Nach Leichenfund: «Die Gehwege sind gefährlicher als im Alpstein» – erneuter Wirbel um angeblich unsicheren Romanshorner Hafen 

Beim Romanshorner Hafen ist am Wochenende die Leiche eines Mannes aus dem Wasser geborgen worden. Jetzt bemängelt eine Person aus dem näheren Umfeld der Bodensee-Schifffahrt die Sicherheitsvorkehrungen. Die Verantwortlichen weisen die Kritik zurück. 

Linda Müntener
Drucken
Teilen

Der See ist ruhig an diesem grauen Novembermorgen, wenig los auf und neben dem Wasser, nur die Möwen kreisen lachend über dem Romanshorner Hafen. Es war Freitagmorgen, als hier eine Passantin eine regungslose Person im Wasser entdeckte. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte war die Person bereits tot. Mittlerweile hat die Kantonspolizei die Leiche identifiziert. Es handelt sich um einen 56jährigen Mann aus dem Thurgau. Die Ermittler gehen derzeit von einem Unfall aus. 

Es ist nicht der erste Todesfall im Romanshorner Hafen. Und nicht zum ersten Mal werden kritische Stimmen laut. Von «massiven Sicherheitsmängeln für Personen» spricht eine Person aus dem näheren Umfeld der Bodensee-Schifffahrt, die anonym bleiben möchte. Jeder andere Hafen am Bodensee sei besser gesichert. «Die Gehwege sind gefährlicher als im Alpstein.» Wer hier ins Wasser falle, habe keine Chance, sich zu retten. 

Drei Meter in die Tiefe neben dem Spazierweg

Was in den Häfen von Konstanz, Kreuzlingen, Arbon oder Rorschach gilt, gilt auch in Romanshorn: Auf der Hafenpromenade ist Vorsicht geboten. Neben dem Spazierweg geht es seeseitig drei Meter in die Tiefe. Ein Geländer gibt es nicht, einzig ein paar Blumenkästen aus Metall. Ausstiegsleitern entlang der Mauer finden sich einzelne, Rettungsringe wenige. «Und diese nützen nur dann etwas, wenn die oder der Ertrinkende auch von jemandem gesehen wird.»

Vorsicht geboten: Neben der Romanshorner Hafenpromenade geht es drei Meter in die Tiefe. (Bild: Linda Müntener)

Vorsicht geboten: Neben der Romanshorner Hafenpromenade geht es drei Meter in die Tiefe. (Bild: Linda Müntener)

Anfang 2018 kam nach einem Vorfall im Hafenareal ein Rollstuhlfahrer ums Leben. Er fuhr in den See, wurde aus dem Wasser gerettet und verstarb wenige Stunden später im Spital. Die Polizei geht von Suizid aus. Besorgte Eltern meldeten sich daraufhin bei der «Thurgauer Zeitung» und forderten eine Abschrankung. 

Das Land im Hafen gehört mehreren Parteien. Nahe dem Bahnhof den SBB, nebenan infolge der Hotel-Abstimmung dem Unternehmer Hermann Hess. Weite Teile der Hafenpromenade gehören der Stadt Romanshorn. Diese sah vor gut einem Jahr keine «akute Gefahr» auf dem Areal. «Es sind keine Unfälle oder Personenschäden aus den vergangenen Jahren bekannt», hiess es von der Seite der Stadt. 

Daran halten die Verantwortlichen fest. Die genauen Umstände des Vorfalls vom vergangenen Wochenende seien nicht bekannt, heisst es auf Anfrage bei der städtischen Medienstelle. «Sollte sich der Vorfall auf Boden der Stadt ereignet haben, müssten die Umstände im Einzelfall geprüft werden.»

Nicht alle halten sich ans Fahrverbot

Der Seepolizei Thurgau ist der Hafen Romanshorn nicht als besonders gefährlich bekannt. «In den grösseren Häfen wie Romanshorn, Arbon oder Kreuzlingen herrscht auch mehr Betrieb», sagt Bruno Schnyder von der Seepolizei Thurgau. Schon alleine wegen des Fährbetriebes habe es in Romanshorn ganzjährig mehr Verkehr. Eine Häufung von Ereignissen mit Verletzten oder gar mit Todesfolge kann gemäss der Seepolizei nicht festgestellt werden.

Eine potenzielle Gefahr sieht die Stadt Romanshorn im Fahrverbot auf der Hafenpromenade. Daran halten sich nicht alle Velofahrer. So kann es vor allem an Sommertagen eng werden auf dem Spazierweg. «Die Stadt überprüft die Einhaltung im Rahmen der verfügbaren Ressourcen periodisch.» In den letzten Jahren sei es aber zu keinen Personenschäden gekommen. 

Seezugang soll erhalten bleiben

Andrea Ruf, Geschäftsführerin der SBS Schifffahrt AG in Romanshorn. (Bild: Andrea Stalder)

Andrea Ruf, Geschäftsführerin der SBS Schifffahrt AG in Romanshorn. (Bild: Andrea Stalder)

Eine weitere Partei im Hafen ist die Schweizerische Bodensee-Schifffahrt (SBS). Sie nutzt einen zwei Meter breiten Streifen entlang der Hafenmauer im Baurecht – zum An- und Ablegen der Schiffe. SBS-Geschäftsführerin Andrea Ruf sieht kein Sicherheitsproblem im Hafenareal. Es sei nicht bekannt, wo der Verstorbene ins Wasser gefallen sei. 

«Grundsätzlich weiss man, dass Wasser gefährlich und dass am Ufer immer Vorsicht geboten ist.»

Dass man im Hafenareal weder schwimmen noch von Gebäuden ins Wasser springen darf, ist auf Verbotstafeln beschrieben. Der Hafen entspreche den gesetzlichen Sicherheitsvorschriften und wurde entsprechend abgenommen. Eine Ausstiegsleiter und Rettungsringe gebe es im vorderen Teil, wo die Boote anlegen.

Die Forderung nach einem Geländer sei grundsätzlich schwierig, sagt Ruf. «Da stellt sich die Frage, wo das Einzäunen anfängt und wo es aufhört.» Für eine absolute Sicherheit müsste man schliesslich das gesamte Ufer einzäunen. Letztlich zähle hier auch die Eigenverantwortung der Leute. Auch für die Stadt ist es «grundsätzlich wünschenswert», dass der Zugang zum See für die Öffentlichkeit wo immer möglich ohne Mauern und Abschrankungen erhalten bleibt.

Mehr zum Thema