Motocross
Willy Läderach träumt vom Weltmeisterschaftslauf in Weinfelden

Nachdem in Frauenfeld wegen Interventionen der Umweltverbände keine MXGP-WM-Läufe mehr möglich sind, wollen die Organisatoren nach Weinfelden ausweichen. Statt Panzern sollen dort im Sommer 2022 Motocrosser über die Piste rasen.

Mario Testa
Merken
Drucken
Teilen
OK-Präsident Willy Läderach bespricht mit Jörg Sedleger von der Nüssli AG die möglichen Standorte für die Tribünen auf dem Gelände.

OK-Präsident Willy Läderach bespricht mit Jörg Sedleger von der Nüssli AG die möglichen Standorte für die Tribünen auf dem Gelände.

Bild: Mario Testa

Willy Läderach ist schon voll in seinem Element. Der OK-Präsident des MXGP of Switzerland und CEO der MXGP Suisse AG besichtigt mit dem Tribünen-Spezialisten Jörg Sedleger bereits das Gelände auf der Panzerpiste in Weinfelden. «Wenn es uns gelingt, hier Tribünen hinzustellen, wäre das perfekt», sagt Läderach und zeigt auf den steilen Westhang am Rande des Geländes. «Wir müssen da aber mit dem Amt für Raumentwicklung noch etwas verhandeln, denn es dürfen sich keine Besucher auf dem Gelände aufhalten. Aber wenn wir es schaffen, diesen Bereich als ‹ausserhalb des Geländes› zu definieren, wär's ideal.»

Läderach hat grosse Pläne für die Region Weinfelden. Er möchte hier schon im Sommer 2022 einen MXGP-WM-Lauf durchführen. Zuvor hatte er diese in den Jahren 2016 bis 2018 in Frauenfeld veranstaltet. Eine Weiterführung an jenem Standort bei der Zuckerfabrik verunmöglichten aber Einsprachen von Umweltverbänden.

Willy Läderach, OK-Präsident MXGP of Switzerland.

Willy Läderach, OK-Präsident MXGP of Switzerland.

Bild: Mario Testa

Untätig geblieben ist Willy Läderach trotz der Niederlage in Frauenfeld nicht. «Ich habe 14 Standorte in der ganzen Schweiz geprüft. Auch jenen hier auf der Panzerpiste. Anfänglich hat die Mowag damals noch abgewunken, aber im letzten Sommer hat mich die Geschäftsleitung wieder kontaktiert und uns grünes Licht gegeben für jeweils ein Rennwochenende pro Jahr», sagt Willy Läderach.

Ideales Gelände weit weg von den Anwohnern

Das Gelände der Mowag sei ideal für ein Motocrossrennen, findet Willy Läderach. «Auf dem Gelände der Kibag können wir den Paddock einrichten, bei der KVA die Infrastrukturbauten und auf der Panzerpiste die Rennstrecke.» Alle Beteiligten zeigten Unterstützung für sein Anliegen.

Auf dem Mowag-Testgelände (unten) soll die Rennstrecke entstehen, bei der KVA die Infrastrukturbauten und auf dem Kibag-Areal ganz links der Paddock.

Auf dem Mowag-Testgelände (unten) soll die Rennstrecke entstehen, bei der KVA die Infrastrukturbauten und auf dem Kibag-Areal ganz links der Paddock.

Bild: Mario Testa

Der grösste Knackpunkt ist aber auch in Weinfelden der Naturschutz. Auf der Panzerpiste befindet sich nämlich ein Amphibien-Schutzgebiet.

«Diesmal hab ich nebst den Behörden und Ämtern auch die Natur- und Umweltschutzverbände schon von Anfang an mit ins Boot geholt. Sie lange aussen vor zu lassen wie in Frauenfeld, diesen Fehler machen wir nicht noch einmal.»

Er werde auch bei der Terminierung des WM-Laufs auf die Amphibien achten. «Wir werden ihn zwischen Mitte August und Ende September durchführen, dann sind die Amphibien nicht mehr hier, sondern auf Wanderschaft», sagt Läderach. «Wir sind auch bereit, die Tümpel, Biotope und Laichgebiete nach dem Rennen sogar noch aufzuwerten und zu erweitern.»

Läderach betont, dass ein WM-Lauf nicht nur Sportfans begeistert, sondern auch Wertschöpfung generiert. «Wir gehen von drei bis vier Millionen Franken aus, von denen die Gastronomie, Hotellerie, Firmen und die helfenden Vereine profitieren können.»

Standortgemeinden unterstützen das Projekt

Die Panzerpiste liegt auf Bürgler Boden, das weitere Renngelände auf Weinfelder Boden. Beide Gemeinden stehen einem MXGP-Rennen positiv gegenüber. «Willy Läderach hat mich im September 2020 kontaktiert. Der Stadtrat hat dann auf Anfrage bestätigt, dass er diesen Grossanlass unterstützen werde», sagt der Weinfelder Stadtpräsident Max Vögeli. Es sei für die Organisatoren ja nicht einfach, einen passenden Standort mit hoher Akzeptanz zu finden.

Max Vögeli, Stadtpräsident Weinfelden.

Max Vögeli, Stadtpräsident Weinfelden.

Bild: Mario Testa
«Das Mowag-Testgelände ist in meinen Augen aber prädestiniert, den vielfältigen Ansprüchen gerecht zu werden.»

Es komme ja auch nicht von Ungefähr, dass die Anlage für Testfahrten von Panzern und anderen Militärfahrzeugen genau dort gebaut wurde, sagt Vögeli weiter.

Auch sein Bürgler Amtskollege Kilian Germann steht hinter dem Ansinnen des MXGP-OKs. «Wir haben das im Gemeinderat anfangs Jahr beraten. Die Mehrheit steht dem Ansinnen positiv gegenüber», sagt Germann. Bürglen ist die für die Baubewilligung zuständige Gemeinde.

Kilian Germann, Gemeindepräsident Bürglen.

Kilian Germann, Gemeindepräsident Bürglen.

Bild: Mario Testa
«Die Auflagen müssen natürlich umgesetzt werden und die Organisatoren müssen das Baugesuch auch noch einreichen und durchbringen.»

Klar gingen bei einem solchen Projekt die Meinungen auseinander. Aber der Bürgler Gemeinderat wolle nicht verhindern. «Die nächste Sitzung mit den Behörden, Ämtern und Organisatoren ist Ende April, dann werden wir alles nochmals genau anschauen.»