«Momentan kann das Kappeli im Winter kaum genutzt werden»: Die alte Kapelle stellt die Stadt Arbon vor Herausforderungen

Der Arboner Stadtparlamentarier Lukas Graf (SP) sagt, die aktuelle Nutzung der St.Johannes-Kapelle vermöge einfach nicht zu überzeugen. Und er ist nicht der Einzige. Der Stadtrat ist hingegen der Ansicht, dass «kein dringender kurzfristiger Handlungsbedarf» bestünde.

Tanja von Arx
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In Arbon stellt man sich Fragen zur Nutzung des Kappeli.

In Arbon stellt man sich Fragen zur Nutzung des Kappeli.

Manuel Nagel

«Die aktuelle Nutzung dieser Liegenschaft vermag einfach nicht zu überzeugen.» Der Arboner Stadtparlamentarier Lukas Graf (SP) findet an der Budgetsitzung diese Woche deutliche Worte. Und zwar betreffend das Kappeli in der Altstadt:

Lukas Graf, Stadtparlamentarier (SP).

Lukas Graf, Stadtparlamentarier (SP).

PD
«Im Moment steht weder der Raum selbst mit der Malerei im Fokus noch kann er richtig für Anlässe genutzt werden.»

Kurzum sei das Konzept weder Fisch noch Vogel. Und es geht noch weiter: «Auffallend ist, dass das Kappeli fast in jedem Budget thematisiert wird.»

Fragen zu 53'800 Franken im Budget 2021

Graf sagt: «Wir möchten den Stadtrat ermutigen, einen Entscheid zu fällen, was es in Zukunft darstellen soll.» Vorgängig hatte bereits die Finanz- und Geschäftsprüfungskommission (FGK) Fragen zum veranschlagten Betrag über 53'800 Franken für 2021 gestellt. Konkret wollte sie vom Stadtrat wissen: Wie könnte das Kappeli in Wert gesetzt werden? Gibt es Pläne, wie es für potenzielle Mieter attraktiver gemacht werden kann?

Schon damals räumte der Stadtrat ein:

«Momentan kann das Kappeli im Winter kaum genutzt werden.»

Die Beheizung mittels Wärmestrahler verursache extrem hohe Stromkosten, was übermässige Mietkosten zur Folge hätte. «Der Einbau einer Heizung und auch einer Toilette wäre jedoch unverhältnismässig kostenintensiv in Relation zu den möglichen Einnahmen.» Ausserdem sei die Nutzung durch die aufwendig freigesetzten Wandmalereien ebenfalls eingeschränkt.

«Die Vermietung läuft nicht schlecht»

Dominik Diezi, Stadtpräsident.

Dominik Diezi, Stadtpräsident.

Andrea Stalder

Auf Nachfrage sagen Stadtpräsident Dominik Diezi und der zuständige Stadtrat Jörg Zimmermann, Ressort Freizeit, Sport und Liegenschaften: «Die Vermietung läuft nicht schlecht, sondern angesichts der zur Verfügung stehenden Infrastruktur den Erwartungen entsprechend.» Zudem sei zu berücksichtigen, dass aktuell praktisch keine Kosten anfielen.

«Dringender kurzfristiger Handlungsbedarf besteht daher nicht.»

Allerdings: «Aus Sicht des Stadtrates wird man sich bezüglich Nutzung des Kappelis mittelfristig sicherlich vertieft Gedanken machen müssen, sinnvollerweise parallel zur Neuaufgleisung der Aufwertung der Altstadt.» Diesbezüglich ist anzumerken, dass in den kommenden drei Jahren lediglich geplant wird. In Zusammenhang mit dem Projekt Lebensraum Altstadt heisst es in den Unterlagen zur Investitionsrechnung: «Nächstens wird sicher noch nichts gebaut. Zuerst muss ein Projekt vorliegen, dann darüber abgestimmt werden und das Projekt auch vom Kanton bewilligt.» Die FGK hätte sich eine raschere Gangart gewünscht.

Schon zwei Millionen sind in die Restauration geflossen

Das Kappeli, wie es indes umgangssprachlich heisst, blickt auf eine lange Geschichte zurück: 1390 als St. Johannes-Kapelle erbaut, fiel es hundert Jahre später beinah einem Brand zum Opfer. Die Söhne eines gehängten Diebes legten aus Rache Feuer. Bis 1777 behielt das Kappeli seinen Zweck als Sakralbau. Danach folgten weltliche Nutzungen. Es war ein Militärbüro, ein Feuerwehrdepot und zuletzt ein Brockenhaus. Erst kürzlich legten Restaurationsarbeiten Fresken an den Wänden und die diversen Verwendungszwecke offen. Ein Kredit über zwei Millionen Franken floss ein.