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Nach 105 Jahren kommt für die Sulger Samariter das Aus

Mangelnde Aktivmitglieder und fehlender Nachwuchs führten dazu, dass die ausserordentliche Vereinsversammlung die Auflösung beschloss.
Aktuarin Rosmarie Künzler und Präsident Daniel Bischof bei der letzten Versammlung des Samaritervereins Sulgen. (Bild: Brunhilde Bergmann)

Aktuarin Rosmarie Künzler und Präsident Daniel Bischof bei der letzten Versammlung des Samaritervereins Sulgen. (Bild: Brunhilde Bergmann)

«Wir verbinden seit über 100 Jahren», steht im Logo des Samaritervereins Sulgen und Umgebung. Im 105. Jahr seines Bestehens erlitt der Samariterverein selbst den Kollaps. Seit Jahren diskutierte der Verein den fehlenden Nachwuchs und suchte Lösungen, dem Mitgliederschwund entgegen zu wirken. Mehrere Neueintritte in den vergangenen Jahren nährten die Hoffnung, die Sanitätsdienst-Anlässe besser abdecken zu können; dies scheiterte aber an gestiegenen Zertifizierungsanforderungen oder der Bereitschaft zur Präsenz.

Nur noch 12 Aktivmitglieder erfüllten die Vorgaben, wodurch sich auch deren zeitliche Belastung, vor allem an den Wochenenden, zugespitzt hat. Verschärfend kam hinzu, dass immer häufiger Samariterdienste für Veranstaltungen angefragt wurden.

Fusion war keine Option

Schon mehrmals befasste sich der Sulger Verein mit Fusionsgedanken, konnte diese jedoch nicht realisieren. Eine Zukunft im Alleingang hielt nicht nur die Vorstandsmehrheit für aussichtslos, auch die Mehrheit der Mitglieder sah im Ist-Zustand keine Perspektive mehr, wie eine Konsultativabstimmung im Dezember zeigte. Am 1. März war die Auflösungsversammlung.

«Es darf nicht sein, dass der Samariterverein Sulgen und Umgebung von der Landkarte verschwindet. Über 100 Jahre durften Kurse und Vereinsübungen stattfinden. Das soll weiter so bleiben!», appellierte.

Vorstandsmitglied Werner Knaus sorgte noch einmal für kontroverse Diskussion. Der Kassier sah keinen triftigen Auflösungsgrund, da alle Referenten und Daten für das Kurswesen und die Vereinsübungen im Jahr 2019 reserviert seien und das fehlende Personal für die Sicherstellung der Sanitätsdienste mit Unterstützung des Kantonalverbandes aus anderen Vereinen ergänzt werden könne.

Ein Verlust für die Region

Die meisten Votanten sahen im Gegenantrag nur ein Festhalten an formalen Strukturen und Hinauszögern aber keine Lösung: «Die Auflösung ist unbestritten ein Verlust für die Region. Doch wenn du entdeckst, dass du ein totes Pferd reitest, steig ab», so der Tenor.

Materiell sei die Erfüllung humanitärer Aufgaben im Sinne des Rotkreuzgedankens nicht gefährdet, nur die Organisation sei anders. Kurse könnten auch bei umliegenden Samaritervereinen besucht werden.

Die Hürde für den Auflösungsbeschluss war mit der erforderlichen Vier-Fünftel-Mehrheit hoch. Wohl niemandem fiel es leicht, den Tatsachen ins Auge zu sehen und für die Auflösung per 31. März 2019 zu stimmen. Die Versammlung tat es in geheimer Abstimmung dennoch mit 13 zu 2 Stimmen. Trotz des klaren Resultats gab es keinen Applaus.

Der restliche Ablauf ging schlank über die Bühne, die folgenden Entscheide wurden einstimmig gefasst. Der bisherige Vorstand wird im Jahr 2019 die Liquidation mit allen noch fälligen Verbindlichkeiten abwickeln. Der Feuerwehrzweckverband und weitere Interessenten haben Interesse am Material angemeldet.

Geld für eine mögliche Neugründung

Um einer möglichen Neugründung eines Samaritervereins in der Region Sulgen-Kradolf-Schönenberg Starthilfe zu bieten, kommt ein Teil des Geldes für fünf Jahre auf ein Sperrkonto, das der Kantonalverband ab 2020 verwalten wird. Sollte es in dieser Zeit zu keiner Neugründung kommen, wird das Geld zu gleichen Teilen unter den aktuellen Help-Gruppen im Thurgau und dem Kantonalverband aufgeteilt.

Um die Blutspende-Aktionen in Sulgen und Kradolf bis Ende 2020 wie gewohnt sicherzustellen, verpflichteten sich mehrere Mitglieder des aufgelösten Vereins solange zur freiwilligen Mithilfe. Nach Auswertung der Konsultativabstimmung vom Dezember, hat der Vorstand bereits Anfang Januar bei den Koordinationssitzungen der Vereine bekanntgegeben, dass sich eine mögliche Auflösung abzeichnet.

Veranstaltungen nicht gefährdet

Auch mit der Auflösung des Samaritervereins sind öffentliche Veranstaltungen anderer Organisationen aufgrund der verlangten Sicherheitskonzepte nicht gefährdet. Die Veranstalter können sich an den Kantonalverband wenden. Durch die organisatorische Änderung muss aber eine längere Vorlaufzeit in Kauf genommen werden, eventuell auch höhere Kosten.

Der bisherige Vorstand wird die Veranstalter ausführlich über das weitere Prozedere informieren und wird dazu in Kontakt mit den beiden politischen Gemeinden Sulgen und Kradolf-Schönenberg treten. (red)

Geld für den Nachwuchs

Da fehlender Nachwuchs einer der Auflösungsgründe war, bestimmte die Versammlung, den Samariter-Nachwuchs im Thurgau zu begünstigen. An jede der 13 im Jahr 2019 im Thurgau bestehende Help-Gruppe sowie an die drei in der Gründungsphase stehenden Helpgruppen Erlen, Altnau und Münchwilen gehen 1000 Franken. Dies in der Hoffnung, dass die dort ausgebildeten Jungsamariterinnen und -samariter später in den Samaritervereinen aktiv sind. (red)

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