Nach Kritik von Mitarbeitern: Münsterlinger Mansio reagiert mit Informationsanlässen

Die Geschäftsleitung der Behinderteninstitution signalisiert Gesprächsbereitschaft. Das Thurgauer Sozialamt nimmt die Vorwürfe ernst.

Martina Eggenberger Lenz
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Wegweiser der Stiftung Mansio in Münsterlingen.

Wegweiser der Stiftung Mansio in Münsterlingen.

(Bild: Reto Martin)

Die Geschäftsleitung und der Stiftungsrat der Behinderteninstitution Mansio haben die von Kadermitarbeitern hervorgebrachte und in unserer Zeitung publizierte Kritik zum Anlass genommen, Informationsanlässe für die Angestellten durchzuführen. Den rund 280 Beschäftigten wurden hierfür diese Woche gleich vier Termine angeboten, zwei am Mittwoch und zwei am Donnerstag.

Das geht aus einem Schreiben hervor, das der Redaktion vorliegt und das am Montag an das gesamte Personal versandt wurde. In der Einladung heisst es, durch die Kritik würde nicht nur die positive Entwicklung der Mansio in Frage gestellt. Sie schade auch den Mitarbeitern und den Klienten. Die Mitarbeiter werden gebeten, keine Presseanfragen zu beantworten oder Interviews zu geben. Der Brief schliesst mit einem Dank für das entgegengebrachte Vertrauen.

Mitarbeiter haben Mühe mit der Informationspolitik

Trotz dem verpassten Maulkorb berichten Informanten aus den vier Veranstaltungen. Rund 100 Mitarbeiter sollen teilgenommen haben. Die Mansio-Führung habe sich betroffen gezeigt und versichert, dass man mit Anliegen immer zu ihr kommen könne. In Bezug auf die Kündigungen habe die Geschäftsleitung darauf bestanden, dass praktisch alle einvernehmlich waren. Man habe den Kadermitarbeitern immer wohlwollende Angebote unterbreitet. Kurz und sachlich sei auch noch einmal auf die Kaderanlässe und das Defizit eingegangen worden.

Es sei gut angekommen, dass die Geschäftsleitung einen offenen Austausch angeboten habe, berichtet eine Mitarbeiterin. Das sei genutzt worden. Mehrere Angestellte hätten versichert, dass sie den Veränderungsprozess mittragen würden. Kritisch hinterfragt worden seien die «schlechte Informationspolitik», die als negativ wahrgenommene Kultur und das Tempo der Umbruchmaschinerie.

Die Themen Kommunikation und Wertschätzung seien in seiner Gruppe wichtig gewesen, berichtet ein anderer. Und ein dritter Mitarbeiter sagt, auf schwierige Themen wie Abmahnungen nach geäusserter Kritik oder das «Klimas des Misstrauens» sei nicht wirklich eingegangen worden. Ein Votant habe vorgeschlagen, dass Mansio zur Vermittlung zwischen Geschäftsleitung und Teamleitungen Hilfe beiziehen solle.

Persönlicher Kontakt blieb auf der Strecke

Marcel Heuberger, Geschäftsleiter der Stiftung Mansio.

Marcel Heuberger, Geschäftsleiter der Stiftung Mansio.

(Bild: Reto Martin/6.12.2018)

Geschäftsleiter Marcel Heuberger schildert schriftlich, wie er die Veranstaltungen erlebt hat. Er berichtet von einem offenen, konstruktiven und kritischen Dialog. Bei Mansio solle jeder Mitarbeiter offen darlegen, was er denke und fühle. Man nehme die kritischen Stimmen «sehr ernst, denn wir wollen uns stetig verbessern.» Dank der Rückmeldungen sei der Geschäftsleitung bewusst geworden, dass vor allem das Tempo der Veränderung dazu geführt habe, dass weniger Zeit für den persönlichen Kontakt zur Verfügung stehe. Das wolle man ändern.

«Wir sind uns bewusst, dass die Veränderungen in unserer Struktur neue Anforderungen an unsere Kultur und Kommunikation stellt. Diesen Bedürfnissen stellen wir uns und wollen uns auf Basis der Rückmeldungen unserer Mitarbeitenden weiterentwickeln.» Eingebunden würden auch Klienten, Angehörige oder gesetzliche Vertreter.

Sozialamt nimmt anonymes Schreiben ernst

Wie die Stiftung Mansio selbst und die Thurgauer Zeitung hatte auch das für die Heimaufsicht zuständige Sozialamt des Kantons Thurgau ein anonymes Schreiben erhalten, in dem Vorwürfe gegen die Geschäftsleitung der Stiftung geäussert werden. Amtsleiterin Janine Ammann erklärt, man habe den Vorstand um eine schriftliche Stellungnahme gebeten und stehe mit der Mansio in Kontakt, schliesslich lege man grossen Wert auf eine offene und transparente Kommunikation.

«Wir nehmen die Anliegen des Schreibens ernst. Es ist nun am Vorstand und der Geschäftsleitung, die im Schreiben erhobenen Vorwürfe zu prüfen und gegebenenfalls Massnahmen einzuleiten.»

Die Aufsichtsinstanz erklärt, bei Mansio habe es weder unter alter noch neuer Führung etwas Gravierendes zu beanstanden gegeben. Der Entscheid für eine Umstrukturierung sei ein strategischer Entscheid, der korrekterweise durch den Stiftungsrat gefällt worden sei – und nicht auf Druck oder Anweisung des Sozialamtes.

Im Dezember 2019 habe in Münsterlingen ein Aufsichtsbesuch stattgefunden, ein Bericht sei in Arbeit. Eine solche Überprüfung beinhalte auch eine Befragung der Klienten und der Mitarbeiter. Zudem müssten die Ergebnisse von Zufriedenheitsbefragungen vorgelegt werden. Vom Bericht erhofft sich Ammann auch Aufschluss über das Klima beim Personal. Die finanzielle Situation der Mansio beurteilt die Aufsichtsinstanz «zum jetzigen Zeitpunkt als angemessen.»