Nach Vorwürfen von Mitarbeitern: Die Münsterlinger Stiftung Mansio gesteht Fehler ein

Die Geschäftsleitung der Behinderteninstitution setzt nach Kritik von Mitarbeitern neue Prioritäten.

Martina Eggenberger Lenz
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Wegweiser zum Areal der Stiftung Mansio bei der psychiatrischen Klinik in Münsterlingen.

Wegweiser zum Areal der Stiftung Mansio bei der psychiatrischen Klinik in Münsterlingen.

(Bild: Reto Martin)

Es sind ganz neue Töne, die der Stiftungsrat und die Geschäftsleitung der Stiftung Mansio anschlagen. Schon im Titel der jüngsten «Information an die Mitarbeiter» ist von «entlastenden Massnahmen zum Veränderungsprozess» die Rede. Es folgen viele schöne Worte und mehrere Zugeständnisse an die Adresse der Angestellten.

Anfang Jahr wurde bekannt, dass bei der Münsterlinger Behinderteninstitution nicht alles rund läuft. Teamleiter hatten gekündigt und sich über das Betriebsklima beklagt, Mitarbeiter waren frustriert über die grossen Umwälzungen, welche von der neuen Führungscrew initiiert worden war. Unsensibel sei der Prozess angegangen worden. Manch ein langjähriger Mitarbeiter fühlte sich unter Druck.

Die Chefs wollen besser informieren

Nach publik werden der Vorwürfe reagierte die Mansio-Führung umgehend mit Informationsveranstaltungen für die Mitarbeiter. Diese hätten viel zur Klärung von Unsicherheiten beigetragen. Geschäftsleiter Marcel Heuberger hat auch Teamsitzungen besucht und mit den Teamleitungen Gespräche geführt. Auf Anfrage sagt er:

Marcel HeubergerGeschäftsleiter der Stiftung Mansio

Marcel Heuberger
Geschäftsleiter der Stiftung Mansio

(Bild: Reto Martin - 6.12.2018)
«Mit einzelnen Ausnahmen sind die Rückmeldungen aus den Teams positiv.»

Man sei dankbar für den offenen Austausch. Den Mitarbeitern verspricht er, dass Informationsgefässe erarbeitet werden, für mehr Transparenz und einen kontinuierlichen Dialog. Weiter soll es regelmässige Informationsveranstaltungen geben, die nächsten im Mai. Und drittens werde der Veränderungsprozess zukünftig durch eine externe Fachperson unterstützend begleitet. Das habe der Stiftungsrat an einer ausserordentlichen Sitzung Anfang Februar entschieden.

«Entscheidend ist die Fortführung des Dialogs, wo sinnvoll auch mit externer Sicht.»

Konkretere Auskünfte will Marcel Heuberger der Öffentlichkeit hierzu nicht geben.

Veränderungen: Langsamer und in kleineren Schritten

Damit nicht genug. Die Geschäftsleitung verspricht den Mitarbeitern auch, dass die Veränderungen «langsamer und in kleineren Schritten» angegangen werden sollen.

«Daher sind bis auf weiteres keine neuen Arbeitsgruppen und Projekte geplant.»

Der Mansio-Geschäftsleiter gesteht ein, dass die strukturellen Veränderungen zu Verunsicherungen geführt haben. Von Seiten der Mitarbeiter sei zudem der Wunsch geäussert worden, dass der Klient wieder im Zentrum stehen solle.

Lutz Goldbecker geht aus persönlichen Gründen

Die personelle Situation sehe im Moment so aus, dass ab Mai ausser einer Teamleitungsstelle alle Kaderpositionen besetzt sein werden, erklärt Heuberger. Nach Informationen aus der Belegschaft hat kürzlich eine weitere Teamleiterin gekündigt. Dafür sei ein ehemaliger Teamleiter im März wieder gestartet, betont der Geschäftsführer.

Der Generationenwechsel in der Chefetage der Mansio ist allerdings definitiv vollzogen. Mit Lutz Goldbecker verlässt unerwartet das letzte langjährige Geschäftsleitungsmitglied im Sommer die Münsterlinger Institution. Goldbecker, der Bereichsleiter Wohnen, verlässt Mansio aus persönlichen Gründen. Er werde der Organisation aber weiterhin unterstützend zur Verfügung stehen, heisst es. Innert zweieinhalb Jahren ist somit die gesamte Chefetage ausgewechselt worden. Die Stelle von Lutz Goldbecker ist aktuell ausgeschrieben.

Begleiten löst Betreuen ab

Die Stiftung Mansio in Münsterlingen befindet sich im Umbruch. Die neue Führungscrew will die selbstbestimmte Lebensgestaltung ihrer Klienten fördern. Der Trend geht zu mehr externen Plätzen.
Martina Eggenberger Lenz