halben Stunde mit dem Anzünden durch. Die Kerzen brennen dann für vier Stunden. Manchmal lege ich mich nach dem Einsatz noch einmal kurz hin.

Lohnt sich der Aufwand?

Die Kübel, die ich brauche, kosten etwa 250 Franken, die halten drei Nächte. Der Arbeitsaufwand lohnt sich sowieso. Ich will ja meine Ernte retten. Dieses Jahr erwarte ich einen Vollertrag von zwei Tonnen Aprikosen. Ich bin absolut fasziniert von dieser Frucht und habe sie extrem gerne. Sie schmeckt auch viel besser als die importierte Ware. Da nehme ich drei, vier Wochen Zusatzaufwand in Kauf.

Sie verkaufen die Früchte dann ab Hof. Exklusiv?

Ja. Ich bin stolz darauf, dass meine Früchte morgens um 5 Uhr noch am Baum sind und ab 8 Uhr dann im Verkauf sind, ganz frisch. Ich zeige den Kunden auch gerne, wo und wie die Früchte, die sie kaufen, wachsen. Kurz vor den Sommerferien werden sie erhältlich sein.

Mehr zum Thema