Mehr Transparenz, mehr Offenheit: Der Wandel des Lengwiler Ekkharthofs widerspiegelt sich in den neuen Gebäuden

Mit der letzten Versammlung des Bauausschusses ist die Umbauzeit im Heim zu Ende gegangen - eine Million günstiger als budgetiert.

Inka Grabovsky
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Institutionsleiter Jürg Bregenzer und Präsident Walther Hugentobler im Eingangsbereich der Turnhalle.

Institutionsleiter Jürg Bregenzer und Präsident Walther Hugentobler im Eingangsbereich der Turnhalle.

Bild: Andrea Stalder

Offen und einladend präsentiert sich der Ekkharthof, die Heil- und Bildungsstätte für geistig beeinträchtigte Kinder und Erwachsene, nach dem Umbau. Der Bauausschuss überzeugte sich bei einer feierlichen letzten Sitzung in Lengwil vom Erfolg der Massnahmen, die in den vergangenen drei Jahren aus einer nahezu abgeschotteten Institution einen öffentlichen Ort gemacht haben.

Wie eine Wagenburg im Wilden Westen sei der Ekkharthof vor 46 Jahren gebaut worden, konstatierte Architekt Lukas Imhof. Jürg Bregenzer, der Vorsitzende der Institutionsleitung, sagt:

Jürg Bregenzer, Leiter Ekkharthof.

Jürg Bregenzer, Leiter Ekkharthof.

Bild: Andrea Stalder
«Heute brauchen wir aber den Kontakt zwischen unseren seelenpflegebedürftigen Leuten und der Aussenwelt.»

Offenheit wurde als oberste Prinzip für die Erneuerung von Schule, Wohnheim und Werkstätten ausgerufen. «Hier gab es früher keinen Empfang, weil man Besucher gar nicht erwartete», sagt Imhof im neuen Foyer, in dem auch der Bioladen untergebracht ist.

Grosser Platz für Märkte oder den Weihnachtsbaum

Vor der Haustür erstreckt sich ein grosser Platz für Märkte, Schlittschuhlauf oder den Weihnachtsbaum. Das Gastrogebäude Cantina zeigt exemplarisch, wie transparent der Ekkharthof ist. Grosse Glasflächen und leichte Holzstreben wechseln sich ab. Ans Schulgebäude angebaut ist nun auch eine neue Turnhalle. Deren Eingangsbereich ist elf Meter hoch und mit 22 Farben aufwendig gestaltet. «Das ist das Speziellste, das wir haben realisieren dürfen», sagt Imhof. «Die Kapelle» habe das Architektenteam den Raum genannt. «Der Turm» heisse er bei den Ekkharthof-Nutzern.

Neun Teilprojekte machen die Gesamterneuerung aus. Wenig sichtbar sind Verbesserungen der Infrastruktur. Die Heizung, die etwa 800 Räume mit Fernwärme aus Holzschnitzeln versorgt, wurde erneuert. Und die Brandschutzvorrichtungen wurden mit hohem technischem Aufwand den heutigen Bestimmungen angepasst. Sollte es brennen, verhindern automatisch schliessende Türen eine Ausbreitung des Feuers. Ein Ventilator sorgt für einen Überdruck im Treppenhaus, sodass dieser Fluchtweg nie von Rauch erfüllt sein wird.

Zuerst wollte man nur die Küche vergrössern

2017 begannen die Arbeiten, die nun für abgeschlossen erklärt wurden. Geplant wurden sie seit 2004. «Damals wollten wir nur die Küche vergrössern», sagt Bregenzer. Das überschaubare Projekt verzögerte sich mehrfach, sodass 2010 mit einer Machbarkeitsstudie gezeigt wurde, wie man Renovierungen «an diversen Ecken und Kanten» durchführen könnte. 2014 gab es einen Architekturwettbewerb, in dem Imhofs Projekt überzeugte. 2017 sagte der Kanton zu, rund neunzig Prozent der Baukosten zu übernehmen. Bregenzer erzählt:

«Wir hatten unser Projekt auf 24,5 Millionen abgespeckt.»

Vereinbart wurde, dass es etwas über 21 Millionen Subventionen gäbe, wenn der Ekkharthof rund drei Millionen per Fundraising aufbringen würde. Die nun vorgelegte Endabrechnung weist Kosten von 23,5 Millionen Franken aus – eine Million unter dem Budget. Da rund tausend grosse und kleine Spender zwei Millionen an Eigenmitteln aufgebracht haben, geht die Rechnung auf.

Die neue Cantina, das Gastrogebäude.

Die neue Cantina, das Gastrogebäude.

Bild: Andrea Stalder

Architekt Lukas Imhof hatte während der Bauzeit Gelegenheit, einen genauen Blick auf die Arbeit seines Vorgängers zu werfen, der 1974 die Gebäude erstellt hatte. Einiges findet er heute noch gelungen: «Dazu gehören der grosse Dachüberstand am Haupthaus oder das Heizungshaus, das mit seinem Kamin zum weit sichtbaren Wahrzeichen geworden ist.» Anderes sei völlig aus der Zeit gefallen. «Die Begründerin wollte Stufen einsetzen, um zu vermeiden, dass Menschen, die nicht laufen können, zusammen behandelt werden mit Menschen mit geistiger Beeinträchtigung. Es ist ein Denkfehler, dass geistige und körperliche Behinderungen sich nicht ausschliessen.»

Einst waren die Stufen bewusst geplant

Heute also ist der Ekkharthof barrierefrei. Rollstuhl, Kinderwagen und Trottinetts der Kinder finden überall eine Rampe. Unverständlich findet der Architekt auch, dass die Fenster in den Schulzimmern so hoch angeordnet wurden, dass Schüler nicht hinausschauen konnten. «Offenkundig ging der Planer davon aus, dass die Konzentration der Kinder auf diese Weise besser ist», sagt er kopfschüttelnd.

«Es waren Zeiten, in denen man noch von Schützlingen sprach statt von Klienten», ergänzt Jürg Bregenzer. Der Umgang mit den derzeit 214 Lernenden und Bewohnern des Ekkharthofs hat sich über die Jahrzehnte ebenso gewandelt wie nun die Architektur.