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Verwaistes Märchenschloss: Was geschieht mit der Luxburg in Egnach?

Seit 38 Jahren lottert die Luxburg still vor sich hin, die Nutzung und Zukunft sind ungewiss. Der kürzliche Tod von Besitzer Bruno Stefanini könnte dies ändern. Eine Strategie ist in Arbeit.
David Grob
Verwahrlost, verwaist und verlottert: Die Luxburg in Egnach. (Bild: Reto Martin)

Verwahrlost, verwaist und verlottert: Die Luxburg in Egnach. (Bild: Reto Martin)

Sie gleicht einem verwunschenem, aber etwas heruntergekommenen Märchenschlösschen. Seit knapp 30 Jahren befindet sich die Luxburg in Egnach im Besitz der Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte des Winterthurer Immobilienkönigs und Kunstsammlers Bruno Stefanini, der kaum in den Unterhalt seiner Immobilie investierte. So ist denn auch ihre Zukunft und Nutzung seit Jahren ungewiss. Mit dem kürzlichen Tod Stefaninis könnte ein neues Kapitel zu der langen Schlossgeschichte hinzukommen.

Geschrieben ist dieses jedoch noch nicht. Denn weder die Gemeinde noch die Stiftung können oder wollen ihre Pläne für das Schloss aus dem 14. Jahrhundert bereits detailliert ausführen. Stephan Tobler, Gemeindepräsident von Egnach, jedenfalls weiss noch nichts Genaueres:

«Wir haben im Moment noch keine konkreten Ideen oder gar Pläne, was mit der Luxburg nun geschehen soll.»

Er sieht aber weiterhin die Möglichkeit, dass das wertvolle Baudenkmal dereinst durch eine Trägerschaft gekauft und unterhalten wird. Vor Jahren scheiterte ein entsprechender Versuch. Stefanini lehnte damals das Kaufangebot ab.

Bruno Stefanini 1991 im Park vom Schloss Luxburg. (Archivbild: Urs Oskar Keller)

Bruno Stefanini 1991 im Park vom Schloss Luxburg. (Archivbild: Urs Oskar Keller)

Bei der Stiftung will man momentan noch nichts Genaueres verlauten. Bettina Stefanini, seit Juni Verwaltungsratspräsidentin der Stiftung (siehe Box), sagt: «Wir arbeiten im Hintergrund an der Strategie für die Luxburg.» Jedenfalls hätten in den vergangenen Monaten bereits Gespräche mit der Gemeinde stattgefunden, weitere sollen geführt werden, sagt Stefanini.

«Ein konkreter Vorschlag, wie die Zukunft der Luxburg aussehen könnte, kann frühestens im Februar kommuniziert werden.»

Machtkampf um Stefaninis Imperium

Der Streit um Macht und Geld tobt seit 2013. Die Geschwister Bettina und Vital Stefanini kämpften gegen die Stiftungsräte Markus Brunner und Umit Stamm der Stiftung ihres Vaters. Der Streitpunkt: Wer darf den Stiftungsrat zusammensetzen? Ursprünglich hatte Vater Bruno Stefanini das Ernennungsrecht des Stiftungsrates seinen Kindern zugesprochen. Als sich sein Gesundheitszustand 2013 verschlechterte, wollte der Stiftungsrat diesen Passus ändern – und hätte sich damit selber wiederwählen können. Ihre Entmachtung wollten die Stefanini-Kinder nicht zulassen und klagten. Der Streit beschäftigte über Jahre Ämter, Gerichte und Anwälte. Im Juni entschied das Bundesgericht zugunsten der Stefanini-Kinder, die sich darauf in den Stiftungsrat einsetzten. Ergänzt werden sie durch eine Kunsthistorikerin, eine Kuratorin und einen Staatsarchivar. Innerhalb eines Jahres möchten die Kinder eine Strategie schaffen. (dar)

Vom Lustschloss zum Luftschloss

So ungewiss die Zukunft der Luxburg ist, so bewegt ist auch ihre Vergangenheit. 1498 auf einer Insel erbaut, war sie lange Sitz von Adligen und Freiherren, erlebte im 19. Jahrhundert den Aufschwung der Region durch die Eisenbahn und überdauerte im 20. Jahrhundert viele verschiedene Besitzer und ihre Ideen.

So etwa den Bodenspekulanten Fritz Meili, der die Luxburg in den 1950er-Jahren in ein Atomforschungsinstitut verwandeln wollte. Der Plan entpuppte sich als Luftschloss. Zwar stimmte der Egnacher Gemeinderat dem Baugesuch zu und Meili liess eine «strahlensichere» Betondecke einbauen und eine eiserne Fluchttreppe anbringen, die seither vor sich hinrostet. Doch kurz darauf musste Meili Insolvenz anmelden, seine Pläne starben und das Luftschloss platzte.

Seit 1980 gehört die Luxburg Stefaninis Stiftung. 2015 wollte der Graf Friedrich von Luxburg, ein Abkömmling der früheren Besitzerfamilie von Luxburg, das Schlösschen kaufen. Doch Fragen zu seiner Abstammung kamen auf. Recherchen der Thurgauer Zeitung ergaben 2015, dass der vermeintliche Graf im Erwachsenenalter von der Familie von Luxburg adoptiert wurde. Nach deutschem Recht sind adoptierte Volljährige nicht mit den Verwandten der Adoptiveltern verwandt.

Zu einem Kauf durch den venezolanischen Graf Friedrich von Luxburg kam es nicht. Hingegen zu einem weiteren Kapitel der wechselhaften Schlossgeschichte.

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