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Millionenschulden eines Wirts: Die Stadt Arbon nimmt sich aus der Verantwortung

Ein Gläubiger des Jacks Pub wirft der Stadtverwaltung vor, von den Schulden des Pächters gewusst zu haben. Diese dementiert.
Marco Cappellari
Das Jacks Pub ist seit Anfang September geschlossen. (Bild: Marco Cappellari)

Das Jacks Pub ist seit Anfang September geschlossen. (Bild: Marco Cappellari)

Eine Million Franken Schulden hat Wirt S. A.*, der bis vor kurzem das Jacks-Pub in Arbon führte, angehäuft. Er stehe dazu, sagt er. Sie seien aber nicht in Arbon entstanden. Letzte Woche gab er das Patent zurück. Die Medienberichte hätten den Ausschlag gegeben. «Ich bin regelrecht an den Pranger gestellt worden», sagt A. Allerdings habe das Ganze das Ende nur beschleunigt: «Ich hatte sowieso seit Frühling vor, das ‹Jacks› auf Ende September zu schliessen.» Überrascht habe ihn, dass die Stadt die Rückgabe seines Patents in einer Medienmitteilung öffentlich gemacht hat.

Publik geworden waren seine finanziellen Probleme Ende August. Zu A.s Gläubigern gehören nicht nur der Bund sowie die Kantone Thurgau und St.Gallen, sondern auch die Stadt Arbon. Diese musste sich den Vorwurf gefallen lassen, nicht eingegriffen zu haben. Wie viel hat die Stadt gewusst?

Tausende Franken Schulden

Thomas Marty ist Gläubiger von A. Er sagt, A. schulde ihm noch einen fünfstelligen Betrag. Und er sagt auch: Peter Wenk, Leiter der Abteilung Einwohner und Sicherheit, sei über A.s Schulden und Zahlungsschwierigkeiten im Bild gewesen. Marty war selbst Geschäftsführer des «Jacks», einige Zeit bevor A. das Lokal im November 2013 übernahm. Später sei er von November 2014 bis Mitte 2015 bei A. im «Jacks» angestellt gewesen. Aus dieser Zeit würden auch die Schulden stammen, die A. bei ihm hat – wegen ausstehender Sozialleistungen.

Wenk von der Stadt Arbon widerspricht dem Vorwurf: «Die Stadt hat von den Schulden des A. nichts gewusst.» Ansonsten hätte die Stadt natürlich handeln müssen. A. sei aber ein «mühsamer Zahler» gewesen, wie Wenk es ausdrückt. Ein, zwei Mal habe er ausstehende Alkoholtaxen persönlich im Lokal abholen müssen. Auch die eine oder andere Mahnung habe ausgestellt werden müssen, dies komme aber immer wieder auch bei anderen Patentnehmern vor.

Thomas Marty hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Bereits als er noch für A. gearbeitet hat, sei es häufiger vorgekommen, dass dieser seine Rechnungen nicht rechtzeitig bezahlt habe. «Einmal ist ein Mitarbeiter von Arbon Energie mit dem roten Zettel ins Lokal gekommen, um den Strom abzustellen, woraufhin ich die offene Rechnung aus der Kasse bezahlen musste», sagt Marty. Auch Zahlungsverzüge bei der Alkoholsteuer bestätigt er. «Peter Wenk hat mich in einem Fall persönlich aufgefordert, A. zur Zahlung der ausstehenden Steuerrechnung zu bewegen», sagt Marty.

Auszug vom Betreibungsregister nicht nötig

Um ein Patent für einen Gastronomie-Betrieb zu erhalten, ist kein Betreibungsregister-Auszug nötig. Das Gesuchsformular ist auf der Website der Stadt Arbon aufgeschaltet. Der Thurgau habe aber strenge Auflagen für die Erteilung eines Wirtepatents, wie Peter Wenk sagt. So müssen Antragsteller beispielsweise einen kantonalen Fähigkeitsnachweis erbringen, entweder vom Kanton Thurgau oder von einem anderen Kanton, oder von einer entsprechenden Fachschule. (mac)

Wirt S. A. nimmt die Stadt in Schutz. «Wenk hat von meinen Schulden nichts gewusst», sagt er. Andererseits hinterfragt er aber die Vergabepraxis bei Wirte­patenten. «Es gibt viele Bar- und sogar Restaurationsbetriebe in Arbon, die nur über ein Kiosk-Patent verfügen.» Er kenne keine andere Gemeinde, in der das möglich sei.

Zu den Vorwürfen zur Patentvergabepraxis der Stadt sagt Wenk: «Es stimmt nicht, dass in Arbon Bars und Restaurants mit mehr als 20 Sitzplätzen nur über Kioskpatente verfügen.» Dies seien Gerüchte, die von einer gewissen Gruppe in die Welt gesetzt würden. Diese Gruppe stamme nicht aus dem Gastrobereich. Vielmehr handle es sich um Anwohner, die sich an den Geruchsemissionen aus einem Restaurant stören. «Mehr darf ich nicht sagen.» Er stellt klar: «In Arbon gibt es keinen Gastronomiebetrieb, der nicht über die nötigen Voraussetzungen für ein Patent verfügt». Gesuchstellende für ein Patent würden künftig in Bezug auf die Zahlungszuverlässigkeit aber sensibler überprüft.

Massives Drogenproblem

Laut A. gebe es noch ein zweites grosses Problem in der Arboner Gastroszene. Nicht nur, dass viele Betriebe in finanziellen Schwierigkeiten seien, «an vielen Orten werden Drogen konsumiert», sagt er. Zwar gebe es diese überall, «in Arbon ist das Problem aber massiv». Und er stellt klar: «Ich rede nicht von einigen Kiffern, ich rede von Koks.»

Die Geschichte rund um das «Jacks» hat hohe Wellen geworfen, und hat es mittlerweile bis ins Stadtparlament geschafft. CVP-Parlamentarier Luki Auer nahm die Berichterstattung zum Thema zum Anlass, an der Stadtparlamentssitzung von Dienstag einen Fragenkatalog zur Arboner Gastroszene im Allgemeinen einzureichen. In dieser hinterfragt er die Vergabepraxis von Patenten im Arboner Gastgewerbe. Und wie geht es mit S.A. weiter? Der ehemalige Wirt kündigt an, die Branche zu wechseln. «Ich verabschiede mich von der Gastronomie.»

Hinweis: *Name der Redaktion bekannt.

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