Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Mit Säcken vertrieb sie die Konkurrenz

Fast ein halbes Jahrhundert sorgte Rosmarie Klee dafür, dass die Amriswilerinnen gut angezogen sind. Heute gibt sie ihr Geschäft ab.
Manuel Nagel
Rosmarie Klee führte 43 Jahre lang eine Modeboutique in Amriswil. Nun übergibt sie ihr Lebenswerk in andere Hände. Bild: Manuel Nagel

Rosmarie Klee führte 43 Jahre lang eine Modeboutique in Amriswil. Nun übergibt sie ihr Lebenswerk in andere Hände. Bild: Manuel Nagel

Nicht nur Rosmarie Klee hat sich im Laufe der Jahre entwickelt, sondern auch ihr Modegeschäft. Das lässt sich alleine an den Namen ablesen: Aus dem rebellischen «Mary’s Jeans Lädeli» wurde «Mary’s Boutique» und schliesslich die etwas gehobenere «Boutique Klee».

Geboren wurde Rosmarie Klee in Oberaach. «Mein Grossvater pachtete Löws Gutsbetrieb», erzählt sie. Als Rosmarie vierjährig war, zog ihre Familie auf einen Bauernhof in Roggwil.

Mode faszinierte sie schon früh. In einer Boutique in Rorschach wollte sie die Lehre machen, doch das klappte nicht. Also machte Rosmarie Klee ein Haushaltjahr bei der Familie von Schreiner Werner Hofmann in Baumannshaus bei Neukirch. «Da war ich bald öfter an der Hobelbank statt am Herd», sagt Klee lachend, sodass Hofmann ihr anbot, eine Lehre bei ihm als Bauschreinerin zu machen.

Dank der Weltmeister zur trendigen Jeans

Doch das häufige Tragen von schwerem Holz bereitete Klee gesundheitliche Probleme, sodass sie sich beruflich verändern musste. Im Mai 1976 eröffnete sie in einer ehemaligen Bäckerei in Hemmerswil ihr Jeanslädeli.

«Mit den Pooh-Jeans hatte ich eine gute Marke.»

erzählt Klee. Auf die italienische Jeansmarke gestossen war sie auch durch ihren damaligen Freund, der eine Affinität für Motorräder hatte. Pooh-Jeans sponserten damals verschiedene Töfffahrer, nebst anderen auch die Seitenwagen-Weltmeister Holzer und Meierhans aus Neukirch, die Klee ebenfalls kannte.

Sie war die Einzige in der Ostschweiz, die zu dieser Zeit diese Marke führte und sorgte mit ihr für Furore. Sonst gab es nur Levis, Rifle und Lee Cooper in den Läden. Die Jungen fanden deshalb die Pooh-Jeans cool.

Doch Klee war weiterhin am Morgen als Bauschreinerin tätig, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, damit sie am Nachmittag in ihrem Jeanslädeli arbeiten konnte. Erst 1979, als sie an der Bahnhofstrasse 6 im Haus von Willi Sulzberger ein neues Ladenlokal fand, lief es so gut, dass Klee mit dem Schreinern aufhören konnte.

Immer mehr Konkurrenten aus St.Gallen

Mit der Zeit eröffneten immer mehr Jeansgeschäfte aus St.Gallen eine Filiale in Amriswil. Von einem Konkurrenten hörte Klee damals:

«Ich gehe wieder. Die Amriswiler laufen ja nur mit Klee-Säcken herum.»

Damit meinte dieser die Stofftaschen, die Rosmarie Klee ihren Kundinnen jeweils verteilte. Sie musste sich dennoch anpassen, setzte wegen der vielen Konkurrenten weniger auf Jeans und nahm stattdessen Schweizer Designer in ihr Sortiment auf.

In der Folge suchte Rosmarie Klee nach grösseren Räumlichkeiten. An der Rütistrasse 1, dort wo früher der Maxi Supermarkt drin war, wurde sie fündig. Der Start am neuen Ort glückte, sie erweiterte ihr trendiges Sortiment mit etwas gehobeneren Kleidern. Mit Klee wurden auch ihre Kundinnen älter, aber ein guter Mix war ihr wichtig. Und auch qualitativ wollte sie keine Abstriche machen.

