Nach Vorwürfen wegen Gestank: Firma Bruag verlässt das Güttinger Dorfzentrum

Die Stimmbürger atmen auf und genehmigen den Kredit für die Erschliessung der Zentrumsüberbauung.

Hana Mauder Wick
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Ist wegen Immissionen manchen Einwohnern ein Dorn im Auge: Die «Bruag» neben dem alten Schulareal.

Ist wegen Immissionen manchen Einwohnern ein Dorn im Auge: Die «Bruag» neben dem alten Schulareal.

Donato Caspari

81 Stimmberechtigte hatten am Mittwochabend in der Mehrzweckhalle Rotewis ihre Plätze eingenommen. Zu Beginn erläuterte Vizegemeindepräsidentin Sandra Stadler einige Positionen im Budget, die zu Buche schlagen. Beispielsweise die steigenden Beiträge an die ambulante Pflege oder im Bereich der gesetzlichen, wirtschaftlichen Hilfe an Sozialhilfebezüger. Der budgetierte Verlust beträgt 239 700 Franken.

In Güttingen herrscht zurzeit Hochbetrieb. Auf dem Areal der geplanten Zentrumsüberbauung ist seit einigen Tagen der Abbruch der alten Turnhalle und des ehemaligen Schulhauses in vollem Gange. «Es gab einen Wechsel beim Investor», informierte Gemeindepräsident Urs Rutishauser. Neu will Rhomberg Bau das Projekt umsetzen. Rutishauser sagte:

«Ende Dezember ist das Areal aufgeräumt und begehbar.»

Die Versammlung bewilligte den Kredit für die Erschliessung des Areals in der Höhe von 750'000 Franken. Den Grossteil verschlingt die dazugehörige Trafostation.

Gemeinderat Markus Weber führte die Anwesenden durch die einzelnen Kreditbegehren. Die Bürger stimmten ausnahmslos allen zu. In der Gemeinde gebe es auch in Zukunft viel zu tun: «Wir haben 20 Trafostationen im Dorf und einiges an Nachholbedarf», sagte Weber. Den Auftakt macht jene im Grauenstein. Dafür bewilligte die Gemeinde den Kredit von 170'000 Franken.

Mehr Geschäfte an die Urne

Als nächstes Traktandum stand die neue Gemeindeordnung an. Ihre Dreh- und Angelpunkte sind klar: Über Kredite von über einer Million soll künftig an der Urne abgestimmt werden. Dabei führt der Gemeindeschreiber und nicht der Gemeinderat die Verwaltung. Neu müssen nicht mehr alle Mitglieder einer Kommission stimmberechtigte Einwohner sein.

«Aber wenn ich wie in diesem Sommer Klimageräte für die Gemeindeverwaltung kaufen will, geht das immer noch», erläuterte Urs Rutishauser. Ein Votant sagte: «Die neue Gemeindeordnung soll kein alter Wein in neuen Schläuchen sein.» Ein Weiterer brachte den Antrag ein, einen Artikel in der Gemeindeordnung umzuformulieren. Er betrifft den Erlass, die Änderung und die Aufhebung von sämtlichen Gemeindereglementen. Dieser Ansatz wurde jedoch von der Versammlung verworfen und die neue Gemeindeordnung mit 72 Stimmen angenommen.

Areal wird verkauft und umgezont

Der Gemeindepräsident überbrachte den Anwesenden der Versammlung weitere Neuigkeiten: Die Firma Bruag will Kapazitäten ausbauen. Im Dorf hat das Unternehmen keinen leichten Stand. Immer wieder sorgen Beschwerden über Lärm- und Geruchsemissionen für dicke Luft. Nun will Geschäftsführer Markus Brüwiler seine Fühler nach alternativen Standorten ausstrecken.

Dafür soll das Areal an der Bahnhofstrasse veräussert werden. Allerdings müsste dafür eine Umzonung realisiert werden. «Im Juni haben wir diesbezüglich Gespräche mit dem Kanton aufgenommen», sagte Rutishauser. Der Kick-off für einen entsprechenden Studienauftrag erfolgte bereits in diesem Monat. «Ende 2020 soll der Gestaltungsplan aufliegen.» Aus dem Publikum gab ein Votant zu bedenken:

«Stichwort Schlafdorf: Wir müssen aufpassen, dass wir für das Gewerbe attraktiv bleiben.»

Nach drei Jahren verlässt die Gemeindeschreiberin Christina Pagnoncini Güttingen. «Du hast die Verwaltung auf Vordermann gebracht», lobt Rutishauser die neue Gemeindepräsidentin im Kemmental. Pagnoncini durfte ein Präsent mit nach Hause nehmen – und den Klang des wohlverdienten Applauses.

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Urs Brüschweiler