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Das Romanshorner Gasthaus «Anker» steht zum Verkauf

Nach 26 Jahren hört das Wirtepaar auf. Die Zukunft des Traditionsbetriebes ist ungewiss.
Tanja von Arx
Die Wirte Sada und Sheki Perazic gehen in wenigen Monaten. (Bild: Reto Martin)

Die Wirte Sada und Sheki Perazic gehen in wenigen Monaten. (Bild: Reto Martin)

«Rohdiamant zum Schleifen», liest sich auf Homegate.ch unter der Rubrik «zum Verkauf», und das «an exklusiver und begehrter Lage». Die Worte beschreiben das Hotel und Restaurant Anker am Romanshorner Hafen, neben dem früheren «Bodan» und dem einstigen «Bahnhof» ein traditionelles GastroHerzstück der Stadt – es befindet sich seit 26 Jahren in den Händen des Wirtepaars Perazic.

«Wir sind nicht mehr die Jüngsten»

«Niemand ist so lange im mittlerweile hundertjährigen Betrieb geblieben», sagt Inhaber und Geschäftsführer Sheki Perazic. «Wir sind allerdings nicht mehr die Jüngsten.» Er habe mit 66 das Rentenalter erreicht, seine Frau Sada sei 58. «Unsere drei Kinder haben alle ihre Ausbildung abgeschlossen, sie brauchen unsere Unterstützung nicht mehr.» Man hätte schon mehrere Male verkaufen können, aber ihretwegen sei man geblieben.

Der Wirt spricht offen darüber, dass der Job nicht immer ein Zuckerschlecken gewesen sei, auch wenn man ihn stets gern gemacht habe. «Wir haben jeweils sieben Tage die Woche 15 bis 18 Stunden gearbeitet.» Manchmal habe man Polizei spielen müssen. «Nicht selten waren nach den Wochenenden und dem Ausgang Tische oder Blumenkästen kaputt.» Perazic erinnert sich auch an Vorfälle wie einen, als ein altes Ehepaar spätabends mit dem Velo anreiste und man es eincheckte – nur um zu merken, dass die beiden am nächsten Morgen verschwunden waren, ohne zu bezahlen. «In solchen Fällen Betreibungen auszustellen, lohnt sich nicht, einerseits wegen des Aufwands, andererseits wegen der Kosten.» Perazic hat seinen Kindern oft scherzhaft gesagt: «Macht alles, geht nur nicht ins Gastgewerbe.»

Ein Event wie an der Adria

In guter Erinnerung geblieben sind den Perazics hingegen die Bodenseewanderungen Ende September. «Wir haben uns hier in der Hafenstadt gefühlt wie an einem Ferienort an der Adria.» Für eine Woche seien jeweils Leute aus Japan, China oder Brasilien angereist. «Das Event hat dem lokalen Gewerbe um die 40000 Franken eingespielt. Es war die beste Gemeindewerbung.»

Die Perazics möchten sich bei den Gästen aus Romanshorn und Umgebung bedanken. «Nur ihretwegen war es möglich, dass wir so lange hier wirten konnten und unsere Familie glücklich verwurzelt war.» Die Kinder hätten Vereine besuchen können von Schach bis Handball, was einem selbst an den langen Arbeitstagen den Rücken frei gehalten habe. «Und alle Schulen von Kanti bis Primar haben ihnen den Weg für ein gutes Studium geebnet.» Die offene und direkte Art der Wirte dürfte ebenfalls dazu beigetragen haben, sich eine Stammkundschaft aufzubauen. Sheki Perazic ist dafür bekannt, seine Meinung kundzutun.

Das ist ihre letzte Saison

Die Perazics wollen noch die Saison fertig machen. «Uns ist wichtig, den Reservierungen nachzukommen.» Zum Lokal selbst sagt das Wirtepaar: «Das Haus steht am besten Ort der Stadt, verfügt über 3000 Kubikmeter Volumen und bietet Platz für allerlei: von Büros über Wohnungen bis hin zu Hotelzimmern.» Man mache sich keine Sorgen, denn die Liegenschaft habe Potenzial. «Es ist möglich, zwei zusätzliche Stockwerke zu bauen und etwas ganz Neues zu machen.»

Ein Gasthaus mit 100jähriger Geschichte

Der Gasthof zum Anker ist ein Hotel und Restaurant nahe Hafen und Bahnhof in Romanshorn. Seine Geschichte ist lang: Das sechsstöckige Gastro-Gebäude wurde 1927 erbaut, vor dem Wirtepaar Perazic führten es diverse andere, allerdings meist kurz. Der «Anker» umfasst 20 Zimmer und einen Saal für 90 Personen. Besonders Velofahrer und Messebesucher aus Friedrichshafen übernachten gern dort. (tva)

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