Meinungsaustausch zur Vaterschaft: Die Männer haben Schiss

Im Rahmen der Sommerlounge organisierten die Ortsparteien Weinfeldens die Diskussionsveranstaltung zur Vaterschaft.

Sabrina Bächi
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Das Ehepaar Feldmann erzählt von den Herausforderungen in ihrem Alltag mit Kindern und Teilzeit-Arbeit. (Bild: Sabrina Bächi)

Das Ehepaar Feldmann erzählt von den Herausforderungen in ihrem Alltag mit Kindern und Teilzeit-Arbeit. (Bild: Sabrina Bächi)

Vaterschaft – Vater schafft – Vater ist geschafft. Die Veranstaltung «VaterSchafft» anlässlich der Sommerlounge in Weinfelden zog knapp 30 Zuhörer an. Wer denkt, bei diesem Thema vor allem Väter vorzufinden, der irrt. Vor Ort sind hauptsächlich Ehepaare. OK-Mitglied Simon Wolfer begrüsst die Anwesenden und hält fest: «Es ist kein Podium, es soll ein Meinungsaustausch sein.» Auch die beiden Moderatoren Christina Kind und Markus Wiedmer legen Wert darauf.

Es sei keine politische Veranstaltung, sondern ein Gespräch.
«Wir wollen sie herzlich dazu einladen, mit uns ins Gespräch zum Thema Vaterschaft zu kommen», sagt Kind, die eine Elterncoaching-Praxis betreibt. Wiedmer legt dann die Fakten auf den Tisch. «Nur in sieben Prozent der Schweizer Haushalte arbeiten beide Elternteile Teilzeit», erklärt er. Ein Modell, das wohl von vielen gewünscht, aber praktisch nicht umgesetzt werde.

Ein grosser Teil der Veranstaltung bestreitet das Ehepaar Feldmann. Beide arbeiten mit zwei Kindern Teilzeit. Sie bei einem 60-Prozent-Pensum, er mit 80 Prozent. Sie erzählen aus ihrem Alltag und von den Schwierigkeiten der Organisation beispielsweise wenn ihre Kinder krank sind. «Unsere Familie ist wie ein Logistikunternehmen», sagt Stefan Feldmann. Auch die Weinfelder Unternehmer Katja Meier und Franz Koller kennen die Herausforderungen von Mitarbeitern, die Teilzeit arbeiten, weil sie Eltern sind.

Teilzeitarbeiter sind mehrheitlich Frauen

Doch schon bald ist klar: Diskutiert wird viel mehr über Mitarbeiterinnen. Franz Koller leitet in seiner Generalagentur der Mobiliar ein Team bei dem die Teilzeitler alles Frauen sind. «Ich hatte einige Bewerbungsgespräche mit Männern in letzter Zeit. Da wurde nicht einmal nach einem Teilzeit-Arbeitsmodell gefragt, geschweige denn von Vaterschaftsurlaub gesprochen», sagt Koller.
Katja Meier findet schliesslich klare Worte: «Mein Mann muss sich manchmal blöde Sprüche anhören, weil er zwei Tage die Woche zu Hause ist und zu den Kinder schaut. Ich glaube die Akzeptanz in der Gesellschaft fehlt immer noch.» Die Publikumsreaktion zeigt: viele kennen das.

Barbara Dudli, Beraterin bei der Perspektive Thurgau, bringt es auf den Punkt: «Es geht um Wertschätzung in beide Richtungen.» Frauen müssten nach der Geburt eines Kindes oft damit klarkommen, dass sie beruflich zurückgestuft werden. Deshalb sei es wichtig, die Frauen auch zu unterstützen. Ein individueller Lösungsansatz wie der flexible Vaterschaftsurlaub könnte da eine Möglichkeit sein.

«Wichtig ist, dass der Vater Kontakt zum Kind aufbauen kann», sagt sie.

Doch genau da liegt der Hund begraben. Langsam kristallisiert sich in der Diskussion heraus, dass es beim Thema «VaterSchafft» hauptsächlich um die müden Mütter geht, um Gleichberechtigung und um den gesellschaftlichen Wandel. «Frauen haben etliche Männerdomänen längst erobert. Wir Männer aber scheuen uns immer noch davor, es denn Frauen gleichzutun», sagt Martin Wassmann, der im Publikum sitzt. Beruf und Familie – für Frauen längst Realität.

Eine unheilige Allianz

Und für die Männer? Sie nehmen gleich selbst Stellung dazu. Beat Curau sagt: «Die Arbeit mit Kindern ist anspruchsvoll. Ich denke, Männer kommen damit an ihre Grenzen.» Wassmann vermutet gar eine unheilige Allianz zwischen Männern und der Wirtschaft: «Sie bestärken sich gegenseitig im Glauben, Teilzeitarbeit verkompliziere alles.»
Beim Thema Vaterschaftsurlaub driftet die Diskussion schliesslich vollends ins politische ab.

Während Unternehmer Beat Curau froh wäre, wenn Vaterschaftsurlaub im Gesamtarbeitsvertrag geregelt würde, meint Franz Koller, dass die Politik sich da nicht einzumischen habe. «Eltern sollten das mit den Arbeitgebern ausmachen, wie viel Urlaub sie erhalten», sagt Koller. «Hier muss ich klar widersprechen», interveniert Heidi Güttinger, «wenn man es nur so regeln würde, dann hätten wir nicht einmal den Mutterschaftsurlaub.» Fürs Militär sei es ja auch möglich, dass Männer mehrere Wochen abwesend seien.

Nach einem Ruf nach Abschaffung des Militärs beenden die Veranstalter den Meinungsaustausch. Eine Diskussion geht damit zu Ende, die eigentlich nicht politisch hätte sein sollen, es aber dennoch war und eine, die zeigt: die Gesellschaft hat Nachholbedarf. Passend dazu wurden an die Redner Geschenke im klassischen Stil verteilt: Wein für die Männer, Blumen für die Frauen.