Bodensee
Ende April sollen auf der Fähre Euregia ab Romanshorn erste Rockkonzerte stattfinden – trotz Corona

Bald Metal und Rock auf dem Bodensee? Ende April sollen auf der Euregia erste Rockkonzerte stattfinden. Und im Juni ist ein zweiter Anlass geplant. Die Fähre fährt ab Romanshorn. Der Veranstalter ist zuversichtlich.

Patrizia Legnini
Merken
Drucken
Teilen
Auf der Fähre Euregia soll es im April und Juni Konzerte geben.

Auf der Fähre Euregia soll es im April und Juni Konzerte geben.

Reto Martin

Daniel Oppliger aus dem zürcherischen Wetzikon plant derzeit auf dem Bodensee Rockkonzerte. Seine «Swiss Rock Cruise» soll auf der Fähre Euregia ab Romanshorn stattfinden, wie der Zürcher Oberländer am Donnerstag berichtet.

Im Moment sieht es danach aus, dass ab Ende März wieder Konzerte stattfinden können – draussen gälte eine Obergrenze von 150 Personen. Oppliger ist zuversichtlich:

«Wir denken, dass es mit den entsprechenden Auflagen klappen kann.»

Der 53-jährige Wetziker organisiert mit seinem Team zwei Musikveranstaltungen: ein Metal-Weekend, das schon Ende April stattfinden soll, und ein Rock-’n’-Roll-Weekend, das für Ende Juni geplant ist. «Das Line-up für beide Anlässe steht», sagt Oppliger.

Sechs Konzerte an zwei Tagen

Während im Juni unter anderen eine Frauenrockband aus Schweden mit dabei ist, stehen im April Konzerte von Heavy-Metal- und Trash-Bands aus Deutschland, Ungarn, Österreich und der Schweiz auf dem Programm – sechs Konzerte sollen insgesamt an den zwei Tagen über die Bühne gehen, und zwar nicht auf festem Boden, sondern auf einer Fähre, die in Romanshorn ablegt.

Daniel Oppliger: «Eigentlich würden wir gerne 450 Leute aufs Schiff bringen»

Die «Swiss Rock Cruise» findet nicht zum ersten Mal statt. Die Premiere konnte Oppliger im letzten Oktober durchführen, wegen Corona aber «unter sehr schwierigen Umständen», wie er sagt. Ein weiteres Problem war, dass drei Wochen zuvor auf derselben Bodensee-Fähre zwei grosse Technopartys stattgefunden hatten, wo um die 700 Feierfreudige ohne Maske feierten. Der Veranstalter wurde in der Folge von den Thurgauer Behörden verzeigt, in der Öffentlichkeit echauffierten sich viele über die Feierlaune der Gäste auf der Fähre.

Die Negativschlagzeilen über den anderen Veranstalter kamen für Oppliger zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Auf eine Maskenpflicht verzichtete dann aber auch er anlässlich des ersten «Swiss Rock Cruise»-Weekends. In seinem Schutzkonzept, das er mit den Behörden des Kantons Thurgau erarbeitet hatte, setzte er stärker auf Social Distancing. «Mit etwa 120 Personen pro Tag hatten wir etwas weniger Publikum an Bord als erhofft. Die Corona-Zahlen waren am Steigen, die Leute hatten Angst. Nur eine Woche später hätten Konzertbesucher aus Deutschland gar nicht mehr einreisen können, und wir hätten die Fahrt aufgrund der behördlichen Bestimmungen abblasen müssen.»

Die Stimmung auf der Fähre sei dann trotz allem grossartig gewesen. Während es auf dem Oberdeck Sitzplätze und Verpflegungsmöglichkeiten gab, spielten die Hauptacts auf dem Fahrbahndeck. «Wir konnten die Crème de la Crème der Schweizer Rockszene aufbieten.» Als Special Guest war Marc Storace, der Sänger der Schweizer Rock-Band Krokus, zugegen.

Im Oktober des letzten Jahres begrüsst Daniel Oppliger, Managing Director Swiss Rock Cruise (r), Marc Storace von Krokus an Bord.

Im Oktober des letzten Jahres begrüsst Daniel Oppliger, Managing Director Swiss Rock Cruise (r), Marc Storace von Krokus an Bord.

Donato Caspari

Die Rundfahrt auf dem Bodensee vom Oktober war eine Alternativlösung. Ursprünglich hatte er für den März letzten Jahrs eine Kreuzfahrt mit Rockmusik im Mittelmeer geplant, nach dem Vorbild der «Monsters of Rock Cruises», die zwischen Miami und der Karibik durchgeführt werden und von denen Oppliger selber schon mehrere miterlebt hat:

«Man ist da fünf Tage auf See, sitzt mit den Musikern zusammen an der Bar. Eine sehr coole Sache.»

Dass seine Cruise, die in Genua mit rund 2500 Leuten hätte starten sollen, am Ende nicht stattfinden konnte, hat Oppliger eine Weile betrübt. «Aber sobald eine gewisse Planungssicherheit besteht, werden wir das Projekt wieder aufnehmen.» Trotzdem haben Oppliger und seine Leute sich bald nach Möglichkeiten umgesehen, die Cruise auf einem Binnengewässer im Land durchzuführen. Und bei der BSB Bodensee-Schiffsbetriebe seien sie zum Glück sofort auf offene Ohren gestossen.

Daniel Oppliger: «Der Anlass ist auch für den Tourismus interessant. Innerhalb von zwei Wochen hatten wir die Bewilligung.»

Mit den «Swiss Rock Cruises» wollen sie nicht zuletzt ein Zeichen für die Unterstützung der lokalen Musikindustrie, von Künstlern und Technikern, aber auch der lokalen Hotels, der Restaurants und der Schifffahrt setzen. Dass Oppliger mit allen Partnern schon im vergangenen Herbst Corona-Klauseln aushandeln konnte, kommt ihm auch jetzt zugute. «Das Risiko, im dümmsten Fall auf enormen Kosten sitzen zu bleiben, ist klein. Sie legen uns da zum Glück keinen Strick um den Hals.»