Mit einem Gestaltungsplan will Kreuzlingen anstelle einer Stallruine und einem altem Käseladen neue Wohnungen bauen

In Kurzrickenbach kommt die Erneuerung des alten Dorfkerns einen Schritt weiter. Der Gestaltungsplan «Rüütiwise Süd» wurde am Dienstag der Bevölkerung vorgestellt.

Inka Grabowsky
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Der alte Käseladen an der Romanshornerstrasse 81 soll weichen.

Der alte Käseladen an der Romanshornerstrasse 81 soll weichen.

(Bild: Inka Grabowsky)

Einige Jahrzehnte ist es her, dass man an der Romanshornerstrasse 81 noch Käse kaufen konnte. Seit langem steht das Gebäude leer, ebenso wie der grosse Stall direkt dahinter. Schon vor fünf Jahren hatte die Stadt eine Studie erstellen lassen, die jetzt vom Architekturbüro AIR angepasst und überarbeitet wurde. Sie bildet die Grundlage für einen neuen Gestaltungsplan: «Rüütiwise Süd». Er liegt bereits seit April beim Kanton zur Vorprüfung.

Nun konnten sich die Kreuzlinger damit erstmals detailliert auseinandersetzten. Bis Anfang Oktober sollen Anstösser ihre Stellungnahme abgeben. Dann berät der Stadtrat und legt den Gestaltungsplan öffentlich auf. Nach Bereinigung allfälliger Einsprachen würde der Kanton den Plan schliesslich genehmigen, die Umgestaltung könnte beginnen.

Der Chogenbach kommt wieder frei

Bei dem Projekt in Kurzrickenbach geht es nicht nur einfach um neue Gebäude, die alte Häuser ersetzen. Der Chogenbach soll auf dem Areal ausgedohlt werden. Die Romanshornerstrasse wird hier ab Frühjahr 2021 saniert. Der Dorfkern soll schöner werden.

Architekt Bernard Roth, Raumplaner Christoph Brugger und Stadtrat Zülle sind überzeugt von der Aufwertung des Dorfkerns.

Architekt Bernard Roth, Raumplaner Christoph Brugger und Stadtrat Zülle sind überzeugt von der Aufwertung des Dorfkerns.

(Bild: Inka Grabowsky)
«Wir planen mit hoher Qualität, nicht nur für die, die dort wohnen, sondern auch für die, die drumherum wohnen.»

Das erklärt Stadtrat Ernst Zülle. Entsprechend legte die Stadt unter anderem Wert auf die Gestaltung der Gartenflächen um die Häuser. Das Gebiet wird für alle Quartierbewohner durchlässig sein. Das Gebäude, in dem sich früher der Käseladen befand, soll abgerissen und durch ein modernes Haus ersetzt werden. Die baufällige Scheune dahinter weicht zwei miteinander verbundenen Mehrfamilienhäusern mit Flachdach.

Ein weiteres Flachdach-Haus schliesst das Areal nach Osten ab. Die Besitzer des Grundstücks wollen Eigentumswohnungen mit dreieinhalb und viereinhalb-Zimmern erstellen. Geplant sind jeweils drei Geschosse mit zusätzlicher Attika-Wohnung. «Das ist normal im Dorfkern», erklärt Bernard Roth von AIR Architekten. Der Raumplaner Christoph Brugger vom BHA Team ergänzt:

«Wir bekommen eine identitätsbildende Wohnsiedlung bei haushälterischer Bodennutzung, die rücksichtsvoll
mit anderen Grundstücken
im Umfeld umgeht.»

Die geschichtsträchtigen Bauten in der Nachbarschaft bleiben selbstverständlich geschützt; das sogenannte Pförtnerhaus passt sich ihnen in der äusseren Form an. Sein Innenleben allerdings hat nichts mehr mit der historischen Substanz zu tun.

Das Erdgeschoss, das wegen des Verkehrslärms auf der Strasse ohnehin als Wohnraum nicht sehr attraktiv wäre, wird als Zufahrt für die Tiefgarage dienen. Ernst Zülle sagt:

«Ich bin selbst Kurzrickenbacher und habe Freude daran, wie sich das Projekt entwickelt hat. Wir haben mit dem Entwurf des Gestaltungsplans ein Optimum erreicht. Das was jetzt dort steht, ist keine Augenweide.»

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