Michaela Schweizer will neue Wege auf dem Rücken der Pferde gehen

Michaela Schweizer hat in Berg einen Verein gegründet, mit dem sie durch Reittherapie Familien unterstützen will. Speziell am Angebot ist der ganzheitliche Ansatz.

Sabrina Bächi
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Michaela Schweizer mit Kindern, die in einer Reittherapie betreut werden.

Michaela Schweizer mit Kindern, die in einer Reittherapie betreut werden. 

(Bild: Andrea Stalder)

Michaela Schweizer ist schon viele Wege gegangen. Nun aber hat sie sich entschlossen, einen zu gehen, an dem sie Freude hat und mit dem sie Gutes bewirken kann. Deshalb hat sie den Verein «speziell-genial» gegründet. Derzeit bietet dieser Reittherapien an, doch sie will mehr für die Menschen tun, als nur punktuell zu unterstützen.

Sie will einen Ort erschaffen, an dem Menschen den Weg zu sich selber finden können. Als ausgebildete Reittherapeutin ist Michaela Schweizer überzeugt von der positiven Wirkung der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Pferd.

Für Menschen mit besonderen Bedürfnissen

Vertrauen auf das Pferd ist wichtig.

Vertrauen auf das Pferd ist wichtig.

(Bild: Andrea Stalder)

Die Bergerin will Menschen mit besonderen Bedürfnissen, etwa ADHS oder körperliche oder geistige Beeinträchtigungen, nicht punktuell, sondern ganzheitlich fördern und unterstützen. Als Mutter eines Kindes mit ADHS kennt sie die damit verbundenen Schwierigkeiten in der Schule und auch in der Familie.

«Alle sind am Limit und festgefahrene Verhaltensmuster können nicht aufgelöst oder durchbrochen werden»

sagt Michaela Schweizer. Sie findet, Familien seien oft auf sich alleine gestellt. Eine Auszeit gebe es für diese fast nicht, Unterstützung fehle an vielen Orten.

Hier setzt der Verein an. Mit einer Freundin, die ebenfalls Reittherapeutin ist, will sie ihre Vision umsetzen: Ein Förderzentrum, in dem die Betreuung auch ganztägig und vielleicht auch wochenweise möglich ist.

«Es soll eine Oase für Mensch und Tier sein.»

Das, sagt Michaela Schweizer, wäre in der Schweiz einzigartig. Um Familien zu unterstützen oder Kindern die Zeit zu geben, Kraft tanken zu können, müsse man das ganze Umfeld miteinbeziehen. «Ganzheitliches Denken und Handeln ist sehr wichtig», sagt sie. Nur so könne man die kräftezehrenden Verhaltensmuster durchbrechen. Die Reittherapie sei dafür besonders geeignet, «gerade für verhaltens-originelle Kinder, wie ich auch eines habe».

Die Reittherapie gibt Selbstvertrauen

«Ein Pferd ist wie ein Spiegel», sagt Schweizer, denn es verfüge über eine sehr feine Wahrnehmung und reagiere deshalb sofort und unverblümt auf das Verhalten der Menschen. «Ein Pferd verlangt nach klarer und vertrauensbasierter Führung.» Wer scheu oder grob mit ihm umgeht, bekomme das zu spüren. Pferde seien zudem sehr geduldig und verzeihen Fehler.

«Es gibt auch Selbstvertrauen, wenn ein Kind plötzlich merkt, dass das Pferd, mit der richtigen Führung, Kommandos akzeptiert.»

Begeistert spricht sie von der Reittherapie. Die Nachfrage sei gross, denn die Therapie erlaube eine Auszeit und das Getragenwerden vom Pferd eine der ursprünglichsten Beziehungserfahrungen. «Die Körperwärme vermittelt zudem Geborgenheit», sagt Schweizer. Die Möglichkeiten seien sehr vielfältig und können so auf die unterschiedlichsten Bedürfnisse angepasst werden.

Weit mehr als nur reiten

Schweizer denkt dabei nicht nur an verhaltens-originelle Kinder, auch geistig oder körperlich beeinträchtige Menschen können so zu neuen Wegen aufbrechen. «Zudem hat es eben nicht nur einen Therapiecharakter. Gerade für Kinder ist es eine unbeschwerte Umgebung. Wir gehen reiten, pflegen das Pferd und machen Aktivitäten in der Gruppe.»

Um ihre Vision des Förderzentrums zu verwirklichen, braucht sie jedoch den geeigneten Hof. Danach sucht sie derzeit. «Dann», sagt Michaela Schweizer, «können wir Reitlager anbieten und Kinder für eine Auszeit von der Schule oder der Familie betreuen.» Derzeit ist das nur beschränkt möglich.

Investoren für den neuen Verein

Doch sie arbeitet daran, den Weg zu ihrem Traum zu finden. Unterstützung erhält sie dabei auch von der Organisation pro Arbeit AG. Auch auf Gönner und Investoren ist der Verein angewiesen, denn das Ziel sei es, die Angebote und Fördermassnahmen auch sozial schwächeren Familien zugänglich zu machen. Es ist ein neuer Weg, den Michaela Schweizer beschreitet. Wohin er führen soll, ist klar, aber es ist noch ein Stück zu gehen, bis dorthin.

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