Nach dem Kunstrasen-Nein: Auf zur natürlichen Lösung in Kreuzlingen und Tägerwilen

Den Kunstrasenplatz haben die Stimmbürger der Stadt abgelehnt. Auch im Nachbardorf ist man aktuell am Umdenken.

Urs Brüschweiler
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Der Kunstrasenplatz im Kreuzlinger Hafenareal - eingeweiht 2010 - bleibt vorerst der einzige seiner Art in der Stadt. (Bild: Reto Martin)

Der Kunstrasenplatz im Kreuzlinger Hafenareal - eingeweiht 2010 - bleibt vorerst der einzige seiner Art in der Stadt. (Bild: Reto Martin)

Ihn habe das Nein nicht überrascht, sagt Klemenz Somm. Der Grünliberale Ex-Kantonsrat war einer der wenigen, welche im Vorfeld der Kreuzlinger Kunstrasen-Abstimmung öffentliche Kritik geäussert hatte an dem Projekt.

«Ich bin überzeugt, dass das Volk zu einem Naturrasen Ja gesagt hätte»

mutmasste Somm am Sonntagnachmittag. Die hohen Kosten (2,85 Millionen Franken) hätten sicher auch eine Rolle gespielt, aber vor allem sei wohl der Umweltschutzaspekt ausschlaggebend gewesen. Klemenz Somm legt nun Wert darauf, dass die Sportler und der Stadtrat nicht den Kopf in den Stand strecken.

Die obersten zehn Zentimeter auswechseln

Er fordert gar die Stadtregierung auf, nun rasch ein neues Projekt vorzulegen, mit einem Naturrasen notabene. «Nur die obersten zehn Zentimeter des Belages müssten geändert werden, dann ist es ein gutes Projekt.» Wenn es dann sogar unter die Kostengrenze von zwei Millionen Franken fallen würde, liege es gar in der Bewilligungskompetenz des Gemeinderates. «Dann wäre das problemlos realisierbar.»

Neue Vorlage schon im Sommer im Gemeinderat

Was Somm fordert, hatte Stadträtin Dorena Raggenbass praktisch deckungsgleich schon am Sonntagmittag angetönt und bestätigte nun am Montag, dass man zügig vorangehen möchte. Der Stadtrat werde voraussichtlich noch diese Woche die Erarbeitung eines abgeänderten Projektes am selben Standort in Auftrag geben. Die langwierigen Vorarbeiten mit Pachtverträgen seien nicht umsonst gewesen.

«Wir prüfen nun zwei verschiedene Varianten für Naturrasen»

sagt Raggenbass. Einen Teil der Umgebungsgestaltung werde man vielleicht vorerst zurückstellen. Das Ziel sei, bis Mitte Jahr eine angepasste Vorlage in den Gemeinderat zu bringen. Sollte der Kredit unter zwei Millionen Franken liegen, könnte der Gemeinderat ihn abschliessend genehmigen. Das Stadtparlament hatte am 15. November letzten Jahres noch einstimmig Ja gesagt zum Kunstrasenplatz.

Die Enttäuschung steckt noch in den Knochen

Daniele Scardino, Vizepräsident der AS Calcio, sah es am Sonntag trotz der grossen Enttäuschung ebenso. Man wolle jetzt eine natürliche Lösung forcieren, einen sogenannten Hybridrasen könne er sich vorstellen.

Tägerwilen informiert sich über «Winternaturrasen»

Die Kreuzlinger Verantwortlichen können sich Know-how über den Untergrund von Fussballfeldern auch im Nachbardorf Tägerwilen abholen. Dort plant man ebenfalls die Sanierung der gesamten Sportanlage. An einer Infoveranstaltung im September 2018 zur Vorlage für ein Kunstrasenfeld für den FC Tägerwilen mussten die Verantwortlichen ähnliche Kritik einstecken, wie sie in der Stadt laut wurde.

Sportanlagen-Experte zu Gast

Dies nahm sich der Gemeinderat zu Herzen und geht derzeit noch einmal über die Bücher. Am Donnerstag lassen sich die Tägerwiler nun von einem renommierten Experten einen sogenannten Winternaturrasen vorstellen, sagt Gemeindepräsident Markus Thalmann. Auch ein Kreuzlinger Vertreter sei dazu eingeladen.

Abstimmung im Mai

Der Gemeinderat Tägerwilen werde danach die Alternativen noch einmal beraten und ein Projekt erarbeiten, eventuell mit verschiedenen Varianten. Markus Thalmann stellt in Aussicht, dass am 19. Mai eine Vorlage an die Urne komme. Sollten die Kosten unter zwei Millionen Franken liegen, wäre auch ein Entscheid an der Gemeindeversammlung vom 28. Mai denkbar.