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Mode gegen Menschenhandel: In Kreuzlingen unterstützen drei junge Frauen mit ihrer Modemarke Dignity Fashion ehemalige Sexarbeiterinnen

Rahel Bitzer, Sara Wörner und Corinna Göhler haben in Kreuzlingen ihre eigene Modemarke names Dignity Fashion gegründet. Ihre Produkte lassen sie in Indien von ehemaligen Sexarbeiterinnen herstellen und ermöglichen ihnen damit ein neues Leben.
Rahel Haag
Rahel Bitzer, Sara Wörner und Corinna Göhler haben ihre eigene Modemarke namens Dignity Fashion gegründet. (Bild: Donato Caspari)

Rahel Bitzer, Sara Wörner und Corinna Göhler haben ihre eigene Modemarke namens Dignity Fashion gegründet. (Bild: Donato Caspari)

Dignity ist das englische Wort für Würde – und die wollen sie den Frauen zurückgeben. Mit dem Verkauf von Kleidungsstücken. Aktuell umfasst die Linie der Modemarke Dignity Fashion drei verschiedene T-Shirts und einen Turnbeutel. Hergestellt werden die Produkte in Mumbai, der grössten Stadt Indiens. Und hier kommen die Frauen ins Spiel, denn:

«Unsere Produkte werden von ehemaligen Sexarbeiterinnen produziert»

sagt Rahel Bitzer. Sie sitzt mit ihren beiden Kolleginnen Sara Wörner und Corinna Göhler auf dem grünen Sofa in ihrem Atelier in Kreuzlingen. Vor drei Jahren reiste Bitzer durch Indien und besichtigte dort die Einrichtung «Chaiim». Diese bietet ehemaligen Sexarbeiterinnen die Möglichkeit, eine vierjährige Ausbildung zur Schneiderin zu absolvieren.

«Ein Jahr später besuchten die beiden Gründer von ‹Chaiim› die Schweiz und kontaktierten mich über Facebook», erzählt die 23-jährige Bitzer. In Zürich sei es dann zu einem Treffen gekommen, bei dem auch Göhler dabei war. «In diesem Moment kristallisierte sich heraus, dass wir gemeinsam etwas auf die Beine stellen und das Projekt unterstützen wollen.»

Die oberflächliche Branche hinter sich gelassen

Bitzer und Göhler, die beide eine kaufmännische Ausbildung absolviert haben, kennen sich mit Mode allerdings überhaupt nicht aus.

«Wir merkten, dass wir nicht einmal ein Schnittmuster zeichnen können»

sagt Bitzer und schmunzelt. Hier kam Sara Wörner ins Spiel. Die 27-Jährige ist gelernte Schneiderin und arbeitete unter anderem für s. Oliver. «Mit der Zeit merkte ich aber, dass die Modebranche oberflächlich ist», sagt sie. Allmählich sei bei ihr der Wunsch aufgekommen, sich sozial zu engagieren. Über gemeinsame Bekannte sei sie schliesslich auf Digntiy Fashion aufmerksam geworden. Und so wurde im vergangenen Juni aus dem Duo ein Trio.

Ende September feierten die drei jungen Frauen dann den offiziellen Start ihrer Modemarke. Zwischen 60 und 70 Interessierte seien gekommen. Zu Gast waren auch die beiden Gründer von «Chaiim». An diesem Nachmittag seien diverse T-Shirts verkauft worden. Nicht nur Bekannten, sondern auch Fremden. Corinna Göhler erzählt strahlend:

«Einige Tage später sah ich im Café, in dem ich Teilzeit arbeite, einen Gast, der eines unserer T-Shirts trug.»

Vier Jahre lang zur Prostitution gezwungen

Aktuell betreue «Chaiim» rund 30 Frauen im Alter zwischen 18 und 24 Jahren. Abgesehen von der Ausbildung erhalten die Betroffenen dort auch psychologische Unterstützung, um ihre Traumata verarbeiten zu können.

«Teilweise werden sie hereingelegt und so Opfer von Menschenhandel»

sagt die 29-jährige Göhler. Eine der Frauen, die sie bei einem Besuch in Mumbai kennen gelernt hätten, sei es so ergangen. Sie sei vom Land in die Stadt gezogen, um Geld zu verdienen. «Dort hat sie eine Frau angesprochen, die meinte, sie könne ihr helfen.» Sie habe ihr etwas zu essen gegeben, das wohl mit K. O.-Tropfen versetzt war.

«Als sie wieder zu sich kam, war sie bereits in einem Bordell»

sagt Göhler. Anschliessend sei sie vier Jahre lang zur Prostitution gezwungen und mit Drogen vollgepumpt worden. «Im Rahmen einer Razzia wurde sie schliesslich befreit.» Schicksale wie diese spornen die drei jungen Frauen an. «Mit unserer Mode wollen wir etwas verändern», sagt Göhler, «zumindest für ein paar Frauen in Indien.»

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