Die Moschee in Bürglen öffnet ihre Türen und zeigt: Sie ist viel mehr als nur eine Gebetsstätte

Am Sonntag öffnete die Islamische Gemeinschaft Bürglen die Türen ihrer Moschee. Die  Bevölkerung zeigte jedoch nur geringes Interesse am Anlass.

Monika Wick
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In der Moschee erhalten die Kinder auch Religionsunterricht. (Bild: Andrea Stalder)

In der Moschee erhalten die Kinder auch Religionsunterricht. (Bild: Andrea Stalder)

Von aussen wirkt die Moschee an der Weinfelderstrasse recht unscheinbar. Einen Blick hinter die Kulissen des Gebäudes zu werfen, ermöglichte der Tag der offenen Türe, zu dem die Islamische Gemeinschaft Bürglen am Sonntag eingeladen hatte. Wer viel Prunk erwartet hat, wird sogleich eines Besseren belehrt. Die Räume sind einfach und zweckmässig eingerichtet. Der Erziehungsverantwortliche der Gemeinschaft, Levent Sen, sagt: 

«Unser Herzstück ist nicht die Verzierung, sondern die Gemeinschaft. In die Verzierung wird darum auch nicht viel Geld investiert.»
Die Frauen haben für den Tag der offenen Tür traditionelle Desserts gebacken.(Bild: Andrea Stalder)

Die Frauen haben für den Tag der offenen Tür traditionelle Desserts gebacken.
(Bild: Andrea Stalder)

Besonders in der Küche ist die Herzlichkeit der Gemeinschaft sofort zu spüren. Immer wieder treffen Frauen ein, die das Buffet mit vielen Köstlichkeiten aus aller Herren Länder befüllen. Während ihre Kinder den Religionsunterricht im Obergeschoss besuchen, plaudern die Frauen unbefangen über Gott und die Welt und sind zu Scherzen aufgelegt.

Soziale und kulturelle Dienstleistungen

Adem Kujovic, Generalsekretär SIG Bürglen. (Bild: Andrea Stalder)

Adem Kujovic, Generalsekretär SIG Bürglen. (Bild: Andrea Stalder)

«Es-selamu aleykum – Friede sei auf euch», sagt Adem Kujovic und begrüsst damit alle Anwesenden. Im Anschluss stellt der Generalsekretär die Islamische Gemeinschaft (SIG) vor. «Die SIG ist ein muslimischer Verein, welcher religiöse, kulturelle und soziale Dienstleistungen erbringt», sagt er. Schweizweit gehören der Gemeinschaft 30 Moscheegemeinden mit 600 aktiven und über 2500 passiven Mitgliedern an.

«Unsere Moschee, die sich seit dem Jahr 2000 an der Weinfelderstrasse befindet, ist nicht nur eine Gebetsstätte, sondern auch eine Schule, ein Treffpunkt und ein Ort für soziale Anlässe», sagt Kujovic. Auch ein Fitnessraum und Sitzungszimmer gehören zum Angebot der Moschee. Auf einer Führung ermöglichen Umu Salimatu Surbeck und Levent Sen einen Einblick in muslimische Gepflogenheiten und Riten. Levent Sen zeigt zudem die Parallelen zwischen Bibel und Koran auf. «Wir haben alle den gleichen Gott», sagt er.

Auch einen Fitnessraum bietet die Moschee. (Bild: Andrea Stalder)

Auch einen Fitnessraum bietet die Moschee. (Bild: Andrea Stalder)

Besuche sind immer möglich

Das Interesse am Tag der offenen Türe ist nicht gross. Nur Vereinzelte sind der Einladung der SIG gefolgt. Einen Hinweis, dass viele Thurgauer Christen den Sonntag nach Allerheiligen zum Gottesdienst- und Gräberbesuch nutzen, nehmen die Organisatoren dankbar entgegen. «Besucher sind jederzeit, nicht nur am Tag der offenen Türe, in unserer Moschee willkommen», sagt Adem Kujovic.

BÜRGLEN: Das Dorf und seine Moschee

Bürglen hat einen Ausländeranteil von 27 Prozent. Darunter viele Moslems. Das Dorf und die Moslems sind schon mehrfach in den medialen Fokus geraten – so auch diese Woche. Nun will die Stiftung Islamische Glaubensgemeinschaft Thurgau mit Vorurteilen aufräumen.
Michèle Vaterlaus