Mobiler Zahnarzt: Für das Egnacher Wohn- und Pflegeheim Tertianum Seerose eine ausgefallene Lösung

Gustav Egli ist als mobiler Zahnarzt unterwegs. Deswegen kostet er aber nicht mehr, sondern weniger.

Christof Lampart
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Zahnarzt Gustav Egli zusammen mit einer Mitarbeiterin in der mobilen Zahnarztpraxis.

Zahnarzt Gustav Egli zusammen mit einer Mitarbeiterin in der mobilen Zahnarztpraxis.

Christof Lampart

Das Wohn- und Pflegeheim Tertianum Seerose in Egnach greift seit kurzem auf die Dienste der mobilen Zahnarztpraxis des St. Galler Zahnarztes Gustav Egli zurück. Für «Seerose»-Geschäftsführer Christian Beck ein wichtiges Angebot. Denn: «Mit einer guten Mundhygiene können viele Probleme im Alter präventiv vermieden werden».

Seit 2018 führt Gustav Egli eine eigene Zahnarztpraxis in St. Gallen. Die Idee, eine mobile Zahnarztpraxis für älteren Frauen und Männern in Alters- und Pflegeheimen zu haben, beschäftigte ihn aber schon viel länger. «Mein Vater leitete ein Altersheim. Und ich selbst habe während dem Studium auf der Pflege gearbeitet, so dass ich selbst mitbekam, wie schlecht oft die Zähne von vielen Bewohner/-innen imstande waren», erinnert sich Egli. Auch der Geschäftsführer der Tertianum Seerose, Christian Beck, weiss um die Problematik. Vor allem bei dementen Gästen, die nicht mehr selbstständig die eigene Körper- und somit auch Mundpflege übernehmen können, sei eine mangelhafte Zahnpflege immer wieder ein Thema. Beck sagt:

«Ich will, dass jeder Gast bei uns einen Zahnarzt hat.»

Darum wird die Frage nach dem Zahnarzt bei jedem Neueintritt gestellt.

Aufwändige Transporte entfallen

Dieser kann, muss aber nicht Gustav Egli heissen. Doch für Beck liegen die Vorteile in der Zusammenarbeit auf der Hand. «Wenn der Zahnarzt zu uns kommt, entfallen zum einen die aufwändigen Patiententransporte für uns, und zum anderen können wir mehrere Termine so zusammennehmen, dass wir einen Tag füllen können, so dass der Zahnarzt nicht mehrmals anreisen muss», sagt Beck.

So entfällt auch die von Dritten (Familienangehörige, Beistände, Sozialdienste etc.) oft geäusserte Sorge, dass der Zahnarzt mehrmals anreist und entsprechend kostspielig abrechnen könnte. In der Vereinbarung mit der Tertianum Seerose ist dies sogar mitnichten ein Kostenfaktor, denn Gustav Egli berechnet für die Hin- und Rückreise kein Geld.

Gute Mundhygiene im Alter beugt Lungenentzündung vor

Dabei sind die Heimbesuche im Grunde genommen alles andere als lukrativ für ihn:

«Ich verdiene hier viel weniger als in meiner Praxis und habe im Nachgang noch ziemlich viel Schreibarbeit für die behandelten Patienten zu erledigen.»

Warum er den Dienst dennoch anbietet, erläutert Egli so: «Ich bin ganz sicher nicht Mutter Theresa. Aber ich sehe es nicht ein, dass man für die Mundhygiene im Kinderalter vom Staat her viel Geld ausgibt, zugleich aber nicht mehr dazu bereit ist, in die Gesundheit der älteren Menschen zu investieren».

Gerade bettlägerige Menschen seien ganz besonders auf eine gute Mundhygiene angewiesen. Denn durch ihre oftmals ziemlich lange Liegezeit sind sie besonders anfällig für Aspirationspneumonien. Diese Lungenentzündung wird dadurch ausgelöst, dass Bakterien aus der schlecht gepflegten Mundhöhle in die Lunge gelangen und dort durch ihre spezifischen Eigenschaften Entzündungsreaktionen hervorrufen.

Die Zahnarztpraxis im Bad

Gustav Egli wünscht sich, dass in der Region bald mehr Zahnärzte ihre mobilen Dienste für Alters- und Pflegeheim anböten. «Bei einer Umfrage unter Kollegen haben wir gespürt, dass das Interesse da ist», so Egli. Bei den Heimen herrsche jedoch oft nach wie vor die Skepsis für einen grossen Aufwand vor:

«Viele denken, dass sich so die Zahnärzte eine goldene Nase verdienen wollen. Aber dem ist ganz sicher nicht so.»

Zumal er im Bad im dritten Stock der Tertianum Seerose, wo er seine mobile Zahnarztpraxis jeweils einrichtet, sowieso nur einfachere Arbeiten durchführen kann. «Es geht hier zuallererst um die Mundhygiene und einfache Erhaltungsmassnahmen. Operationen und aufwändige Versorgungen könnte ich hier gar nicht durchführen», sagt Egli.