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400 Angestellte in Arbon betroffen: Mehr Geld für Tieflohnarbeiter

MS Direct und Syndicom haben einen Gesamtarbeitsvertrag vorgestellt. In Arbon sind 400 Mitarbeiter betroffen.
Marco Cappellari
Rund die Hälfte der 400 Mitarbeiter in Arbon kümmern sich bei MS Direct um die Retouren von Zalando. (Bild: Steffen Schmidt/Keystone)

Rund die Hälfte der 400 Mitarbeiter in Arbon kümmern sich bei MS Direct um die Retouren von Zalando. (Bild: Steffen Schmidt/Keystone)

Die Logistikfirma MS Direct beschäftigt in Arbon rund 400 Mitarbeiter. 2017 hat das St.Galler Familienunternehmen ein neues Logistikzentrum in der Stadt gebaut. Rund die Hälfte der Mitarbeiter kümmert sich um die Retourenabfertigung des deutschen Online-Versandhändlers Zalando. Die zumeist weiblichen Mitarbeiter mit Migrationshintergrund sind im Stunden- oder Monatslohn angestellt und arbeiten in Schichten.

Um die Arbeitsbedingungen für die traditionelle Tieflohnarbeit zu verbessern, hat MS Direct zusammen mit der Gewerkschaft Syndicom in der vergangenen Woche einen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) präsentiert. Dieser gilt ab 1.Januar 2020 und garantiert allen Neueinsteigern einen Lohn von 19,65 Franken. Nach sechs Monaten Beschäftigung steigt der Mindestlohn auf 20,52 Franken. Gleichzeitig werden Weiterbildungsmöglichkeiten, primär Deutschkurse, angeboten.

«Wir sind europaweit wohl die ersten in der Fulfillment-Branche, die einen GAV erarbeitet haben», sagt Milo Stössel, Geschäftsführer von MS Direct. Dem Vertrag waren drei Jahre Verhandlungen zwischen der Syndicom und der Logistikfirma vorangegangen. Der GAV scheint von der Belegschaft grundsätzlich begrüsst zu werden.

«Wir sind am Donnerstag an einer Mitarbeiterversammlung darüber informiert worden», sagt eine Mitarbeiterin von MS Direct in Arbon. «Sie haben uns mitgeteilt, dass der Stundenlohn jetzt auf über 20 Franken ansteigt», sagt die Frau mit Migrationshintergrund. «Für mich ist dieser Job eine Zwischenstation, ich habe nicht vor, langfristig hier zu arbeiten», sagt sie. «Ich freue mich aber über die Lohnerhöhung.» Noch vor zwei Jahren lag der Einstiegslohn für die gleiche Arbeit bei MS Direct bei 17 Franken.

Sprachbarriere als Hindernis

Anders ist es Valbona* ergangen: «Leider habe ich an der Mitarbeiterversammlung kaum etwas verstanden», sagt die gebürtige Osteuropäerin, die über bescheidene Deutschkenntnisse verfügt. Christian Capacoel, Mediensprecher von Syndicom, wendet ein: «An der Information waren sowohl Repräsentanten von MS Direct als auch Gewerkschaftsvertreter vor Ort. Die meisten unserer Regionalsekretäre sind mehrsprachig und standen vor Ort für Fragen zur Verfügung.» Er gibt aber zu: «Wir können nicht ganz alle Sprachen abdecken.»

Ähnlich tönt es bei Milo Stössel: «Wir legen Wert auf eine persönliche und direkte Information.» Allerdings sei es bei der grossen Anzahl an unterschiedlichen Nationalitäten schlicht nicht möglich, die Information in allen Sprachen bereitzustellen. Immerhin arbeiten bei MS Direct laut eigener Website Mitarbeiter aus 55 Nationen. «Wir werden demnächst allerdings noch alle schriftlich informieren», sagt Stössel.

Den Mitarbeitern von MS Direct werden im GAV Deutschkurse zugestanden. «Diese haben wir vorher bereits angeboten – freiwillig», sagt Stössel. Jetzt seien die Kurse aber vertraglich verankert und bindend. Auch Valbona profitiert von diesem Angebot. Seit Anfang Jahr besucht sie zweimal pro Woche einen Deutschkurs in St.Gallen.

* Name der Redaktion bekannt.

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