Musikunterricht 2.0: In Weinfelden lernen die Schüler interaktiv das Instrumentalspiel

Die Musikschule Weinfelden bietet Instrumentalunterricht über eine Online-Plattform an – mit Videos.

Sabrina Bächi
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Gibt es nun interaktiv: Gruppenunterricht an der Musikschule Weinfelden

Gibt es nun interaktiv: Gruppenunterricht an der Musikschule Weinfelden

(Bild: Donato Caspari, 21. September 2019)

Andreas Schweizer wirkt angesichts seiner leeren Musikschule nicht besorgt. Im Gegenteil. Er ist fasziniert von den digitalen Möglichkeiten des Unterrichtens und sieht die Corona-Krise gar als Chance für den Musikunterricht. «Die Kinder sind dankbar, wenn sie etwas zu tun haben, während sie nicht mehr in die Schule gehen können und keine Freunde mehr treffen dürfen», sagt der Musikschulleiter.

Er spüre, dass die Kinder das Angebot des digitalen Instrumentalunterrichts dankbar entgegennehmen. Er unterstützt derzeit seine Lehrpersonen beim Aufbau einer Plattform. Auf ihr soll Videochat möglich sein, sie soll über eine digitale Wandtafel für den Theorie-Teil verfügen und über sie sollen auch mehrere Personen gleichzeitig miteinander musizieren können.

Andreas Schweizer, Musikschulleiter Weinfelden.

Andreas Schweizer, Musikschulleiter Weinfelden.

(Bild: Donato Caspari)

Für Musiklektionen in Zeiten der Corona-Krise braucht es nicht nur das Instrument und die Noten, sondern auch das Tablet oder Handy, um mit der Lehrperson zu kommunizieren. Die Schüler schicken Videos, in denen sie die Stücke vortragen, oder erhalten welche von ihren Lehrpersonen, welche die Klavierbegleitung spielen. Digitales Duett, könnte man es nennen. Auch über E-Mail werden die Schüler mit Noten eingedeckt.

Musizieren Ü50: Per Telefon und mit E-Mail

Schwieriger ist es bei den Musikschülern über 50 Jahre. Die Weinfelder Musikschule hat sich auf Musiklektionen für ältere Personen spezialisiert und bietet ein breites Spektrum dazu an. «Die Generation Ü50 ist nicht gleich gut online zu erreichen. Wir schicken ihnen die Noten per E-Mail oder Post und halten telefonisch Kontakt, wo es nicht über die Online-Plattform geht», sagt Schweizer.

Den Unterricht ausfallen lassen will er nicht. Denn wenn er die Stunden nicht verrechnen könnte, würde die Musikschule in finanzielle Schwierigkeiten kommen. «Hinzu kommt, dass einige Musiker sowieso schon finanziell am Darben sind.» Sie besässen deshalb oftmals auch nicht die neuste Technik, was sich nun als problematisch erweist. Schweizer bleibt aber optimistisch: «Irgendwie geht es schon.»

Er ist sich sicher: Wenn es in dieser Zeit gelingt, den Schülern einen intensiveren Zugang zum Instrument zu ermöglichen, sei das eine grosse Chance. Zudem werde die angedachte Digitalisierung der Musikschule durch die derzeitige Situation notgedrungen gleichzeitig gefördert.

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