Nach Überschwemmungen und Schäden: Steinach will Bach für 17 Millionen Franken sanieren

Vor rund einem halben Jahr trat die Steinach nach einem heftigen Gewitter über die Ufer und überschwemmte Kulturland und Gebäude. Es gab Schäden in Millionenhöhe. Nun will die Gemeinde handeln.

Sandro Büchler
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Am 1. August 2018 wälzt sich ein reissender Strom flussabwärts. (Bild: Erwin Müller)

Am 1. August 2018 wälzt sich ein reissender Strom flussabwärts. (Bild: Erwin Müller)

Lieblich plätschert die Steinach vor sich hin. Vier Stockenten werden von einer Spaziergängerin und ihrem Hund aufgescheucht, fliegen davon und landen flussabwärts wieder. Die Erpel ziehen hinter dem einzigen Weibchen her, die Balz der Enten ist in vollem Gang. In diesen Tagen ist die Steinach ein idyllischer Fluss.

Ganz anders vor rund einem halben Jahr: Am 1. August entlädt sich über Steinach ein heftiges Gewitter, Starkregen lässt den Bach innert Minuten anschwellen. «Es war imposant, ein reissender Strom», erinnert sich ein Augenzeuge, der die Wassermassen an der Schulstrasse mit dem Handy festhielt.

«Ein Stamm verkeilte sich bei der Schuppisbrücke, rechts und links schwappte das Wasser über die Böschung.»

Vor der Brücke ergiessen sich die Wassermassen in die Schrebergärten hinter dem Damm, überziehen die Schulstrasse mit Schlamm und fluten weiter nördlich Kulturland. Noch schlimmer kommt es bei der SBB-Brücke: Das Wasser staut sich, tritt über die Ufer und wird in Keller und Garagen an der Kronbergstrasse 2 und 4 gespült.

Besonders hart trifft es die Elektronikfirma Variosystems AG. Nach der SBB-Brücke baut sich eine Druckwelle auf, das Wasser schiesst über die Ufer und setzt die Lagerräume der Firma unter Wasser. Dies ergibt eine durch das Amt für Wasser und Energie des Kantons St. Gallen in Auftrag gegebene Spurensicherung am Tag danach.

Zweites Unwetter innerhalb von sieben Jahren

Das Unwetter am 1. August richtete grosse Schäden an. Steinachs Gemeindepräsident Roland Brändli beziffert das Schadenausmass auf rund 13 Millionen Franken. Brändli sagt:

«Wir müssen den Fluss dringend sanieren, es war das zweite Hochwasser innerhalb von sieben Jahren.»

Bereits 2011 entstanden in Steinach nach starken Niederschlägen Schäden von mehreren 100000 Franken. Damals arbeitete die Gemeinde zügig ein Projekt zur Sanierung des Anfangs des 20. Jahrhunderts gebauten Kanals aus. 2012 wurde das Vorhaben aber an einer Bürgerversammlung vorerst bachab geschickt.

Der Projektierungskredit wurde von den Stimmbürgern abgelehnt. Kritisiert wurde vor allem der Landbedarf. Jetzt nimmt die Gemeinde einen neuen Anlauf. Sie möchte nun die Planung des Bauprojekts zum Hochwasserschutz an der Steinach anpacken.

Gemeindepräsident spricht von Jahrhundertprojekt

«Wir haben intensive Gespräche mit den betroffenen Landwirten geführt», sagt Roland Brändli. Deren Bedenken seien in das Vorprojekt eingeflossen. Der Gemeinderat schätzt die Kosten für die Sanierung des Bodenseezuflusses auf rund 17 Millionen Franken.

Viel Geld, das ist sich Brändli bewusst. Der Gemeindepräsident verweist aber auf die Gefahrenlage: Bei einem Jahrhunderthochwasser bestehe in Steinach ein Schadensrisiko von Dutzenden Millionen Franken. Für Brändli ist klar:

«Der Fluss muss schnellstmöglich saniert werden.»

Für Steinach sei dies ein Jahrhundertprojekt. Der Hochwasserschutz steht im Zentrum: Auf dem drei Kilometer langen Teilstück auf Steinacher Boden, vom Gallussteg bis zum See, soll das Flussbett verbreitert und aufgeweitet werden.

Zudem sollen die Engpässe an den Brücken entschärft werden. Dadurch sind grössere Abflussmengen möglich. Ein Kies- und Schlammsammler unterhalb des Autobahnzubringers soll Geschiebe und Schwemmholz zurückhalten.

«Wir haben gar keine Wahl, wir müssen sanieren»

Neben dem Hochwasserschutz soll das Gerinne naturnah gestaltet und ökologisch aufgewertet werden, sodass Seeforellen die Steinach wieder zu ihren Laichgründen emporschwimmen können. Bund und Kanton sollen sich mit zwei Dritteln an den Gesamtkosten beteiligen.

Der erste Schritt zum «Jahrhundertprojekt» ist ein Planungskredit von 1,5 Millionen Franken. Am 25. März stimmt die Bürgerversammlung darüber ab, ob das Bauprojekt vorangetrieben und weiter ausgearbeitet werden soll.

Läuft alles nach Plan und gibt es keine Einsprachen, können die Steinacher im Jahr 2023 oder 2024 über den Baukredit an der Urne befinden. Erst wenn der 17-Millionen-Kredit angenommen wird, starten die rund vier Jahre dauernden Bauarbeiten am Fluss. Brändli rechnet damit, dass die Sanierung der Steinach frühestens im Jahr 2028 fertiggestellt sein wird.

Ein langer Weg, sagt Brändli und ruft der Bevölkerung bereits vor der Abstimmung die Dringlichkeit des Bauvorhabens in Erinnerung: «Wir haben wohl kaum eine Wahl, wir müssen sanieren.» Das Risiko sei zu gross und die bestehenden Verbauungen würden immer mehr verfallen, so der Gemeindepräsident.

Verzögerungen beim Schwärzibach halten an

Bei den weiteren Bachsanierungen auf dem Gebiet der Gemeinde Steinach zeigt sich ein unterschiedliches Bild. Der Bergerbach im Westen sei vollständig saniert, sagt Gemeindepräsident Roland Brändli. Die bauliche Entwicklung des Salbachs werde mit der Stadt Arbon abgesprochen. «Hier gibt es aber keine Dringlichkeit.» Anders beim Schwärzibach, der an die Gemeinde Tübach grenzt. Beide Gemeinden haben die Gelder für die Bachsanierung gesprochen. Tübach pocht auf den Baubeginn, auf Steinacher Seite aber harzt es. Die Sanierung des Schwärzibachs verzögere sich weiter, sagt Brändli. Grund dafür sei die Zufahrt zum geplanten Kiessammler. Man verhandle zurzeit mit dem Besitzer des Bodens, über den der Zugang zum Geschiebesammler geplant sei. Sollte man sich nicht einigen können, so Brändli, «müsste wohl oder übel der Rechtsweg beschritten werden».