Zu dieser Zeit engagierte sich Rosmarie Klee auch ausserhalb ihres Geschäftes. Sie lancierte und organisierte während einiger Jahre die Rocknächte in der Festhütte mit.

«Ich ging an Konzerte, bis mir die Ohren läuteten und suchte so Bands für unsere Rocknächte aus.»

erinnert sich Klee. Angefangen hatte es mit der einheimischen und international erfolgreichen Rockband Transit. Dank guter Kontakte zu dieser brachte Klee auch Musiker wie Polo Hofer und Bo Katzman nach Amriswil.

Legendär waren auch die Modeschauen in der Festhütte, die Klee zusammen mit Bösch Mode organisierte. Die Festhütte sei jeweils «pumpevoll» gewesen, erinnert sich Klee.

Mit 35 Jahren noch die Lehre nachgeholt

Ab 1991 drückte die gelernte Bauschreinerin auch nochmals die Schulbank. «Mit Freude und Begeisterung», wie sie sagt, holte sie die Lehre als Fachangestellte im Detailhandel nach und absolvierte auch noch den Lehrmeisterkurs, um Lehrlinge aufnehmen zu können. Zehn junge Menschen bildete Klee aus.

1994 erweiterte Klee ihren Laden und eröffnete «Mary’s Casual» mit sportlichen Kleidern und wieder vermehrt Jeans, was damals wieder im Trend lag. Der eine Teil des Geschäfts war für die Freizeit, der andere für den Ausgang. Und auch Klees Kundschaft ist gewachsen, denn ihre Stammkundinnen, die immer etwa in Klees Alter waren, kamen nun teilweise auch mit den Töchtern zu ihr.

Die Entwicklung in der Modebranche mit der Konkurrenz in Konstanz oder dem Aufkommen von Zalando hinterliess aber auch bei Klee ihre Spuren. Vor vier Jahren musste sie den Casual-Teil aus wirtschaftlichen Gründen schliessen. Das bedeutete auch weniger Personal. Zu den besten Zeiten arbeiteten bis zu vier Leute in Klees Boutique und sie bildete noch zusätzlich zwei Lehrlinge aus.

In schwierigen Zeiten sich selber treu geblieben

Der Druck nahm zu und bei Rosmarie Klee kamen auch Existenzängste auf. Sie entschied sich, noch gezielter für ihre Stammkundschaft einzukaufen und nicht etwa auf die billige Linie aufzuspringen.

«Ich wollte mir selber treu bleiben.»

sagt sie. Ihre Kundinnen hätten sie in dieser schwierigen Zeit weitergetrieben und getragen.

Vor einem Jahr zeichnete sich dann die Nachfolgelösung mit Sonja Fischer ab. «Wenn nicht sie, wer dann?», sagte sich Klee, die Fischer schon lange kennt (siehe Kasten), und der es wichtig war, dass nach ihrer Pensionierung ihr Geschäft bestehen bleibt. «Das war mein Kind, meine Familie. Ich habe alles gegeben fürs Geschäft», sagt Rosmarie Klee.

Eröffnung am 17. August

Die «Boutique Klee» bleibt bestehen. Rosmarie Klee übergibt ihr Kleidergeschäft an Sonja Fischer, die bei ihr bereits die Lehre gemacht hat und seit rund einem Jahr erneut mit ihr zusammen in der Boutique arbeitet. Nach zweiwöchiger Umbauphase eröffnet die neue Besitzerin ihr Geschäft am 17. August mit einem Apéro. (man)

Ab August wird sie noch mit einem 50-Prozent-Pensum bei Sonja Fischer angestellt sein. «Wenn dann einmal ein Bügel schräg hängt, muss ich die Klappe halten», sagt sie herzhaft lachend. Sie freut sich nun auf den neuen Lebensabschnitt – der ihr mehr Freizeit bringt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.