Nach Circus-Royal-Pleite: Drei ehemalige Zirkustiere verlassen den Kamelhof in Olmerswil und übersiedeln nach Deutschland

Die Trampeltiere Ali, Mogli und Yoyo haben am frühen Freitagnachmittag die Reise in einen Tierpark in Rheinland-Pfalz angetreten.

Georg Stelzner
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Karin Stiffler und Ullrich Runge beim Versuch, die Kamele zum Einsteigen in den Tiertransporter zu bewegen.

Karin Stiffler und Ullrich Runge beim Versuch, die Kamele zum Einsteigen in den Tiertransporter zu bewegen.

Bild: Reto Martin

Die Aufschrift auf dem Last­wagen ist unübersehbar: «Vieh & Fleisch». Ob Mogli, ein zwölf Jahre altes Kamel, sich deshalb so ziert und den Anhänger am Freitag partout nicht betreten will?

Nun, die Angst wäre unbegründet, denn das Ziel ist kein Schlachthof, sondern der Tier- Erlebnispark in Bell. Das Dorf südlich von Koblenz im Bundesland Rheinland-Pfalz wird die neue Heimat von Mogli und seinen Brüdern Ali und Yoyo sein. Jetzt steht den Kamelen aber noch eine rund 400 Kilometer lange Reise bevor.

Aus dem Kanton Bern abgeholt

Im vergangenen Jahr traten sie noch im Circus Royal auf. Nach dessen unrühmlichem Ende musste gehandelt werden. Der gesundheitliche Zustand der Kamele, die quasi im Kanton Bern gestrandet waren, gab Anlass zur Sorge.

«Wir haben aus tierschützerischen Gründen Hand ge- boten und uns bereit erklärt, die Kamele vor­übergehend bei uns aufzunehmen», sagt Ullrich Runge vom Kamelhof Olmerswil.

Die Einrichtung bei Neukirch an der Thur ist landesweit bekannt und so kam die Anfrage nicht überraschend. Am 16. Januar trafen die Kamele im Thurgau ein.

Tiere werden nicht getrennt

Über die gefundene Lösung ist Ullrich Runge froh. Er kennt Remo Müller, den aus der Schweiz ausgewanderten Betreiber des Tierparks, seit vielen Jahren. «Im Vergleich zur Existenz im Zirkus stellt die neue ­Situation für die Kamele eine absolute Verbesserung dar», betont Runge. Er sagt:

«Kamele sind relativ gelassene Tiere. Sie sind weniger leicht erregbar als Pferde und ausserdem sehr intelligent.»

Er habe Wert darauf gelegt, dass das Trio zusammenbleiben kann. «Kamele pflegen soziale Kontakte und würden unter einer Trennung leiden.» Der Abtransport erfordert dann doch etwas Geduld. Die drei Kamele sind das Fahren zwar gewohnt, aber ihre letzte Reise liegt schon länger zurück und der Anhänger ist für sie neu.

Geduld aufbringen, Hektik vermeiden

Drängen oder wildes Gestikulieren nütze nichts, erklärt der Experte. Es sind mehrere Anläufe nötig, bis Moglis Misstrauen verflogen ist. Dann folgen auch Ali und Yoyo. Zusammen bringen die drei gut zwei Tonnen auf die Waage.

Es rumpelt kurz, dann legen sich die Kamele im Transporter hin. Ullrich Runge atmet auf. Abschiedsschmerz verspürt er keinen: «Es war ja von Anfang an klar, dass der Aufenthalt von begrenzter Dauer sein wird.»

Weitere Informationen unter: www.kamelhof.ch und www.tier-erlebnisparkbell.de

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