Nach dem verheerenden Feuer vor zweieinhalb Jahren: Weshalb eine Scheune in Oberaach nun wie Phönix aus der Asche steigt

Nach dem Brand im März 2018, der eine Scheune in Oberaach völlig zerstörte, entsteht dort spezieller Wohnraum.

Emma Blanke und Manuel Nagel
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Eine Visualisierung des Projekts «Lindenhof» mit den fünf Wohneinheiten und dem Brunnen auf dem Hof.

Eine Visualisierung des Projekts «Lindenhof» mit den fünf Wohneinheiten und dem Brunnen auf dem Hof.

Bild: PD

Es war ein fürchterliches Flammeninferno, das die Amriswiler Feuerwehr an jenem Abend des 15. März 2018 antraf: Die grosse Scheune zwischen Schul- und Aspenstrasse wurde vollkommen zerstört, obschon die Einsatzkräfte schnell vor Ort waren und das Feuer, das fahrlässig verursacht worden war, unter ihre Kontrolle brachten.

Holzasche im Grünabfall als Brandursache

Auf Anfrage der «Thurgauer Zeitung» sagt Marco Breu, Mediensprecher der Staatsanwaltschaft Thurgau: «Im Rahmen der Strafuntersuchung konnte bei dem Scheunenbrand in Oberaach vom 15. März 2018 Holzasche als Brandursache ermittelt werden.» Diese sei unsachgemäss, da teilweise noch heiss, in der Nähe eines Grünabfallhaufens entsorgt worden. «Diese heissen Aschereste entzündeten den Grünabfallhaufen und das Feuer griff auf die nahe Holzwand der Scheune über.»
Laut Breu sei in dieser Sache ein Strafbefehl wegen fahrlässiger Verursachung einer Feuersbrunst erteilt worden. «Es entstand ein Sachschaden von rund 700'000 Franken», sagt der Mediensprecher der Staatsanwaltschaft. (ebl)

Ein Passant schlug Alarm, als er Flammen aus der Scheune an der Schulstrasse bemerkte. Die Stützpunktfeuerwehr Amriswil war rasch vor Ort und konnte den Brand mit rund 85 Einsatzkräften löschen. Verletzt wurde dabei niemand.

Ein Passant schlug Alarm, als er Flammen aus der Scheune an der Schulstrasse bemerkte. Die Stützpunktfeuerwehr Amriswil war rasch vor Ort und konnte den Brand mit rund 85 Einsatzkräften löschen. Verletzt wurde dabei niemand.

Bild: Kapo TG (Oberaach, 15. März 2018)

Nach dem Brand hätten sie viele schlaflose Nächte gehabt, sagen die Geschwister Susanne Beyer, Barbara Bieger, Christine Keller und Jürg Keller, die Eigentümer. Ihr Vater Walter Keller bewirtschaftete den Hof bis zu seiner Pensionierung. Das Quartett war sich nach reiflicher Überlegung einig, dass es das ursprüngliche Ensemble mit Bauernhaus, den zwei Scheunen und dem Brunnen in der Mitte erhalten möchte. Ein Wiederaufbau der Scheune stand dabei ebenfalls zur Diskussion, doch sahen die Eigentümer keine wirtschaftliche Verwendung, «höchstens als Einstellhalle für Wohnmobile». So entstand die Idee, einen speziellen Wohnraum – nämlich fünf Wohneinheiten in einer Scheune – zu schaffen.

Zwei grosse Glastüren erinnern an Scheunentore

Die grosse Linde gab dem Projekt «Lindenhof» den Namen und verteuern dieses auch, wie die Eigentümer verraten. Leitungen müssen unter dem Baum durchgeschossen werden, um dessen Wurzelwerk nicht zu schädigen. Auch die Tiefgarage und das grosse, überstehende Dach tragen dazu bei, dass das Gebäude gegenüber einer herkömmlichen Bauweise Mehrkosten verursacht. Die Eigentümergemeinschaft sorgte sich, ob sie das alles finanzieren könne.

So sah die alte Scheune in den 1960er-Jahren aus.

So sah die alte Scheune in den 1960er-Jahren aus.

Bild: PD

Nun sind alle offenen Punkte geklärt und die vier Nachfahren von Hans Keller sehen ihrem Lindenhof, der von der Firma Krattiger gebaut wird, mit viel Freude entgegen. Die beiden einstigen Scheunentore werden durch vier Meter hohe Glastüren nachempfunden. Wegen der dadurch sich ergebenden hohen Zimmerdecke werde die Split Level Bauweise angewandt. Man platziert dabei auf halber Etage ein Zimmer und reduziert so die Raumhöhe.

Insgesamt soll jede der fünf Wohneinheiten sechs Zimmer haben und 165 Quadratmeter gross werden. Am 5. Oktober erfolgte der Spatenstich, und im Frühjahr 2022 sollen die ersten Bewohner einziehen können. «Junge Familien», wünschen sich die Eigentümer. Der Mietpreis soll entsprechend angepasst werden. Ein Verkauf kam nicht in Frage, denn die vier Geschwister wollen das Erbe ihrer Eltern nicht zerstückeln.

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Manuel Nagel