Heidi Grau, Gemeindepräsidentin von Zihlschlacht-Sitterdorf, kündigt ihren Rücktritt an

Heidi Graus letzter Arbeitstag als Gemeindepräsidentin wird der 31. Mai 2021 sein. Ihre Amtszeit erstreckt sich dann auf mehr als zwei Jahrzehnte oder exakt 247 Monate.

Georg Stelzner
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Heidi Grau-Lanz, Gemeindepräsidentin von Zihlschlacht-Sitterdorf.

Heidi Grau-Lanz, Gemeindepräsidentin von Zihlschlacht-Sitterdorf.

Bild: Andrea Stalder (3. März 2018)

Donnerstagabend, im Schulungsraum des Feuerwehrdepots an der Bernhauserstrasse in Zihlschlacht trifft sich der Gemeinderat zu einer Sitzung. Eine gewöhnliche wird es nicht.

Es dauert nicht lange, da meldet sich Walter Schindler zu Wort. Der Vizegemeindepräsident verliest ein Schreiben, welches das Ende einer zwei Jahrzehnte dauernden Ära und somit eine markante Zäsur ankündigt: Gemeindepräsidentin Heidi Grau lässt die Behördenmitglieder wissen, dass sie gedenkt, ihr Amt, das sie seit 1. November 2000 ausübt, in andere Hände zu legen. Nicht sofort, sondern in gut neun Monaten.

Rücktritt war zu erwarten

Die Demission der Gemeindepräsidentin ist freilich nicht der sprichwörtliche Blitz aus heiterem Himmel. Heidi Grau hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass die laufende Amtsperiode ihre letzte sein wird.

Die Frage war somit nur, wann der Rücktritt erfolgen wird. Nun haben der Gemeinderat und die Bevölkerung Gewissheit: Der 31. Mai 2021 wird Heidi Graus letzter Arbeitstag als Gemeindepräsidentin sein.

Genau bei Halbzeit

«Jetzt, wo die Gemeinde gut dasteht, ist ein günstiger Zeitpunkt für den Rücktritt», erklärt Heidi Grau. Sie betrachtet diesen Schritt weder als reinen Bauchentscheid noch als Diktat der Vernunft, sondern spricht von einer «Herzensangelegenheit». Sie habe ihre Funktion in der Gemeinde Zihlschlacht-Sitterdorf nie als Last, sondern stets als Verpflichtung empfunden.

Als erfahrene Politikerin hat die 62-Jährige den Zeitpunkt mit Bedacht gewählt. Sie schöpft ihre bis 2023 laufende Amtszeit nicht voll aus, sondern legt ihr Mandat nach zwei Jahren, also bereits im Jahr 2021, zurück.

Kandidatensuche wird erleichtert

Auf diese Weise habe ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin genügend Zeit, um sich bis zur nächsten Gesamterneuerungswahl der Exekutive in das Amt einzuarbeiten, argumentiert Heidi Grau. Die frühe Bekanntgabe des Rücktritts geschehe im Hinblick auf die Kandidatensuche, welche ohne Zeitdruck erfolgen solle. So werde potenziellen Bewerbern auch genügend Bedenkzeit eingeräumt.

Heidi Grau vor dem Sitz der Gemeindeverwaltung an der Bernhauserstrasse in Zihlschlacht.

Heidi Grau vor dem Sitz der Gemeindeverwaltung an der Bernhauserstrasse in Zihlschlacht.

Bild: Reto Martin (Zihlschlacht, 18. Mai 2018)

Dem Grossen Rat des Kantons Thurgau, den sie 2017/18 präsidieren durfte, wird Heidi Grau vorerst weiter angehören. «Diesbezüglich habe ich mich noch nicht festgelegt», sagt sie. Die aktuelle Legislatur hat eben erst begonnen und dauert bis 2024.

Reich an Höhepunkten

Die lange Amtsdauer Heidi Graus ist reich an markanten Meilensteinen. Sie prägen den Charakter und das Bild der Gemeinde nachhaltig. Erwähnt seien die neue Sitterbrücke in Leutswil, die Bahnhaltestelle in Sitterdorf sowie der Werkhof und das Feuerwehrdepot in Zihlschlacht.

Lauter Bauwerke, die unter Heidi Graus Ägide errichtet wurden. Nicht zu vergessen das 20-Jahr-Jubiläum der politischen Gemeinde (2017) und der Umzug der Gemeindeverwaltung in das umgebaute ehemalige Bankgebäude an der Bernhauserstrasse in Zihlschlacht.

Fasziniert von Projektumsetzung

Den Weg zu einem Ziel hat Heidi Grau als faszinierende Aufgabe erlebt. Dabei spielte es keine Rolle, ob er leicht oder beschwerlich war. «Die Zeit bis zur Vollendung eines Projekts war für mich immer spannend und interessant.»

Nicht zuletzt zählt Heidi Grau auch die vielen Gemeindeversammlungen zu den Höhepunkten ihrer Amtszeit, schätzt sie es doch, mit der Bevölkerung in einen direkten Dialog zu treten.