Nach Knatsch um Blocher: Die Stadt Arbon hat genug von den Querelen und will die Bundesfeier künftig selber organisieren

Ein würdiger Anlass zum Nationalfeiertag ohne Nebengeräusche müsse der Stadt rund 7000 Franken wert sein, meint der neue Stadtrat.

Markus Schoch
Drucken
Teilen
Alt Bundesrat Christoph Blocher an der Bundesfeier 2019 in Arbon.

Alt Bundesrat Christoph Blocher an der Bundesfeier 2019 in Arbon.

Reto Martin

Der Nationalfeiertag ist eigentlich ein Feiertag. Nicht so in Arbon. Dort sorgte die Bundesfeier in den letzten Jahren vor allem für rote Köpfe. Zuerst weil die Stadt aus Spargründen nicht länger für die Kosten aufkommen wollte, sondern sich nur noch bereit erklärte, eine beschränkte Defizitgarantie von 5000 Franken zu übernehmen. Der Verkehrsverein sah sich vor diesem Hintergrund ausser Stande, den Anlass weiter zu organisieren. 2017 sprang deshalb in letzter Sekunde Hafenmeister Hans Schuhwerk ein, seit 2018 hält der Verein «1. August Arbon» mit Vertretern von Arbon Classics, dem Seenachtsfest und des Summerdays-Festival die Tradition hoch.

Ruhig ist es aber nicht geworden. Bereits bei der zweiten Auflage im letzten Jahr gingen die Wogen erneut hoch, weil die Veranstalter aus der Zeitung erfuhren, dass die SVP alt Bundesrat Christoph Blocher als Festredner eingeladen hatte, was sie nicht hätte tun dürfen. Denn die Statuten des Vereins «1. August Arbon» halten fest, dass die Bundesfeier politisch neutral sein soll.

Die Stadt will Vereine ins Boot holen

Der neue Stadtrat möchte den ständigen Diskussionen ein Ende setzen. Künftig soll der Anlass wieder ohne störenden Nebengeräusche in würdigem Rahmen über die Bühne gehen. «Wir wollen zurück zur Normalität», sagt Stadtpräsident Dominik Diezi. Und das heisst: In Arbon soll es am 1. August so laufen wie in den meisten Orten im Thurgau. Die Stadt beabsichtigt, jährlich rund 7000 Franken zu investieren und die Bundesfeier ab 2021 «in Eigenregie gemeinsam mit interessierten Vereinen beziehungsweise Bürgerinnen und Bürgern zu organisieren», heisst es in einer Mitteilung.

Stadtpräsident Dominik Diezi.

Stadtpräsident Dominik Diezi.

(Bild: PD)

«Für dieses Jahr sind wir zu spät dran», sagt Diezi. Die Bundesfeier am 31. Juli auf der Wiese nördlich des Seeparksaals führt deshalb ein letztes Mal der Verein «1. August Arbon» durch. Bei schlechtem Wetter dient der Seeparksaal als Austragungsort. Geplant ist gemäss Mitteilung «ein attraktives Rahmenprogramm für Jung und Alt samt Festwirtschaft». Details sind noch nicht bekannt. Ein Feuerwerk ist nicht vorgesehen, dafür soll es einen Funken geben. Die FDP stellt den Redner. Es darf diesmal ganz offiziell auch ein Politiker sein.

Romanshorn wollte umgekehrten Weg gehen

Ein Verein sollte die Stadt als Organisator ablösen

In Romanshorn war die Bundesfeier vor drei Jahren auch ein Thema - allerdings mit umgekehrten Vorzeichen. Der Stadtrat überlegte sich, die Durchführung des Anlasses an einen Verein auszulagern. womit die Stadt jährlich 5000 Franken sparen sollte. Der Vorschlag stiess in der Vernehmlassung auf breite Unterstützung. Bis heute ist von den Verantwortlichkeiten her aber alles beim Alten geblieben. Doch die Veranstaltung ist billiger geworden. Im aktuellen Budget sind 5000 Franken eingesetzt, 2016 waren es 10000 Franken. (mso)