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Mit Brieftauben dem Stau trotzen

Bei Ruedi Mosimann in Zihlschlacht erfuhr eine Kindergruppe im Rahmen des Ferienspasses, dass man immer noch Brieftauben einsetzt.
Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
Schulkinder aus Bischofszell und Umgebung lassen bei Ruedi Mosimann in Zihlschlacht Brieftauben fliegen.Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer

Schulkinder aus Bischofszell und Umgebung lassen bei Ruedi Mosimann in Zihlschlacht Brieftauben fliegen.Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer

«Hier sieht es aus wie in einem Wohnblock. Jedes Pärchen hat sein eigenes Zimmer», sagt Ruedi Mosimann. Gespannt lauschen die Kinder seinen Worten und staunen, wie die Brieftauben paarweise in ihren Zellen sitzen. Vorsichtig hebt Ruedi Mosimann zwei junge Tauben samt ihrem Nest heraus. Die Winzlinge sind vor genau einer Woche geschlüpft. «Jöööö, so herzig», tönt es unisono. Eine Kindergruppe hat sich am Donnerstagnachmittag zum Ferienspass beim Taubenzüchter Ruedi Mosimann in Zihlschlacht getroffen. Bei ihm erfuhren die sechs Primarschüler viel Spannendes über das Leben der Brieftauben. Zudem durfte jedes Kind eine Taube in den Händen halten und sie in den Himmel steigen lassen.

Brieftauben finden nur den Weg nach Hause

Konzentriert sitzen die Primarschüler am Gartentisch und schreiben ihren Namen auf ein Zettelchen, das sie zuvor vom Taubenzüchter bekommen haben. Anschliessend stecken sie dieses in die sogenannte Meldehülse, die am Bein des Tieres befestigt wird. Dann fliegen die Tauben auf – nach Hause zu ihrem Besitzer Ruedi Wild nach Gerschwil bei Lömmenschwil/SG. Ruedi Mosimann betont:

«Brieftauben finden nicht ein Ziel, das man ihnen vorgibt, sondern nur den Weg nach Hause.»

Dies erklärt, warum der Züchter die Brieftauben von seinem Kollegen losschickt und nicht seine eigenen. Die Brieftauben benötigen für die ungefähr zehn Kilometer lange Strecke nach Gerschwil etwa zehn Minuten. Dort wird Züchter Wild die Meldehülsen seinen Tauben abnehmen und diese an den Füssen von Mosimanns Brieftauben anbringen. Denn diese warten bereits bei Ruedi Wild auf ihren Heimflug nach Zihlschlacht.

Ausgeprägter Orientierungssinn

Ruedi Mosimann erzählt, dass Brieftauben einen ausgeprägten Orientierungssinn hätten und immer den direkten Weg nach Hause fänden. «Sie können sich am Erdmagnetfeld orientieren und bestimmen aufgrund des Sonnenstandes die Himmelsrichtungen», führt er aus.

Der Hobbyzüchter weiss, dass Brieftauben sogar heute noch als Übermittler wichtiger Mitteilungen eingesetzt werden. «Beispielsweise für den Transport von Gewebeproben oder Blut zwischen einem Spital und einem Labor.» In englischen Grossstädten mit verstopften Strassen sei dieser Transport der schnellstmögliche Weg.

Nebenbei erzählt Ruedi Mosimann den Kindern mit einem Schmunzeln:

«Als ich so alt war wie ihr, hatten wir daheim noch kein Telefon. Telefonieren konnten wir damals nur im ‹Quartierlädeli›.»

Das sei vor etwa 70 Jahren gewesen. Telefonieren lernen sei dazumal sogar ein Schulfach gewesen. «Wir mussten lernen, wie man Telefonate richtig führt.»

Inzwischen kreisen sie am Himmel – Mosimanns Brieftauben sind zurück aus Gerschwil.

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