Swiss League
Mit Ach und Krach direkt ins Playoff: Der HC Thurgau erreicht sein grosses Ziel

Der HC Thurgau kostet den Spannungsbogen voll aus, gewinnt sein letztes Qualifikationsspiel gegen Olten 4:3 nach Penaltyschiessen und verteidigt damit Platz sechs in extremis. Es ist der Lohn für einen pausenlosen, kämpferischen Einsatz. Im Playoff-Viertelfinal wartet ab dem 17. März der SC Langenthal.

Matthias Hafen
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Dominic Hobi (auf dem Knie) bejubelt seinen Treffer zum 3:2 und wird von den Teamkollegen gefeiert.

Dominic Hobi (auf dem Knie) bejubelt seinen Treffer zum 3:2 und wird von den Teamkollegen gefeiert.

Bild: Claudio Thoma/Freshfocus

Der HC Thurgau machte es spannend. Zu spannend eigentlich. Doch am Ende war das Ziel erreicht, die direkte Qualifikation fürs Playoff geschafft. Die Mannschaft des Trainerduos Mair/Winkler besiegte im entscheidenden Spiel in der Güttingersreuti den EHC Olten 4:3 nach Penaltyschiessen. Dabei spielte der Ausgang in der Overtime keine Rolle mehr. Denn mit dem einen Punkt nach 60 Minuten hielt sich der HCT die Konkurrenten Visp und La Chaux-de-Fonds bereits vom Leib. Dies dank der Schützenhilfe von Ajoie, das Visp ebenfalls in die Verlängerung zwang und vor allem dank Kloten, das La Chaux-de-Fonds nach 60 Minuten besiegte (und den Qualifikationssieg holte).

Das Hitchcock-Finale mit bangem Blick auf den Totomat hätten sich die Thurgauer ersparen können, wenn sie in den Schlusssekunden dichtgehalten hätten. Doch 49 Sekunden vor Ende der Partie vergaben sie zum wiederholten Mal in diesem Qualischlussspurt die Playoff-Teilnahme aus eigener Kraft. Bei 59:11 schaffte Oltens Dion Knelsen das Unmögliche und erzielte mittels Shorthander (!) den 3:3-Ausgleich. Dieses Tor in Unterzahl sicherte Olten definitiv Platz fünf. Und der HCT wurde dafür bestraft, dass er das Powerplay in den Schlusssekunden einzig dazu nutzte, um auf Zeit zu spielen.

Der HC Thurgau geht dreimal in Führung

Diese bittere Note wird dem Auftritt des HC Thurgau überhaupt nicht gerecht. Denn zuvor lieferten sich die Ostschweizer mit den Oltnern einen offenen Schlagabtausch über drei Drittel, bei dem der Puls nie zur Ruhe kam. Das letzte Qualifikationsspiel der beiden Kontrahenten hatte bereits die Intensität eines Playoff-Fights. Und jeder Treffer wurde bejubelt, als hätte er eine Serie entschieden.

Dreimal ging Thurgau in Führung – das war alles andere als Zufall. Das Team in Grün-Gelb kam entschlossen aus der Kabine, gab dem weitaus besser bestückten Gegner von Anfang an den Tarif durch. Fabio Hollenstein lenkte schon nach drei Minuten einen Puck ins Oltner Tor, den Jonathan Ang zuvor mit einem Energieanfall zurückerobert hatte. Doch auf jeden Thurgauer Treffer fiel auch ein Gegentreffer – kurz vor der ersten Drittelspause das 1:1 durch Mason McTavish.

Treffer zum 2:1: Thurgaus Adrian Wetli hatte Oltens Goalie Silas Matthys die Sicht genommen und dafür gesorgt, dass Patrick Brändlis Weitschuss ungehindert ins Tor segelte.

Treffer zum 2:1: Thurgaus Adrian Wetli hatte Oltens Goalie Silas Matthys die Sicht genommen und dafür gesorgt, dass Patrick Brändlis Weitschuss ungehindert ins Tor segelte.

