Mr Zivilstandsamt geht: der Kreuzlinger Amtsleiter wird pensioniert

Er hat die halbe Stadt verheiratet und Tausende Geburten eingetragen. Nach 26 Jahren im Job beginnt für Franz Kronenberg ein neuer Lebensabschnitt. Nun will er mehr Karate machen.

Martina Eggenberger Lenz
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Franz Kronenberg an seinem Arbeitsplatz im Büro des Kreuzlinger Zivilstandsamtes. (Bilder: Reto Martin)

Franz Kronenberg an seinem Arbeitsplatz im Büro des Kreuzlinger Zivilstandsamtes. (Bilder: Reto Martin)

Über seinen Tisch gingen die Lebensgeschichten von unzähligen Menschen. Jede Geburt, jede Eheschliessung, jeder Todesfall. Wer in Kreuzlingen Zivilstandsamt sagt, der meint Franz Kronenberg. Wer in der Stadt Franz Kronenberg sagt, der meint Zivilstandsamt. So war es in den letzten 26 Jahren. Doch die Ära endet nun mit der Pensionierung des Protagonisten. Letzte Woche hatte der Amtsleiter seinen letzten Arbeitstag.

Computerprogramm für Ämter entwickelt

1992 hatte der damals 39-Jährige von der Handelswarenabfertigung beim Zoll auf das Zivilstandsamt gewechselt. Der Drang nach einer Veränderung habe ihn dazu getrieben, erinnert sich Kronenberg. Zu jener Zeit gehörten das Zivilstands- und das Bestattungsamt noch zusammen und waren städtisch. Eine elektronische Datenverarbeitung gab es noch nicht. Dafür viele dicke, schwere Bücher. Eine bürgerfreundliche Lösung sei das damals gewesen, findet der Zivilstandsbeamte, der betont, wie wichtig ihm der Dienstleistungsgedanke bei seiner Arbeit immer war. «Die Leute kamen zu mir mit einem Problem. Ich durfte ihnen helfen. Das habe ich halt wahnsinnig gerne gemacht.» Je kniffliger die Aufgabe, umso lieber sei sie ihm gewesen. Kronenberg nennt als Beispiel komplizierte Rückführungen bei Todesfällen im Ausland.

In diesen Büchern befinden sich die alten Geburtenregister.

In diesen Büchern befinden sich die alten Geburtenregister.

Mitte 2005 kam der grosse Wandel. Die Zivilstandsämter gingen organisatorisch von den Gemeinden zum Kanton und sie wurden zusammen gelegt. Die Bestattungsämter verblieben bei den Gemeinden. Der Umstieg auf die Arbeit am Computer ist dem Kreuzlinger leicht gefallen. Er hat eine Affinität zur Informatik und sogar ein eigenes Programm für das Zivilstandswesen entwickelt. «Dieses benutzen damals etwa 280 Gemeinden schweizweit. Auch machte er zusammen mit Zürich und Bern 2002 beim Pilotprojekt für den Umstieg auf die elektronische Registerführung mit. Ebenso interessiert war Kronenberg an der Rechtskunde. «Ich bin sehr wissbegierig», sagt er über sich selbst. Das sei mit ein Grund, weshalb er sich mit 58 Jahren noch zum diplomierten Verwaltungsökonom des Kantons Thurgau ausbilden liess.

Die Leute sind konservativer als das Gesetz

Franz Kronenberg war die Ausbildung des Nachwuchses immer wichtig. Er war nicht nur Lehrmeister, sondern auch Prüfungsexperte für die eidgenössische Fachprüfung. Weil heute längst nicht mehr alle Paare, die Kinder bekommen, auch heiraten, nimmt die Zahl der Kindesanerkennungen zu. Und weil die meisten Paare, die heiraten, dies nicht mehr kirchlich tun, sind die Anforderungen an die zivilstandsamtliche Zeremonie gestiegen. Gegen 6000 Eheschliessungen gehen auf das Konto von Kronenberg. Konservativ seien die Menschen, wenn es um den Familiennamen gehe.

«Höchst selten behält eine Frau ihren Ledignamen. In diesem Punkt ist uns die Gesetzgebung noch zwanzig Jahre voraus.»

Auch mit den Vornamen musste sich Franz Kronenberg auseinander setzen. Einmal habe ein Paar den Sohn «Sackmesser» auf türkisch taufen wollen. Ein anderes Mal sollte ein Kind mit Vornamen Saddam Hussein heissen. «Da habe ich dann, gestützt auf die Gesetzesbestimmungen, mein Veto eingelegt.» Generell habe er die Begegnungen mit Menschen unterschiedlicher Herkunft aber sehr spannend gefunden. Und weil in seinen Adern auch italienisches Blut fliesst, habe er stets einen besonders guten Draht zur italienischstämmigen Bevölkerung gehabt. Kein Wunder also, hat Franz Kronenberg als letzte Amtshandlung die Eheschliessung eines italienischen Paares gewählt. «Von denen habe ich schon die ganze Familie verheiratet.»

Nun beginnt für den 65-Jährigen ein neuer Lebensabschnitt. Ideen für diesen habe er genug. Mehr wandern, mehr Skifahren, und wieder Karate machen will Franz Kronenberg. Immerhin ist er Träger des ersten DAN, dem schwarzen Gürtel.

Wenige wollen Ledigennamen zurück

Das neue Namensrecht gibt auch jenen Paaren Wahlfreiheit, die schon längst verheiratet sind. Trotzdem nutzten im Thurgau bisher wenige verheiratete Frauen die Möglichkeit, wieder so zu heissen wie vor der Hochzeit.
Christof Widmer

Scheidungen im Wandel der Zeit

FRAUENFELD. Die wachsende Thurgauer Bevölkerung heiratet gemäss Statistiken öfters als in vergangenen Jahren und lässt sich seltener scheiden. Experten bestätigen diese Tendenzen nicht vollumfänglich und relativieren.
Stefan Etter