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Mitglied der Arboner Grünraumkommission sagt: Bäume sind mehr als Möbelstücke

Am Freitag lud der Natur- Vogelschutzverein Meise zu einem Stadtrundgang mit Laurenz Winkler ein. Der Biologe richtete den Blick auf die Gehölze am Wegrand. Was er sah, machte ihn nicht nur glücklich.
Markus Schoch
Laurenz Winkler führt die Teilnehmer des Stadtrundganges durchs Weiherareal. (Bild: Markus Schoch)

Laurenz Winkler führt die Teilnehmer des Stadtrundganges durchs Weiherareal. (Bild: Markus Schoch)

Ein schlechtes Beispiel bekommen die zwölf Teilnehmer des Spazierganges zuerst zu Gesicht: Den neu gestalten Platz hinter dem Berufsschulhaus. Es gibt dort zwar ein paar Bäume, aber der Boden ist weitgehend versiegelt, so dass das meiste Regenwasser abläuft und nicht in den Wurzelbereich gelangt. Ein besonderes Problem in heissen Sommern wie diesem. Hier sind die Bäume in erster Linie Gestaltungselement. Laurenz Winkler vergleicht sie mit Möbelstücken. Es gibt eine Waldföhre, Birken und ein paar Hagebuchen, deren Kronen zu einem grünen Flachdach über ein paar Bänken werden sollen. Mit Hagebuchen könne man das machen, sagt Winkler, der Mitglied der städtischen Grünraumkommission ist. «Doch man verstümmelt sie so.»

Auf dem Parkplatz auf der anderen Seite des Gebäudes ist es ebenfalls nicht weit her mit Natur. Ein paar Platanen spenden Schatten, rund um den Stamm am Boden wächst aber kaum etwas, weil sie im Steinbeet stehen. Hier hätte man ein natürliches Blütenangebot schaffen können, sagt Winkler. Auch die Ligusterhecke überzeugt ihn nicht. «Es ist eine Kulturform. Besser wäre gewesen, die Wildform zu pflanzen. Das gilt generell.» Der Amberbaum an der Standstrasse lässt das Herz des Biologen auch nicht höher schlagen: «Das Laub wird zwar schön feurig, aber kein Tier frisst die Früchte.»

«Eine wunderbare Hecke»

Sehr angetan ist Winkler dafür von der Hecke weiter vorne an der Standstrasse gegenüber des Berufsschulhauses. «Sie ist wunderbar.» Und wunderbar ist sie, weil hier viele Tiere auf ihre Kosten kommen. «Sie bietet einen ökologischen Mehrwert.» Die Vielfalt ist gross. Es gibt Berberitzen, Wildrosen, einen Apfelbaum, ein Pfaffenhütchen, eine Felsenbirne, einen Holunder, einen Quittenbaum und vieles mehr. Solche Hecken brauche es mehr. Denn die Artenvielfalt gehe dramatisch zurück.

Rund um den Weiher gefallen Winkler die prächtigen Schwarzerlen, grossen Schwarzpappeln, Eichen und Eschen. Doch der Wald ist weitgehend ausgeräumt, es fehlt Totholz und ein Waldsaum, die Rasenflächen sind überall und teilweise bis ins Unterholz hinein gemäht. Und es wachsen Gehölze, die dort nicht hingehören. Beispielsweise der seidige Hornstrauch oder der Essigbaum – beides sogenannte Neophyten. Winkler versteht das nicht.

Stadt ignoriert eigene Warnrufe

Im Weiherareal wachsen auch Essigbäume. (Bild: PD)

Im Weiherareal wachsen auch Essigbäume. (Bild: PD)

Stadt und Kanton würden mit Steuergeldern die Bevölkerung auf die Gefahren hinweisen, die solche exotischen Problempflanzen mit sich bringen. So beispielsweise mit der Wanderausstellung, die im Juni in Arbon zu sehen war. Gleichzeitig ignoriere aber die gleiche Stadt die eigenen Warnrufe. Ebenfalls unverständlich ist für ihn, dass Fichten wachsen. «Sie passen nicht hierher.»

Problematisch seien auch Holzschläge, die Bäume der Sonne aussetzen, die vorher jahrzehntelang im Schatten standen. Die Folge: Sie bekommen eine Art Sonnenbrand. Die Rinde platzt auf – eine Eintrittsschleuse für Pilze. «Das passiert immer und immer wieder», sagt Erica Willi, die Präsidentin des Natur- und Vogelschutzvereins Meise, die mit Winkler in der Grünraumkommission sitzt. «Man lernt nicht aus Fehlern.»

Wie auf Bestellung fliegt eine Fledermaus vorbei

Zum Schluss führt Winkler die Teilnehmer des Rundganges an einen Ort, wo es so sein sollte, wie er es sich wünscht. Es ist der Rand des aufkommenden Forsthofhauswaldes zur Wiese nahe der Alterssiedlung Schützenwiese. Der Übergang vom Wald ins offene Gelände ist mit Sträuchern gestuft und es gibt einen Krautsaum. Wie auf Bestellung fliegt eine Fledermaus vorbei.

Totes Papier

Es ist der Wunsch der Politik, dass die Arboner Grünanlagen vor allem auch aus Kostengründen effizienter und weniger intensiv bewirtschaftet werden. Diverse Parlamentarier reichten vor über zwei Jahren mit breiter Unterstützung über alle Parteien hinweg einen entsprechenden Vorstoss ein. In der Folge legte der Stadtgärtner einen Pflegeplan vor. Gemäss Laurenz Winkler ist er er aber ein Stück weit totes Papier geblieben. Die Rasenflächen rund um den Weiher beispielsweise würden nach wie vor konsequent kurz gehalten, was so nicht vorgesehen und auch unnötig sei, sagt Winkler. (mso)

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