Claudio Thoma/Freshfocus

Statt 2:1 durch Loosli setzt es eine Teamstrafe ab

Im Mitteldrittel wurde Janik Loosli das 2:1 aberkannt (27.), weil der HCT angeblich zu viele Spieler auf dem Eis hatte. Es kamen Diskussionen auf, weshalb ausgerechnet für dieses Spiel ein Head-Schiedsrichter aufgeboten wurde, der von 2015 bis 2017 Captain des EHC Olten war, und ein Assistent, der der Bruder von Oltens Verteidiger Nico Gurtner ist. Doch die Referees pfiffen unparteiisch. Und der HCT liess sich nicht aus dem Tritt bringen. Das 2:1 besorgte gut sechs Minuten später Patrick Brändli. Sein Weitschuss segelte ungehindert ins Tor, weil Adrian Wetli Oltens Goalie Silas Matthys die Sicht verdeckt hatte.

Diesmal dauerte es nur gut zwei Minuten, ehe der Gleichstand wieder hergestellt war. Jewgeni Schirjajew nutzte einen Ausschluss gegen Martin Ness, der am Bully zweimal zu früh eingegriffen hatte. In der 56. Minute brachte Dominic Hobi den HCT erneut in Führung. Sein Backhand-Treffer zum 3:2 war der Lohn für viel Rackerei. Das Hin und Her zwischen Thurgau und Olten, der verbissene Kampf der beiden Teams war etwas vom Besten, was die Swiss League zu bieten hatte.

Oltens Cyril Oehen scheitert im Penaltyschiessen an Thurgaus Goalie Nicola Aeberhard wie alle anderen Oltner Schützen auch.

Oltens Cyril Oehen scheitert im Penaltyschiessen an Thurgaus Goalie Nicola Aeberhard wie alle anderen Oltner Schützen auch.

Claudio Thoma/Freshfocus

Als Tabellensechster kommt Thurgau um das Pre-Playoff herum. Statt eine ungemütliche Best-of-3-Serie gegen die Ticino Rockets zu bestreiten, kann sich das Team in den nächsten Tagen in Ruhe auf das Playoff gegen den Tabellendritten Langenthal vorbereiten. Das beginnt am Mittwoch, 17. März.

Thurgau – Olten 4:3 n. P. (1:1, 1:1, 1:1)

Güttingersreuti, Weinfelden – SR Massy/Hürlimann, Gurtner/Bichsel.
Tore: 4. Hollenstein (Ang) 1:0. 19. McTavish (Fuhrer, Fogstad Vold) 1:1. 33. Brändli (Scheidegger) 2:1. 36. Schirjajew (Knelsen/Ausschluss Ness) 2:2. 56. Hobi (Ness, Janik Loosli) 3:2. 60. (59:11) Knelsen (Nunn/Ausschluss Philipp Rytz!) 3:3.
Penaltyschiessen: Hobi 1:0, Oehen –; Janik Loosli 2:0, Weder –; Brändli –, McTavish –; Ang –, Othmann –.
Strafen: 3-mal 2 Minuten gegen Thurgau, 3-mal 2 Minuten plus 10 Minuten (Philipp Rytz) gegen Olten.
Thurgau: Aeberhard; Brennan, Soracreppa; Wildhaber, Parati; Scheidegger, Molina; Fechtig; Hollenstein, Rundqvist, Ang; Bischofberger, Hobi, Janik Loosli; Wetli, Brändli, Rehak; Hinterkircher, Ness, Spannring; Baumann.
Olten: Matthys; Stämpfli, Lüthi; Elsener, Philipp Rytz; Maurer, Heughebaert; Gurtner; Horansky, Knelsen, Nunn; Othmann, Schirjajew, Wyss; McTavish, Fuhrer, Fogstad Vold; Weder, Schwab, Oehen; Halberstadt.
Bemerkungen: Thurgau ohne Hulak, Moor, Moser, Mosimann, Schmuckli (alle verletzt), Fritsche, Kellenberger, Lanz, Schmutz, Schnyder (alle überzählig) und Michael Loosli (Rapperswil-Jona/NLA). Olten ohne Hüsler, Portmann, Rexha, Schwarzenbach und Weisskopf (alle verletzt). – 20. Pfostenschuss Knelsen. – 27. Tor von Janik Loosli aberkannt, weil zu viele Spieler auf dem Eis. – 57:28 Time-out Thurgau.

Playoff-Viertelfinals (best of 7/ab 17. März): Kloten (1.) – Zweiter Sieger Pre-Playoff. Ajoie (2.) – Erster Sieger Pre-Playoff. Langenthal (3.) – Thurgau (6.). Sierre (4.) – Olten (5.).
Pre-Playoff (best of 3/ab 10. März): Visp (7.) – Ticino Rockets (10.). La Chaux-de-Fonds (8.) – GCK Lions (9.).